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Werbungskosten

Doppelte Haushaltsführung: Privatbesuche vom Partner zählen nicht dazu

Im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung lassen sich Heimfahrten zwischen Beschäftigungsort und Familienwohnsitz einmal pro Woche mit 0,30 Euro über die Entfernungspauschale als Werbungskosten absetzen.

Ist der Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen an der wöchentlichen Heimfahrt gehindert, darf ihn der Ehepartner am Arbeitsort besuchen. Hier lassen sich dieselben Aufwendungen als sogenannte umgekehrte Heimfahrt absetzen. Dies gilt aber nicht mehr, wenn die im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung anfallenden Flug- und Fahrtkosten, die ein Ehegatte aufwendet, privat veranlasst sind.

Nach dem Beschluss des BFH vom 2.2.2011 (Az. VI R 15/10) sind die Kosten des am Familienwohnsitz lebenden Ehegatten für Besuchsreisen zur Wohnung des anderenorts berufstätigen Ehegatten zumindest dann nicht im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung bei der Einkommensteuer abziehbar, wenn diese Besuchsreisen privat veranlasst waren. Im zugrunde liegenden Fall besuchte der Ehemann seine Ehegattin mehrfach am Zweitwohnsitz, und zwar nicht etwa wegen einer beruflichen Verhinderung, sondern aufgrund privater Entscheidungen der Ehegatten. Das Finanzamt erkannte die Mehraufwendungen für die doppelte Haushaltsführung im Wesentlichen an. Allerdings ließ es die Reisekosten des Ehegatten für Besuche am Arbeitsort nicht zum Werbungskostenabzug (zur Werbungskosten Definition) zu.

Dies bestätigte der BFH, denn bei den Reisekosten des Mannes handelt es sich weder um eine begünstigte Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung noch sind es sonstige Werbungskosten. Denn soweit den Besuchsreisen private Motive zu Grunde lagen, sind sie nicht beruflich veranlasst gewesen und steuerlich daher nicht begünstigt. Auch Art. 6 des Grundgesetzes – Schutz der Ehe und der Familie – erfordert nach Auffassung der Richter kein anderes Ergebnis. Die Regelungen des Einkommensteuergesetzes zu Familienheimfahrten sind verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Eine noch weiter gehende Anerkennung von Besuchsreisen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung kommt nicht in Betracht, sodass eine in der großen räumlichen Entfernung zwischen Beschäftigungsort und Familienwohnsitz liegende Verhinderung an der Durchführung regelmäßiger wöchentlicher Heimfahrten nicht ausreicht. Denn Familienheimfahrten stellen dem Grunde nach private Aufwendungen dar, die nur ausnahmsweise zum Werbungskostenabzug zugelassen sind. Ist der Arbeitnehmer nicht aus beruflichen Gründen an einer Heimfahrt gehindert, liegt die Ursache ausschließlich im privaten Bereich.

(TIPP) Grundsätzlich sind Familienheimfahrten einmal pro Woche hin und zurück mit der Entfernungspauschale von 30 Cent je Kilometer absetzbar. Alternativ dürfen auch Ehepartner oder Kinder unter gleichem Kostenansatz zum Arbeitsort hinreisen, wenn der Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen an einer Familienheimfahrt gehindert ist. Dies liegt zum Beispiel bei folgenden beruflichen Anlässen vor:

  • Der Angestellte musste vor Ort Bereitschaftsdienst leisten.
  • Dem Arbeitnehmer ist vom Arbeitgeber untersagt worden, die Heimfahrt durchzuführen.
  • Der Angestellte war dienstlich unabkömmlich.
  • Am Arbeitsort fand eine Teilnahme des Arbeitnehmers an einer Fortbildungsveranstaltung statt.
  • Der maßgebliche Umstand für die Verhinderung der Heimfahrt hatte seine Ursache ausschließlich im dienstlichen Bereich.

(VSRW-Verlag)


 


 

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