Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Marketing Marketing News
Weitere Artikel
Internet & Netzwerke

Bin ich drin? Der gute Ruf im Web 2.0

Entscheidend ist das Renommee

Hat eine Internetseite in der Vergangenheit viel Wahres berichtet und kann dies durch User-Kommentare und viele Besucher belegen, steigt die Glaubwürdigkeit der Seite und ihrer Betreiber. Eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Ipsos aus dem Jahre 2006 besagt, das rund 30 Prozent der Internetnutzer in Deutschland ein Produkt nicht gekauft haben, da sie im Internet etwas negatives über das Objekt ihrer Begierde gelesen hatten. Werden hingegen Produkte in diversen Blog gelobt, schnellen auch die Verkaufszahlen in die Höhe.

So macht sich ein guter Ruf auch bei Ebay bezahlt: Verkäufer mit einem guten Image – das bei Ebay auf den Bewertungen der Transaktions-Partner beruht – erreichen im Schnitt einen 7,6 Prozent höheren Preis für ihre verkauften Produkte, als diejenigen Verkäufer, die sich von Zeit zu Zeit schlechte Bewertungen eingehandelt haben.

Aber nicht nur bei kommerziellen Transaktionen ist digitales Renommee von Bedeutung – das Internet ist mehr als ein elektronischer Marktplatz. Besonders für viele junge Menschen ist das Web mittlerweile zum sozialen Raum geworden. Spätestens mit dem Erfolg von virtuellen Gemeinschaften, wie Second Life, Studi- oder SchülerVZ ist das Bild des Internets als globales Dorf passend: wie in jedem Dorf verbreiten sich Gerüchte rasend schnell. Wer gegen die Regeln verstößt, wird aus der Gemeinschaft ausgegrenzt. So schreibt der Online Experte Jochen Mai in seinem Blog: „Wir leben im Zeitalter der Inszenierungen und der medialen Selbstdarstellung. Unsere öffentliche Reputation ist ein entscheidender Teil unserer Persönlichkeit, kurz: Ich bin, wer ich in den Augen der anderen bin.“

Im virtuellen Raum überschneiden sich private und öffentliche Interessen

Wer das Netz als Mittel zur Werbung in der eigenen Sache nutzen will, sollte daher möglichst vermeiden, Privates über sich einzustellen, das nicht tageslichttauglich ist. Schnell finden nicht nur Freunde und Bekannte diese Informationen, sondern auch Personalmanager und Geschäftspartner .

Schon wurden Bewerbungen oder Handelsabkommen abgelehnt, da sich im Netz fragwürdige Fotos oder Äußerungen der Kandidaten finden ließen.

Denn digitales Stalking ist heute leichter den je: Mittlerweile gibt es Suchmaschinen, die sich auf das Aufspüren von Informationen über Personen spezialisiert haben, wie „Stalkerati“, „Spock“ oder „Yasni“. Hier gibt man nur den Namen der gesuchten Person ein und die Dienste spucken alles aus, was sich im Netz finden lässt. So weiß beispielsweise der Personalmanager schnell, ob der eingesandte Lebenslauf hält, was er verspricht.

Den Trend zum digitalen Ausspionieren kennt auch Mario Grobholz: „Privatpersonen stehen im Internet zum ersten Mal vor der Aufgabe, Public Relations in eigener Sache zu betreiben“, so der Geschäftsführer und Gründer der „MyON-ID GmbH“. Sein Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, die digitale Reputation ihrer Kunden zu stärken und zu verbessern. Gezielt durchsucht seine Firma das Netz nach unschönen Äußerungen, Bildern und Profilen der Kundschaft und korrigiert die kleinen Makel. So gehören Unternehmen wie „MyOn-ID“, „iKarma“ oder „Reputation Defender“ zu den First-Movern einer neuen PRSparte – das Netz wird zu einer erweiterten Visitenkarte, die es zu pflegen gilt. Schon stellen einige große Unternehmen, wie Coca-Cola oder GlaxoSmithKline „Reputation Officers“ ein, die für den guten Ruf ihres Unternehmens Sorge tragen – denn das Netz vergisst nichts.

Kommentar:
Was früher als Privat galt, steht heute im Netz – viele Experten warnen davor. Die eingestellten Daten sind unmöglich zu löschen, besonders dann nicht, wenn sie bereits von einer Vielzahl von Nutzern auf den heimischen Rechner geladen worden sind. So wird das Nackedei-Filmchen der Hotelerbin Paris Hilton bis zum Ende aller Zeiten im Netz verfügbar sein. Schon fordern Medienrechtler und Wissenschaftler ein Verfallsdatum für Meldungen im Internet. Wie das allerdings technisch möglich gemacht werden soll, weiß keiner. So wird in Zukunft die digitale Reputation genauso wertvoll und schützenswert sein, wie der reale Ruf. Laut einer Publikation des PR Experten Weber Shandwick dauert es im Durchschnitt 3,5 Jahre um den ruinierten Ruf eines Unternehmens wieder herzustellen, von den Kosten ganz zu schweigen. Daher wird sich wohl in Zukunft eine Vielzahl von PR-Experten verstärkt auf den Bereich der digitalen Reputation konzentrieren.

Mehr aktuelle News im Mindsharing Blog.

(Björn Theis)


 


 

Web 2.0
George Orwell
Facebook
Flickr
Xing
Second Life

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Web 2.0" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

2 Kommentare

von Jules
10.03.08 22:43 Uhr
Interessant - aber: nicht aktuell - oder?!

Insgesamt schöner Artikel, und sicherlich auch informativ.
Für diejenigen, die seit 99 nicht mehr im Netz waren. Wenn man hier Bsp. von der Cola-Affäre von 1999 bringt, lässt man den eigenen Artikel absichtlich überholt erscheinen - umso mehr da es um das Thema Internet und den dementsprechend schnellen Informationsfluss geht.
Bessere und aktuellere Bsp. gibt es zuhauf - ein einfache Recherche bringt da genug ans Tageslicht.

Viele Grüße,

J. Erdmann.

von Björn
13.03.08 10:44 Uhr
Aktueller denn je!

Zugegeben, das Cola-Beispiel ist schon etwas in die Jahre gekommen, dennoch zeigt es wie teuer der Verlust des guten Rufes werden kann. Trotzdem ist die Thematik aktueller den je. So nehmen die Internet-Dienstleister, die sich mit dem guten Ruf ihrer Klienten auseinandersetzten, aber auch die Suchmaschinen mit denen ma gezielt nach Personen suchen kann stetig zu. Wer sich nicht jetzt um seinen guten Ruf im Netz kümmert, hat morgen vielleicht schon verloren.

Liebe Grüße

Björn

 

Entdecken Sie business-on.de: