Sie sind hier: Startseite Köln-Bonn Aktuell News
Weitere Artikel
Womens World Event

Bremsen Frauen ihre Karriere?

Senioren, Behinderte und Frauen gelten als das Reservoir an Arbeitskräften, wenn die Deutschen bald weniger werden. Vor allem in den Führungsetagen der Wirtschaft fehlen bald qualifizierte Kräfte. Aber „Viele Frauen wollen gar nicht an die Spitze “, analysierten der Kölner Arbeitsrechtler Christian Kerner und Karin Bäck, Chefredakteurin von business-on.de die Situation beim 3. „Womens World Event“ in Köln.

„Viele Headhunter klagen über Schwierigkeiten, genügend Bewerberinnen für Führungsaufgaben zu finden“, ergänzte Dipl. Kffr. Karin Bäck. „Sogar der Dekan der Kölner WiSo-Fakultät, Prof. Schultz-Nieswandt, würde gerne mehr Professorinnen beschäftigen.“ Er vertritt die Ansicht, dass viele Nachwuchs-Talente den erforderlichen „Bewerbungsmarathon“ scheuen, den sie bis zur Berufung auf einen Lehrstuhl absolvieren müssen. „Männer sind da anders, denn die nutzen ihr natürliches Platzhirschgehabe“, meinte Rechtsanwalt Christian Kerner, geschäftsführender Vorsitzender des Wirtschaftsclubs Köln.

Beide referierten vor mehr als 200 Besucherrinnen des Womens World Event in der Kölner Wolkenburg zum Thema „Frauen an der Macht? Gibt es Mechanismen, die Frauen am Aufstieg hindern oder sind es die Frauen selber, die ihren Aufstieg verhindern.“

MINT-Berufe bieten Frauen größere Chancen

Kerner riet den Abiturientinnen, die nach ihrem Studium ernsthaft Karriere machen wollen, Fächer zu studieren, in denen auch ihre Kommilitonen den Aufstieg schaffen, also z. B. Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftsfächer oder Jura statt Sozialpädagogik, Geschichte, Religion oder Geographie. Karin Bäck ergänzte: „In den sogenannten MINT-Berufe sind die Verdienstchancen besser “. Mit dem Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden Studentinnen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gefördert.

20% weniger Gehalt

Als Fachanwalt für Arbeitsrecht weiß Christian Kerner aus vielen Beratungen und auch Prozessen, dass Frauen im Durchschnitt 20% weniger Gehalt als Männer für den gleichen Job akzeptieren. „Weiblichen Bewerbern werden vom Start an geringere Vergütungen angeboten. Und Frauen lassen sich auch leichter dazu bewegen, dem schlechteren Angebot zuzustimmen. Männer sind meist sturer oder pokern einfach. Ihre Kolleginnen wählen lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

Aktuell hat die Deutsche Telekom AG als erstes DAX-Unternehmen eine Frauenquote beschlossen: bis 2015 sollen 30% der Plätze im oberen und mittleren Management besetzt werden.

Über die Frage der generellenFrauenquote konnten beide keine Einigkeit erzielen: der Anwalt plädierte für ein Gesetz, um weiblichen Führungskräften zumindest einen Anteil von 20 bis 25% in den Leitungsgremien der Wirtschaft zu garantieren. Aber Karin Bäck konterte energisch. „Wer will sich als ‚Quotenfrau’ im Aufsichtsrat oder Vorstand einer Gesellschaft belächeln lassen? Frauenquoten sind ähnlich wie Cortison in der Medizin: die Symptome werden behandelt, aber die Ursachen nicht geheilt“.

Weiße Flecken bei den KMUs

Die Tatsache, dass in vielen Aufsichtsräten Frauen mitbestimmen, beeindruckte das Referentenduo wenig. „Das sind in der Regel Vertreterinnen der Arbeitnehmerseite, oft Funktionärinnen der Gewerkschaft. Sie haben ihre Positionen in erster Linie aus politischen Gründen besetzt,“ wendeten beide ein.„In den KMUS, den kleinen und mittleren Unternehmen, die nicht börsennotiert sind und deshalb auch nicht in ausführlichen Berichten über ihre Geschäfte und ihre Manager Auskunft geben müssen, existiert im Hinblick auf die Frauenförderung ein weißer Fleck. Das muss auch mal untersucht werden“, forderte die business-on-Chefredakteurin und erhielt dafür viel Zustimmung des Auditoriums.

Der Chef des Wirtschaftsclubs setzt für die Zukunft auf noch mehr Krippenplätze, die zu je einem Drittel vom Staat, den Unternehmern und den arbeitenden Müttern finanziert werden sollten. „Es entwickeln sich aber auch neue Arbeitszeitmodelle, die positiv für Karriere-Frauen sind. So die Möglichkeiten in Home Offices zu arbeiten. Verstärkt werden müssen Förderprogramm in den Unternehmen, z B. Coaching oder Mentoring speziell für weibliche Talente in der Belegschaft.“

„Auch die Rollenbilder werden sich ändern. Die jungen Männer, die jetzt nachrücken, haben andere Vorstellungen von uns Frauen, von Gleichberechtigung und sogar davon, sich bei der Hausarbeit zu beteiligen“, machte Karin Bäck ihren Zuhörerrinnen Hoffnung.

Beim sehr gut besuchten Womens World Event erwartete die Interessenten – darunter auch viele Männer - ein buntes abwechslungsreiches Programm, das selbst eine Lingerie-Modenschau, Feng-Shui-Demonstrationen und den Auftritt einer Bollywood-Tänzerin umfasste. Daneben Präsentationen von frauentypischen Luxusprodukten, Kosmetika, Juwelen, Bekleidung und Wellness-Angebote.

(Ulrich Gross)


 


 

Frauen
Männer
Womens World Event
Headhunter
MINT-Berufe
KMUs
Frauenquote
Home Office
Mentoring
Lingerie-Modenschau
Bollywood-Tänzerin

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Frauen" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: