Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Aktuell News
Weitere Artikel
Wirtschaftsjunioren

Machen statt diskutieren

Kölns Wirtschaftsjunioren wollen im nächsten halben Jahrhundert ebenso „in die Hände spucken“ wie in der Vergangenheit. Die Jung-Unternehmer und Führungskräfte unter 40 haben 50 Projekte auf der Agenda, nicht etwa für den eigenen Profit sondern zum Wohle der ganzen Stadt.

In diesem Jahr feiern die Nachwuchsmanager das Jubiläum ihrer Organisation nach dem Motto „50 Jahre jung und froh, Wirtschaftsjunioren weiter so“. Beim Neujahrsempfang im Mercedes-Benz Center in Braunsfeld versicherte ihr Vorsitzender Ralph Friederichs, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Cyberdyne GmbH, „Wir haben großes Engagement für Köln, wollen die Stadt besser machen. In Köln werden viele Projekte tot geredet. Beispiel: Ausbau des Godorfer Hafens oder Tieferlegung der Nord-Süd-Fahrt. Im Rathaus stehen die Zeichen schon auf Wahlkampf. Aber während andere diskutieren, machen wir es einfach“.

In ihren Meetings trainieren die Wirtschaftsjunioren nicht die kölsche Kunst des Klüngelns, sondern engagieren sich für wichtige Entwicklungen in der Gemeinschaft. Dazu gehören der Ausbildungsmarkt für Schulabgänger, Bewerbungstrainings für junge Jobsucher, Benefiz-Aktionen wie die Beteiligung am KölnMarathon, bei der 12.000 Euro für soziale Zwecke gespendet wurden. „In diesem Jahr wollen Jahr wollen wir 42.000 Euro ‚erlaufen’, für jeden Marathon-Kilometer 1.000 Euros“ plant der Vorstand. Pfiffig auch die Aktion, bei der Trödel für Flohmärkte gesammelt wird. Der Erlös fließt ebenfalls in Hilfsprojekte.

Gewerbesteuer stabil seit 1988

In den repräsentativen Räumen des Autohauses mit dem Stern (mit 11.500 qm Ausstellungsfläche) für erwiesen Bürgermeister Josef Müller (CDU) und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Herbert Ferger den Junioren die Ehre. Als Gastgeber drückte Thomas Millies, Leiter PKW-Verkauf, seine Freude über ein sehr erfolgreiches Jahr aus. „Wir haben rund 5.000 Neuwagen und 6.000 gebrauchte verkaufen können. Hoffen wir, dass sich dieser Trend auch in 2008 fortsetzt.“

Josef Müller, der populäre Vertreter des Rats der Stadt, wies auf die gute Gewerbesteuerpolitik der Stadt hin, die seit 1988 nicht mehr erhöht worden sei. Sie habe mit dazu beigetragen, dass sich die finanzielle Situation der Stadt entspannt habe. „Das verdanken wir auch dem starken Mittelstand in Köln,“ sagte Josef Müller. Als Boom-Region hat sich der Rheinauhafen entwickelt, in dem 2009 / 10 auch das dritte Kranhaus der Hamburger Architekten BRT Bothe Richter Teherani vollendet wird. Weil alle in den Hafen wollen, entwickelt die Stadt mit Nachdruck das benachbarte Gebiet „Weichserhof“ rund um Holzmarkt und Siontal gegenüber dem Schokoladenmuseum, ein Viertel, das bisher zu den dunkelsten Ecken der City zählte.

„Bis zum Jahr 2025 wird Köln um 80.000 Einwohner wachsen,“ prophezeite Müller. „Das mit unsere Stadt eine der ganz wenigen in Deutschland, die wegen der demographischen Entwicklung nicht schrumpfen werden.“ Sehr positiv verlaufe die China-Offensive der Stadt: bereits 130 Firmen aus dem Reich der Mitte haben sich in Köln angesiedelt.

47 Seiten voller Paragraphen für die Privatversicherung

Mit Kritik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung hielt Dr. Hartmut Nickel-Wannninger, Mitglied des Vorstands der Gothaer Versicherung, dem Hauptsponsor der Wirtschaftsjunioren. „Wer in Zukunft eine private Krankenversicherung neu abschleißt, erhält von seiner Gesellschaft einen Vertrag mit 47 Seiten voller Paragraphen. Das ist auf Grund der Gesetze nicht zu vermeiden,“ erklärte er. Und fügte hinzu: „Sie können sich eigentlich nur noch privat versichern, denn Sie wissen nicht, ob nicht Politiker plötzlich die Verordnungen von grünen, blauen oder rosa Pillen willkürlich verbieten.“

Die deutsche Versicherungswirtschaft stagniert laut Nickel-Wannninger. Deshalb ist die Gothaer mehr als zufrieden mit ihrem überdurchschnittlichen Wachstum von rund 2,5 %. Vor allem die Erhöhung der Versicherungssteuer auf 19%, die keiner bei der Steuer „absetzen“ könne, wird für die unbefriedigende Entwicklung der Geschäfte verantwortlich gemacht. Aber auch die Diskussionen um die Vorsorge, z. B. im Zusammenhang mit der Grundsicherung und Riester-Rente.

