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Weniger Steuern, weniger Subventionen für mehr Gründungsdynamik

Interview mit Dr. Andreas Lutz, auch bekannt als „Mr. Gründungszuschuss“: Der Betreiber und Gründer der Website gruendungszuschuss.de und Autor zahleicher Ratschlagwerke berät seit mehreren Jahren Jungunternehmer zu Förderungsmöglichkeiten. Mit business-on.de sprach er über Veränderungen, neue Entwicklungstendenzen und Chancen des Gründungsbereichs.

business-on.de: Wie kam es zur Bildung der Initiative „Gruendungszuschuss.de“?

Dr. Lutz: Als ich mich Anfang 2003 mit Hilfe von Überbrückungsgeld selbständig machte. Eigentlich hatte ich eine ganz andere Geschäftsidee im Kopf. Aber in meinem Bekanntenkreis gab es viele, die in einer ähnlichen Situation waren wie ich. So wurde ich bei jeder Gelegenheit befragt, wie das den funktioniere mit der Gründungsförderung. Nur zum Spaß registrierte ich die Domain ueberbrueckungsgeld.de und beschrieb dort meine Erfahrungen und verriet meine besten Gründungstipps. Mit diesen authentischen, praxisnahen Informationen traf ich einen Nerv. Vom ersten Tag an bekam ich E-Mails mit Fragen zu Förderung und Businessplan, aber auch mit viel positivem Feedback: "Mach weiter so!"

Drei Wochen nach dem Start listete der STERN meine Website zusammen mit der des Bundeswirtschaftsministeriums als die wichtigste Quelle zu den Themen Ich-AG und Überbrückungsgeld. "Wenn das so einfach ist", dachte ich mir, "dann mache ich das noch drei Wochen länger". Daraus sind mehr als drei Jahre geworden und meine Arbeit macht mir noch immer genau so viel Spaß wie am ersten Tag. Inzwischen habe ich mehr als 10.000 Gründer mit Workshops und meinem Businessplan-Tool in die Selbständigkeit begleitet. Mit der Umbenennung des Überbrückungsgelds in "Gründungszuschuss" am 1. August diesen Jahres änderte ich auch den Namen der Site in gruendungszuschuss.de.

business-on.de: Bitte schildern Sie uns, was sich genau seit dem 1. August dieses Jahres verändert hat?

Dr. Lutz: Am 1. August wurde der Gründungszuschuss eingeführt, er ersetzt Ich-AG und Überbrückungsgeld. Die neue Förderung ist finanziell sehr attraktiv ausgestattet, sie beträgt bis zu 23.555 Euro. Neun Monate lang wird das Arbeitslosengeld I weiterbezahlt, bis zu 15 Monate lang erhält der Gründer zudem eine Pauschale von 300 Euro, mit der er die Kosten der Sozialversicherung abdecken kann. Die Förderung steht nicht nur Arbeitslosen offen, sondern unter bestimmten Umständen auch Angestellten, die sich selbständig machen. Erstmals können auch Betriebsübernahmen gefördert werden. Gründungsinteressierte sollten mit den Vorbereitungen frühzeitig beginnen.

Zum Zeitpunkt der Gründung müssen noch mindestens 90 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld I bestehen. Außerdem empfehle ich eine freiwillige Mitgliedschaft in der Arbeitslosenversicherung für Selbständige. Da der Gründungszuschuss mit dem Arbeitslosengeld I-Anspruch verrechnet wird, ist der Anspruch auf Arbeitslosengeld I nach Förderende ganz oder teilweise aufgebraucht. Durch die freiwillige Arbeitslosenversicherung kann ein neuer Anspruch aufgebaut werden. Arbeitslosengeld II-Empfänger können übrigens keinen Gründungszuschuss erhalten, Ihnen steht schon seit Anfang 2005 das Einstiegsgeld als Förderung offen.

Soft-Skills als wichtigster Erfolgsfaktor

business-on.de: Welche Ratschläge geben Sie Jungunternehmern, oder Denen, die es werden wollen?

