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Interview mit Walter Passmann

Die REISSWOLF GmbH als Experte für Dokumenten-Management

Bei den Rettungsarbeiten in den Trümmern des Historischen Archivs der Stadt Köln haben neben der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk THW die Experten der Firma REISSWOLF GmbH eine führende Rolle. Diese Fachleute sichern und lagern die Dokumente, die aus dem Schutt geborgen werden. business-on.de sprach mit Dipl. Kfm. Walter Passmann (39) über die vielfältigen Dienstleistungen des Unternehmens.

Wer es nicht besser weiß, schüttelt äußerst irritiert den Kopf – die unschätzbar wertvollen Urkunden aus den Trümmern des Historischen Archivs am Kölner Waidmarkt ausgerechnet dem stadtbekannten Aktenvernichter REISSWOLF anvertrauen? Wurde da etwa der Bock zum Gärtner gemacht?

Keine Angst – zwar ist REISSWOLF-Group in erster Linie bekannt als die Firma, die aus wichtigen Akten blitzschnell Konfetti macht. Doch neben der professionellen Vernichtung von Geschäftspapieren, Dokumenten und digitalen Datenträgern ist die Archivierung und Lagerung von wichtigen Unterlagen Aufgabe des Kölner Unternehmens, das zu den leistungsstärksten der internationalen REISSWOLF-Group gehört. Das wussten auch Dr. Ulrich Soénius, Leiter des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs bei der Industrie- und Handelskammer zu Köln, und Dr. Bettina Schmidt-Czaia, Direktorin des Stadtarchivs. Sie war Monate vor dem dramatischen Einsturz des Hauses als Gast bei REISSWOLF in Köln-Rodenkirchen, um sich über das Leitungsspektrum des Unternehmens zu informieren. „Es gab immer mal wieder Informationen über Pläne, für das Historische Archiv einen größeren Neubau zu errichten. Wir wollten uns als Helfer oder auch als Zwischenlager für den dann erforderlichen Umbau empfehlen,“ erzählt Walter Passmann, der seit knapp drei Jahren als Prokurist bei REISSWOLF Köln Verantwortung trägt.  

Vom Sofa zum Trümmer-Krater

Dr. Soénius und Walter Passmann kennen und schätzen sich aus verschiedenen Netzwerken in der Stadt. „Aber als abends am 3. März mein Telefon zu Hause klingelte und Dr. Soénius mich fragte, ob wir nach dem Einsturz des Archivs helfen könnten, wäre ich fast vom Sofa gefallen. Vorbei war es mit dem gemütlichen Abend, denn wir mussten sofort einspringen und sichern, was von den Dokumenten noch geborgen werden konnte.“

Passmann wie Soénius war sofort klar, dass am Waidmarkt höchste Not herrschte und die immense Aufgabe den ganzen Einsatz des Unternehmens REISSWOLF erforderte. Der Prokurist klingelte ein Not-Team seiner Mitarbeiter zusammen und fuhr mit seinen Spezialfahrzeugen und Transportbehältern in die Südstadt. Dort hatten viele Helfer bereits große Mengen von historischen Papieren aus den unzerstörten Nebengebäuden und Kellerräumen gesammelt.

„In der ersten Nacht hatten wir bereits 400 Behälterbewegungen, mit denen wir Tausende von wichtigen Dokumenten sichern konnten,“ berichtet Walter Passmann. „Meine Leute waren entsetzt über die Szene am Waidmarkt. Es herrschte das reine Chaos, ein Bild wie im Krieg, verbunden mit emotionaler Betroffenheit.“

REISSWOLF rettet das Gedächtnis der Stadt

Seit diesem Datum sind die „REISSWÖLFE“ im friedlichen Einsatz um das „Gedächtnis der Stadt Köln“ zu retten. Dabei graben und suchen die Mitarbeiter der Feuerwehr und des THWs nach den verschütteten Dokumenten und übergeben ihre Fundstücke den Experten des Sicherungsunternehmens. Die Dokumente werden zunächst in Sicherheitsbehälter verpackt um später sortiert zu werden. Trockene Papiere kommen in spezielle Archivkartons, feuchte und staubverklebte in andere geeignete Behälter. Ein großer Teil des bisher geborgenen Archivs lagert in einer großen Halle in Porz, andere Archivalien auf dem REISSWOLF-Gelände im Rodenkirchener Industriegebiet und im Erzbischöflichen Archiv, das spontan den Kollegen von der Stadt seine Hilfe angeboten hatte.

„Wir gehen davon aus, dass der Schuttberg bis Mitte Mai abgetragen ist,“ schätzt Walter Passmann, der als Einsatzleiter im REISSWOLF-Team in der Zeit nach der Katastrophe Tag und Nacht an der Unglücksstelle mit seinen Leuten vor Ort war. Seit der Bergung des zweiten Toten hat der Zeitdruck etwas nachgelassen, denn die Hoffnung, den Verschütteten doch noch retten zu können, hat sich erledigt.

Wann sich allerdings Walter Passmann wieder hauptsächlich auf die „normalen“ Dienstleistungen des Unternehmens konzentrieren kann, weiß er heute noch nicht. Die sichere Lagerung der geretteten Dokumente wird sich über Monate vielleicht sogar Jahre ziehen. Wo und wann ein Neubau die Reste des Archivs aufnehmen kann ist heute nicht bekannt.

