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Wer sich nicht erholt, wird überholt

… der unterschätzte Erfolgsfaktor Regeneration und Erholung

Wie oft haben Sie heute schon auf Ihr Smartphone gesehen? Und wie viele Male inne gehalten und bewusst ein- und ausgeatmet? Wir hetzen von Termin zu Termin, checken unterwegs E-Mails und Nachrichten, wollen ständig erreichbar, informiert und produktiv sein. Eine Haltung mit fatalen Folgen, sagt Antje Heimsoeth, Expertin für Mentale Stärke, Motivation und Selbstführung.

Die richtige Balance zwischen Höchstleistung, Erholung und Regeneration ist enorm wichtig, besonders bei Managern und Führungskräften, an die hohe Anforderungen gestellt werden. Härte gegen sich selbst ist bei ihnen oft obligatorisch, um Stress und Druck standzuhalten. Während Marathonläufer maximal drei Marathons im Jahr bestreiten, absolvieren Führungskräfte ein Vielfaches davon. Profisportler hingegen verbringen die meiste Zeit damit, sich fit für Höchstleistungen zu machen. Sie richten den Fokus auf Aufbau, Erhalt und Erneuerung ihrer Energie, die sie für erfolgreiche Wettkämpfe benötigen. Spitzensportler werden erst durch Pausen richtig gut! Führungskräfte gönnen sich oft nicht mal vier Wochen Urlaub im Jahr. Und selbst am Wochenende ist der Griff zum Smartphone oder Tablet für den Highperformer oft selbstverständlicher, als sich bewusst eine Auszeit zu nehmen und sich zu erholen.

Ohne Regeneration droht Krankheit und Müdigkeit

Regeneration, also Erholung von vorangegangenen Belastungen und Erholung als aktiver Prozess, bei dem man sich ausruht, um wieder zu Kräften zu kommen sowie Entspannung geben neue Energie für mehr Leistung. Und das wirkt sich positiv auf die Psyche aus. Während Manager im Business darauf getrimmt sind, mit den Ressourcen des Unternehmens achtsam umzugehen, ist ihre Achtsamkeit für den Erhalt eigener Ressourcen gering. Aktuelle Studien belegen, dass Führungskräfte im Schnitt nur fünf Stunden pro Nacht schlafen. Berufliche Belastungen und Grübeleien hindern sie am Ein- und Durchschlafen. Mit fatalen Folgen: Konzentrations- und Leistungsfähigkeit lassen erheblich nach. Wer kontinuierlich mehr ausgibt, als er einnimmt, wirtschaftet sich in den Ruin – das gilt auch für körperliche Ressourcen. Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwäche, Angstzustände, depressive Verstimmungen, aber auch Reizmagen oder Bluthochdruck sind Folgen chronischer Erschöpfung. Wer sich körperlich permanent am Limit bewegt, bringt keine Höchstleistungen mehr – das ständige Streben nach mehr wird zum Eigentor.

Aufs richtige Energiemanagement kommt es an

Nicht Zeit, sondern Energie ist die Kardinalwährung der Höchstleistung, stellte bereits Jim Loehr, Pionier der Sportpsychologie, fest. Wer im unternehmerischen Wettbewerb bestehen will, muss mit seinen Kräften bewusst haushalten. Das Beispiel eines Extrem-Radsportlers aus meiner Coaching -Praxis verdeutlicht dies: Mein Klient trainierte für das „Race Across America“ (RAAM), das härteste und längste Radrennen der Welt. Sein Training sah Regenerationsphasen vor. Doch jedes Mal, wenn er von (übergewichtigen) Freizeitsportlern auf seiner Trainingsstrecke überholt wurde, packte ihn der Ehrgeiz. Er vergaß seinen Puls und lieferte sich ungeplante Rennen. Für den Moment feierte er einen Triumph, doch was war mit dem hoch gesteckten Ziel, der erfolgreichen Teilnahme am RAAM? Ihm wurde klar, dass er diese Höchstleistung nur vollbringen würde, wenn er sich an den Trainingsplan hielt – und damit eben auch an vorgegebene Erholungsphasen für den Körper. Als Highperformer in der Wirtschaft ist es ebenso wichtig, Ruhezeiten im Alltag einzuplanen und diszipliniert einzuhalten statt immer darüber hinwegzugehen. Dann ziehen nämlich jene an Ihnen vorbei, die achtsamer mit sich umgehen und feiern die Erfolge, nach denen Sie gestrebt haben.
Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga oder Atemübungen sind nützliche Entspannungstechniken. Wichtige Energiespender sind zudem frische Luft, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Wasser-Trinken, Spaß, soziale Kontakte und Gedankenhygiene. Wir wissen darum, unterschätzen aber die Auswirkungen der Vernachlässigung.

Tipps zur Entschleunigung im Alltag:

  • Entspannungsatmen: Legen Sie die Hände auf den Bauch. Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie dabei langsam bis drei. Atmen Sie bewusst, langsam und gleichmäßig durch den Mund aus. Beim Einatmen hebt sich Ihre Bauchdecke, die Finger gehen leicht auseinander. Halten Sie den Atem für eine Sekunde an. Atmen Sie nun langsam wieder aus. Die Bauchdecke senkt sich zurück, die Finger berühren sich wieder. Achten Sie darauf, dass das Ausatmen deutlich länger dauert als das Einatmen. Wiederholen Sie das mehrere Male.
  • Innerer Rückzug: An Tagen, an denen Sie Ihren Arbeitsplatz nicht verlassen können, entfernen Sie sich geistig für ein paar Minuten. Gehen Sie in Ihrer Fantasie an einen schönen Ruhe-Ort, z.B. auf den Steg an einem See, an den Strand, in die Berge oder an einen Lieblingsplatz. Diese Visualisierung bewirkt wohlige Entspannung und beruhigt die Nerven. Rufen Sie Ihr Ruhebild ab, indem Sie tief durchatmen, ein Schlüsselwort („Ruhe“ o.ä.) sagen und sich mental dorthin versetzen.
  • Feierabend: Bevor Sie das Büro verlassen, erkundigen Sie sich bei Ihren Mitarbeitern, wie der Tag lief. Fertigen Sie eine to do-Liste für den nächsten Tag an. Schalten Sie den Computer ab und klopfen Sie auf den Schreibtisch. Beim Rausgehen verabschieden Sie sich von allen, denen Sie begegnen und sprechen nichts Dienstliches mehr. Den Heimweg nutzen Sie zum inneren Abschalten, Gedanken an die Arbeit sind tabu. Am Ortsschild (oder an der letzten Bahn- oder Busstation) halten Sie inne: Denken Sie gerade noch an die Arbeit? Falls ja, stoppen Sie die Gedanken. Schicken Sie sie fort, sagen Sie leise (gerne auch laut) STOPP. Zusätzlich können Sie noch mit einer Hand auf Ihren Schenkel klopfen. Atmen Sie dabei ruhig und tief. Stellen Sie sich vor, wie sich der Gedanke in Luft auflöst. Zuhause angekommen, legen Sie Ihr Handy in den Flur, schalten es ab – und erst morgens wieder an.

(Antje Heimsoeth / Sport- & BusinessN)


 


 

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