Dr. Lutz: Viele Bücher, Informationsanbieter und Berater reduzieren die Gründung auf die Wahl der Rechtsform, das Schreiben des Businessplans usw. Auch ich biete auf meiner Website dazu viele Hilfen. Um erfolgreich zu sein, reicht es aber nicht, möglichst viel Wissen zu sammeln und Sachentscheidungen richtig zu treffen. Der Erfolg der Gründung hängt sehr stark auch von "soften" Faktoren ab.

 

Wähle ich eine Tätigkeit, die zu meiner Persönlichkeit passt? Kann ich meine Stärken voll einbringen? Als Selbständiger muss ich mich jeden Tag von Neuem motivieren, ich habe keinen Chef der mich antreibt.

 

Deshalb ist es so wichtig, die Herausforderungen richtig zu wählen. Selbst innerhalb ein und derselben Branche gibt es ganz unterschiedliche Wege, Kunden zu gewinnen. Ich rate jedem Gründer, der sich das leisten kann, dazu, sich vor der Gründung eine Auszeit zu nehmen und sich einige Wochen lang auf die eigenen Stärken und Wünsche zu besinnen, einfach mal das zu tun, was ihm oder ihr Spaß macht. Mit meinen Büchern und Workshops möchte ich nicht einfach nur unmittelbar anwendbares Wissen vermitteln, sondern dem Gründer auch dabei helfen, eine innere Einstellung zu entwickeln, die zu ihm passt und die Grundlage für seinen Erfolg schafft.

business-on.de: Meinen Sie, dass Existenzgründer hier zu Lande genügend über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten, aber auch über Herausforderungen, evt. Probleme etc. informiert werden?

Dr. Lutz: Der Gründungszuschuss ist eine vergleichsweise klare und einfach verständliche Fördermaßnahme. Trotzdem habe ich im Laufe der letzten Jahre viele tausend E-Mail-Anfragen dazu erhalten und der resultierende FAQ umfasst mehr als 100 Fragen und Antworten. Andere Formen der Förderung, zum Beispiel Beratungs- und Investitionsförderung sowie Förderkredite sind sehr viel komplizierter, weil sie von unterschiedlichsten Stellen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene nach unterschiedlichsten Kriterien vergeben werden. Die Halbwertszeit administrativer und gesetzlicher Regelungen wird zugleich immer kürzer. Selbst Experten blicken da kaum noch durch. Die Höhe der Förderung ist meines Erachtens völlig ausreichend, nur fehlt es an Kontinuität. Mit meiner Website versuche ich einen Beitrag zu mehr Transparenz zu leisten, denn ich finde es unfair, wenn nur die Leute mit guten Beziehungen erfahren, was Ihnen zusteht, während andere nicht selten von überforderten Beratern abgewimmelt werden.

business-on.de: Die häufigsten Fragen, die sich Existenzgründer stellen?

Dr. Lutz: Ist meine Geschäftsidee tragfähig? Also: Werde ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten können? Bringe ich die persönlichen Voraussetzungen für die Selbständigkeit? Wird es mir gelingen, meine Leistungen zu verkaufen? Welche Risiken gehe ich durch die Selbständigkeit ein und wie kann ich sie beherrschbar machen? Was muss ich tun, um Gründungsförderung zu erhalten? Was kann ich tun, um möglichst von Anfang an erfolgreich zu agieren?

Nach der Gründung stehen dann andere Fragen im Vordergrund, Themen wie Kundengewinnung, Buchhaltung und Steuern, Ablage und Administration, Schreiben von Rechnungen, Eintreiben von Forderungen, Zeit- und Selbstmanagement. Mit meinem neuen Buch "Jetzt sind Sie Unternehmer – Was Sie von Anfang an wissen müssen" will ich die Gründer auch bei diesen Fragen begleiten. Das Rad braucht schließlich nicht von jedem Gründer neu erfunden werden.


 


 

Andreas Lutz
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