Secret. Service

Die REISSWOLF-Gruppe führt den Claim „secret.service“ in ihrem Firmenlogo. „Wir bringen Ihre Akten hinter Schloss und Riegel“ versprechen die Mitglieds-Unternehmen. Das bedeutet, dass REISSWOLF nicht nur Akten sowie Datenspeicher und Festplatten professionell vernichtet, sondern auch Spezialist für die sichere Lagerung und Archivierung von wichtigen Unterlagen ist. „Wenn es um Firmen-, Kunden- und Mitarbeiterdaten geht, muss der Sicherheitsgedanke immer an erster Stelle stehen. Nahezu alle im Büro vorhandenen Schriftstücke und auf Datenträgern erzeugten Dateien enthalten vertrauliche Informationen, die für Dritte unzugänglich sein sollten,“ macht Walter Passmann das Problem bewusst. Nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) müssen Geschäftsunterlagen bis zu zehn Jahren archiviert werden. Die Auslagerung dieser Materialien bei externen Dienstleistern hat viele Vorteile.

„Die Katastrophe beim Historischen Archiv macht auch deutlich, dass man besonders wichtige Dokumente im Original oder als Kopie an einem dritten Ort, also außerhalb des Büros oder der Wohnung, sicher lagern sollte. Im Fall des Falles kann man dann darauf zurückgreifen.“ 

Hygienepapier als alten Akten

Für die Aktenvernichtung hat REISSWOLF in Rodenkirchen die modernste und sicherste Anlage Europas gebaut. Pro Stunde können dort 24 Tonnen Akten geshreddert werden. „Wenn man alle Ordner, die wir hier in einem Jahr vernichten, aneinander reihen würde, reichte dieses Band von Köln bis Barcelona“ rechnete REISSWOLFf-Geschäftsführer Hans Willy Fahnenbruck seinen Gästen zur Eröffnung der Anlage vor. Ganze Aktenordner werden in den unersättlichen Schlund des Shredders geworfen. Papierfremde Materialien wie die üblichen Metallbügel werden umweltfreundlich aussortiert, das Papier selbst in kleine und kleinste Stückchen zerfetzt, dann verwirbelt, in Ballen gepresst und mit Stahldraht verschnürt. Das alles dauert knapp zwei Minuten und läuft vollautomatisch in einem Sicherheitsbereich ab, zu dem kein Unbefugter Zutritt hat. „Das Akten-Konfetti wird zur Produktion von Tissue- und Hygiene-Papieren genutzt. Festplatten und andere Datenträger werden physisch zerstört, ein Haufen Körner ist alles, was übrig bleibt. 

Hans Willy Fahnenbruck gehört mit zu den Initiatoren der internationalen REISSWOLF-Group. Die war der erste europäische Dienstleister im Bereich Datensicherheit und ist heute Marktführer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Schweden. In diesem Jahr ist die Gruppe mit 65 Unternehmen  in 22 Ländern vertreten.

Karnevalsprinz und Sitzungspräsident

Walter Passmann (39) als Prokurist gehört zum Führungsteam der Kölner „REISSWÖLFE“. Seit 2006 ist der gebürtige Kölner im Unternehmen, vorher arbeitete er bei der steag AG, einer Tochtergesellschaft der Ruhrkohle AG, die jetzt als EVONIK AG firmiert. „Ich war für den Einkauf von Sekundärbrennstoffen zuständig. Das sind z. B. Tiermehle, Klärschlämme, oder hochkalorische Abfallfraktionen, die statt Primärenergie, also in unserem Fall Steinkohle, eingesetzt werden konnten.“ Walter Passmann hat sein Studium 1998 an der Kölner Universität mit dem Examen als Diplom Kaufmann abgeschlossen. Als leidenschaftlicher Kölner ist er auch zu seinen „steag-Zeiten“ lieber täglich ins Ruhrgebiet gefahren als, im „Kohlenpott“ eine Wohnung zu nehmen. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau Tanja zwei Kinder. Die Familie lebt in Rodenkirchen. „Es ist herrlich, nur ein paar Minuten von unserem Betrieb in der Wankelstraße zu wohnen,“ schwärmt er.

In der Stadt bekannt wurde er vor allem als Prinz Walter II im Dreigestirn von 2005, als Vorstandsmitglied der Kölnischen KG und als viel gefragter Sitzungspräsident bei vielen Karnevals-Sitzungen. So leitet er souverän und humorvoll im Jahr etwa zehn Veranstaltungen, u. a. von center tv, NetCologne, der Schreiner-Innung Köln, des Colonia Kochkunstvereins und diverse Pfarr-Sitzungen“ Die Honorare für diese närrischen Aktivitäten spendet Passmann zum großen Teil für das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße.

Darüber hinaus ist Passmann auch Mitglied im Zentralbeirat der Kölner Bank. „Netzwerken ist eine meiner größten Leidenschaften“, sagt er ergänzend.

(Ulrich Gross)


 


 

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1 Kommentar

von effjott
20.07.09 13:57 Uhr
rettung des historischen archivs köln

ich würde gerne genaueres über das treffen mit der leiterin des historischen archivs der stadt köln wissen, insbesonder die gründe einer
zwischenlagerung des Materials wegen akuter einsturzgefahr.
mit sicherheit wurden über die gefahren debattiert.
für auskunft wäre ich sehr dankbar.
mit freundlichen grüßen
effjott

 

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