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Arbeitszimmer

Senioren können keine Kosten geltend machen

Bereits seit 2007 lässt sich das heimische Büro steuerlich nur noch dann bei den Werbungskosten absetzen, wenn es den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit darstellt. Diese Kürzung könnte einen Verstoß gegen das Grundgesetz darstellen. Diese Frage liegt derzeit dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vor und die Finanzämter setzen die Steuerbescheide insoweit nur vorläufig fest.

Diese Abzugsbeschränkung gilt laut Gesetz aber nicht beim außerhäuslichen Arbeitszimmer, wenn beispielsweise Räume in der Nachbarschaft zur eigenen Wohnung angemietet oder das Zimmer getrennt von den eigenen vier Wänden in einem Mehrfamilienhaus liegt. In solchen Fällen sind die Kosten weiterhin in voller Höhe absetzbar.

Diese Ausnahmeregelung lässt sich nach dem Urteil des FG Münster vom 18.6.2009 aber nicht verwenden, wenn sich das Arbeitszimmer im Keller des Wohnhauses befindet, über einen eigenen Eingang vom Garten aus verfügt und ansonsten über das Treppenhaus erreichbar ist (Az. 10 K 645/08 E). Dies stellt kein außerhäusliches Büro dar, auch wenn keine direkte Verbindung zur eigenen Wohnung besteht. Der separate Zugang vom Garten aus führt allein nicht zu einer Loslösung von der häuslichen Sphäre, weil diese bereits durch den Zugang über das Treppenhaus vermittelt wird. Damit lehnten die Richter den Abzug der Kosten bei einem Rentner ab, der den Raum zur Verwaltung seiner Vermietungstätigkeit nutzte.

Zwar hat der Senior außer den Einnahmen aus der im Arbeitszimmer ausgeübten Vermietungstätigkeit keine weiteren Einkünfte aus aktiver Tätigkeit, sondern bezieht lediglich solche aus Renten. Dennoch ist das Büro nicht der Mittelpunkt seiner gesamten Berufstätigkeit. Entscheidend ist, wo die Handlungen stattfinden, die für einen Beruf wesentlich und prägend sind. Dabei sind auch die Einkunftsarten einzubeziehen, bei denen wie bei der Vermietung die bloße Nutzenziehung im Vordergrund steht. Liegt jedoch keine Vollzeitbeschäftigung vor, ist für die qualitative Prüfung des Schwerpunkts auf den Zeitaufwand für die jeweilige Tätigkeit abzustellen. Hiernach stellt ein Arbeitszimmer bei einem Rentner mit Mieteinkünften nicht den Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit dar.

(TIPP) Der BFH hatte mit Beschluss vom 27.3.2009 (Az. VIII B 184/08) ein außerhäusliches Büro bejaht, wenn in einem Mehrfamilienhaus, dessen Erdgeschoss durch den Berufstätigen bewohnt wird, ein weiteres Ein-Zimmer-Appartement als Arbeitszimmer genutzt wird und dieses nur über ein gemeinsam mit Dritten genutztes Treppenhaus erreicht werden kann. Dies trifft im Urteilsfall auf den Rentner aber nicht zu, weil das Arbeitszimmer bei ihm dem häuslichen Bereich zugeordnet wurde und seine Vermögensverwaltung nicht den Mittelpunkt seiner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit darstellt.

(VSRW-Verlag)


 


 

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