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Kolumne

Beweise beweisen nichts!

Wo gearbeitet wird, da passieren Fehler – das ist völlig normal. In der Regel offenbart die Fehleranalyse im Anschluss, wer an welchen Stellen falsch agiert oder reagiert hat. Derjenige Mitarbeiter, dem der Fauxpas passiert ist, ist damit zukünftig für seine Aufgaben sensibilisiert – sollte man meinen, oder?

Was aber, wenn derjenige, der offenkundig verantwortlich für das Nichtgelingen eines Projektes ist, seine Verantwortung vehement abstreitet? Was, wenn plötzlich Beweise auftauchen, die in eine ganz andere Richtung deuten? Wohl jeder hat diesen einen Kollegen, der mit einer ganzen Ladung an Beweisen um die Ecke kommt, wenn der Verdacht auftaucht, er hätte eine Aufgabe in den Sand gesetzt.

Wer kennt das nicht? Da wurde ein wichtiges Projekt an die Wand gefahren und keiner will es gewesen sein. Schlimmer noch: Urplötzlich taucht eine ganze Reihe von Beweisen auf, die allesamt auf einen bestimmten Mitarbeiter hindeuten. Vielleicht finden sich dann auf seinem Schreibtisch Unterlagen, die in der Projektmappe fehlen – oder es kursieren in der Kantine Lügen und Gerüchte, die den Mitarbeiter der Sabotage bezichtigen. All das kommt quasi aus dem Nichts, könnte man denken. 

Profiler aber wissen: Hier versucht der wahre Täter, die Aufmerksamkeit mit aller Gewalt von sich selbst auf jemand anderen zu lenken. Und zwar, indem er unverhältnismäßig viele Beweise dafür ins Feld führt, dass er selbst nicht Schuld am fraglichen Fehler ist. Eine derartige Beweisorgie aber ist immer nur eines: Nämlich der untrügliche Beweis dafür, dass hier jemand Dreck am Stecken hat, der jegliche Kritik von sich weisen und die Fährte zu jemand Unschuldigem führen will.

Von einer Beweisorgie spricht man in Ermittlerkreisen, wenn auffallend viele Beweise gefunden werden, die massiv auf einen bestimmten Täter hinweisen. Meist sind die wahren Täter vorher sehr vorsichtig vorgegangen, sodass es umso unlogischer erscheint, dass trotz der Vorsicht derart viele Spuren zu finden sind. In der Regel ist dies Absicht: Die Spurenleger versuchen ganz gezielt, eine falsche Spur zu legen, um von sich selbst abzulenken. Das Prinzip der Beweisorgie, das in der Kriminalistik seit langer Zeit bekannt ist, lässt sich auf alle Bereiche des Lebens übertragen: Auf Partnerschaften, auf Freundschaften – und eben auch und vor allem auf den Job. Hier, wo nicht Liebe oder Freundschaft Basis der zwischenmenschlichen Beziehung ist sondern Menschen zusammenkommen, die oft nicht mehr miteinander gemein haben als den gleichen Arbeitgeber, ist die Tendenz, andere für eigene Fehler bluten zu lassen, offenbar besonders hoch.

Wer verhindern will, dass der Verantwortliche ungeschoren davonkommt, oder – noch wichtiger – dass er vielleicht sogar selbst als Sündenbock für einen Fehler gerade stehen soll, muss wissen, wie die Trickser ticken. Sobald etwa ein Kollege völlig unverhältnismäßig reagiert, wenn man ihn auf eine bestimmte Sache anspricht, sollte man noch argwöhnischer werden: Diese Überreaktion ist die klassische Abwehrhaltung desjenigen, der sich ertappt fühlt. Wenn der betreffende Kollege dann noch anfängt, eine ganze Liste von Gründen runterzurasseln, warum er nicht als Quelle des Fehlers in Frage kommen kann, darf man sicher sein, dass er genau das ist. Eine beliebte Masche der Trickser ist es zudem, anderen genau das vorzuwerfen, was sie selbst getan haben. 

 Experten raten in diesem Fall zu folgendem Vorgehen:

1. Emotionen außen vor lassen: Lassen Sie sich nicht von den anrührenden Ausführungen des Tricksers blenden. Wenn Sie das große Ganze objektiv und nüchtern betrachten – was bleibt dann noch an Fakten? Was ist der gemeinsame Nenner? Wieviel Kern, wieviel Wahrheitsgehalt bleibt übrig?

2. Muster entlarven: Hat der verdächtige Kollege ein bestimmtes Muster? Ermitteln Sie, was der andere selbst tut von dem, was er anderen vorwirft.

3. Die Machenschaften des Tricksers offenlegen: Sobald Sie eine schlüssige Beweiskette haben, sollten Sie den wahren Täter im Kollegenkreis entlarven.

(Suzanne Grieger-Langer)


 


 

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