(Fotos. Carsten Estermann)

(Ulrich Gross)


 


 

Wirtschaftsjunioren
Mercedes-Benz Center
Ralph Friederichs
Josef Müller
Thomas Milli

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Wirtschaftsjunioren" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

2 Kommentare

von Thomas Kahlix
30.01.08 22:44 Uhr
Gut so! - Auch andere arbeiten am Wohl der Stadt...

Zitat: „Die Jung-Unternehmer und Führungskräfte unter 40 haben 50 Projekte auf der Agenda, nicht etwa für den eigenen Profit sondern zum Wohle der ganzen Stadt.“
In Ordnung, das ist eine lobenswerte Initiative. Und dann heißt es weiter: „Wir haben großes Engagement für Köln, wollen die Stadt besser machen. In Köln werden viele Projekte tot geredet. Beispiel: Ausbau des Godorfer Hafens...“
Da erlauben Sie vielleicht ein paar Anmerkungen:
Ich bin kein Wirtschaftsfachmann, aber habe die Erwartung, daß Sie als wirtschaftlich denkende Menschen eine krasse Fehlinvestition nicht gerade als Garant für den eigenen Profit empfehlen würden. Und wenn wie beim Godorfer-Hafen-Ausbauplan die Einschätzungen über den Nutzen so kontovers sind (immerhin gibt es ja ein Alternativgutachten, das der HGK- Expertise Blauäugigkeit vorhält), wäre es doch vielleicht im Interesse der Kölner Unternehmer, erstmal Klarheit über die Frage zu erhalten, wie die 30 Millionen städtischer Gelder und die weiteren 30 Millionen öffentlicher Subventionen möglichst effizient angelegt wären. Ansonsten könnte doch der fatale Eindruck enstehen, es ginge vielleicht doch nur um den eigenen Profit – z.B. in Form der lockenden Aufträge für den Hafenbau.
Dann wüßten viele Anwohner auch noch gerne, WER denn nun im Kölner Süden sich nichts sehnlicher wünscht als einen neuen Container-Hafen. Die HGK hat sich bisher geweigert, auch nur einen einzigen Interessenten zu nennen: nein, halt: ein Logistik-Unternehmen aus Duisburg soll auf Anfrage theoretisches Interesse gezeigt haben. Vielleicht können Sie verstehen, daß das den Kritikern nicht genügt, denen unter anderem der Erhalt des NSG Sürther Aue und ein intakter Hochwasserschutz am Herzen liegt.
Im BAUM-Gutachten wird bereits für das erste Betriebsjahr in Godorf ein wasserseitiger Umschlag von 120 000 TEU vorhergesagt, was bereits die zulässige Obergrenze darstellt. Sie als Unternehmer können besser als ich beurteilen, ob das eine vernüftige Grundlage für eine Rentabilitätsberechnung ist und vor allem, ob Sie einen neuen Standort anpacken würden, der sofort ohne jede Erweiterungsmöglichkeit zu 100% ausgelastet wäre.
Da sind nur einige Punkte, die sogar bei Laien Zweifel an der Planungsseriosität aufkommen lassen, und ob das „die Stadt besser machen“ wird. Das Aktionsbündnis hat ganz andere Vorschläge gemacht (z.B. Optimierung der vorhandenen Strukturen), für die sich allerdings niemand interessiert
Und zuletzt: „Totgeredet“ wurde das Projekt Godorf ja wohl kaum; denn gestern hat der Rat ja das Bürgerbegehren gegen die Erweiterung für unzulässig erklärt. Das wird insofern zum Wohle der Stadt sich auswirken, als bei der Kommunalwahl 2009 zwei Parteien mehr als 38 000 Stimmen fehlen werden.
Und ob die alle zur FDP gehen werden, ist genauso fraglich wie die unverzügliche Wanderung aller Niehler Container nach Godorf.

Schönen Gruß aus dem Kölner Süden -
Thomas Kahlix / BI Hochwasser / www.hochwasser.de
30.Januar 2008

von KAI
01.02.08 20:09 Uhr

Man kann auch gegen alles sein, oder?
Der Wirtschaftsjunioren bewegen in Köln sehr viel. Viel mehr als so manch andere Vereine.

 

Entdecken Sie business-on.de: