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Wirtschaftsclub Köln

Wie viel Testosteron braucht Frau zur Macht?

„Stell Dir vor, eine Frau ist Kanzlerin – und keiner merkelt es!“ Mit dieser witzigen Kurzform brachte die Bonner Soziologin Doris Lucke das Thema der aktuellen Diskussion des Wirtschaftsclubs Köln „Merkel, Thatcher, Clinton & Co – Wie viel Testosteron braucht Frau zur Macht?“ auf den Punkt. Im Dom-Hotel, regelmäßiger Treffpunkt des Wirtschaftsclub Köln, hatte sich eine bunt gemischte Runde aus Fachfrauen und Fachmännern eingefunden, um zu ergründen, wie Machtgefüge in Politik und Wirtschaft ticken.

„Warum gibt es das weibliche Machtvakuum in den oberen Etagen der Wirtschaft?“ wollte Moderatorin Karin Bäck wissen. Die Journalistin und Autorin der Serie über Power-Frauen auf business-on.de hatte die Veranstaltung für den Wirtschaftsclub Köln entwickelt und organisiert. Mangelt es den Frauen etwa an Testosteron? „Frauen mit mehr Testosteron kommen leichter nach oben,“ antwortete Susanne Kleinhenz, Leiterin der Live-Academy eines großen Versicherungskonzern und Autorin der Bücher „Das 21. Jahrhundert ist weiblich – Über die Freiheit, die Frau zu sein, die Sie sein wollen“ und „Der Mann im weiblichen Jahrhundert – was Männer und Frauen voneinander lernen können“. Demonstriert Kanzlerin Merkel die politische Herrenlosigkeit der Macht? „Die Macht ist aus der Politik in die Wirtschaft abgewandert“, erklärte die Bonner Soziologin Prof. Dr. Doris Lucke. „Wo die Macht ist, fehlen die Frauen“. Ironisch wies sie darauf hin, dass einem zum Wort „Sekretär“ nur noch ein Möbelstück einfällt. „Angela Merkel muss keine Frauenpolitik machen. Sie hat mit Ursula von der Leyen und Annette Schavan zwei Ministerinnen, die für sie die Jungs in Schach halten.“

Ein Drittel des Kabinetts ist weiblich

Bei allen Klagen über die angeblich mangelhaften Chancen der Frauen, lenkte der erfahrene CDU-Politiker Hermann-Josef Arentz mit seinem Hinweis „Ein Drittel des Bundeskabinetts ist weiblich“ die Aufmerksamkeit des Auditoriums wieder auf die Realität. Der Partner der Managementberatung Dr. Dithmar & Partner (DRDP), Stuttgart, und Lehrbeauftragte der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, outete sich als Anhänger der Frauen-Quote, obwohl die von vielen Politikerinnen und Managerinnen selbstbewusst abgelehnt wird. „Wie ich den Fuß in die Türe kriege, ist nicht wichtig. Ich muss erst mal reinkommen, um dann zu zeigen, was ich kann. Im Hinblick auf Frauen-Karrieren spiegelt die Wirtschaft die Situation der 60er Jahre in der Politik wider.“

Co-Moderatorin Julie Edelmann-Veith, wollte wissen: „Wenn es stimmt, dass Frauen lieber mit ‚sanften’ Methoden Karriere machen wollen, bleibt dann alles, wie es ist. Männer bleiben Häuptlinge, Frauen Indianer?“ Christiane Flüter-Hoffmann vom Institut der Deutschen Wirtschaft forscht u. a. auf den Gebieten Lebenszyklusorientierte Personalpolitik und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Das Old Boy-Network lässt Frauen nicht nach oben, obwohl Schülerinnen und Studentinnen bessere Noten und Abschlüsse haben. Frauen profitieren also nicht von ihrem Wissensvorsprung, sie verkaufen sich unter Wert.“

Die Bildungsforscherin empfiehlt den Betrieben, die auf weibliche Führungskräfte setzen, das Instrument des Mentoring, bei dem junge Nachwuchskräfte gezielt von erfahrenen Managern, auch Männern, gefördert werden. „Das funktioniert auch hervorragend unternehmensübergreifend“, hat sie festgestellt. Sie sitzt u.a. in der Jury, die den Preis „TOTAL E-QUALITY“ an Unternehmen und Organisationen vergibt, die Chancengleichheit fördern bzw. praktizieren.

Bermuda-Dreieck schluckt Karrieren

Ein „Bermuda-Dreieck“ hat Prof. Doris Lucke in der Vita vieler Frauen entdeckt. „Nach ihrer Ausbildung klettern sie die ersten Sprossen auf der Karriereleiter zügig hoch. Dann verschwinden sie im Bermuda-Dreieck von Ehe und Kindern. Heirat und Mutterschaft sind immer noch die großen Frauenfallen.“ Gleichzeitig kritisiert sie das mangelnde Ansehen von bestens ausgebildeten Akademikerinnen. „In der Bonner Uni-Klinik haben mir Ärztinnen erzählt, dass sie prompt für Krankenschwestern gehalten werden, wenn Sie kein Schild mit ihrem Doktor-Titel am Kittel tragen.“

Der Kölner Zukunftsforscher Klaus Burmeister, Gründer und Chef des Instituts Z_punkt, das Innovations- und Foresightprozesse für namhafte Unternehmen übernimmt, konnte allerdings Trost spenden. „Die ökonomische Entwicklung wird die Bedeutung der Frauen ändern. Auf sie als große Ressource der Wirtschaft kann die Gesellschaft nicht verzichten.“ Das Thema Work-Live-Balance stelle damit eine der großen Herausforderungen in der Zukunft dar.

Christian Kerner, geschäftsführender Vorstand des Wirtschaftsclubs und Kölner Rechtsanwalt, versprach, auch in Zukunft weitere Diskussionsforen zum Thema Chancengleichheit und Gender zu planen. Denn das Thema war auch bei vielen Gästen, die noch nicht Mitglied des Clubs sind, auf lebhaftes Interesse gestoßen.

(Ulrich Gross)


 


 

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