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Krankschreibung

Lockerung der Attestpflicht ja oder nein?

Sollten sich Arbeitnehmer selbst krankschreiben können? Diese Frage wird heiß diskutiert, seit sich Mediziner der Universität Magdeburg für eine Lockerung der deutschen Attestpflicht ausgesprochen haben. Auf diese Weise wolle man Hausärzte entlasten und mehr Ressourcen für die Behandlung von Patienten mit langjährigen Erkrankungen bereitstellen. Arbeitgeber sehen in der Idee einen Freifahrtschein zum Blaumachen.

Entlastung für die Ärzte

Arbeitnehmer sollen sich für einen Zeitraum (zur Definition Zeitraum) von bis zu einer Woche selbst krankmelden können. Dies erklärte Wolfram Hermann, Leiter des Forschungsteams, der „Welt am Sonntag“. Im Rahmen einer Studie sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass der Großteil der Arztbesuche nur dem Zweck diene, eine Krankschreibung zu erhalten. Würde dieser Teil wegfallen, würden Hausärzte deutlich entlastet, wodurch sie letztlich mehr Zeit zur Behandlung von Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen haben.

Derzeit verlangen die meisten Arbeitgeber ab dem vierten Tag der Abwesenheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Ein Beschäftigter könnte sich also selbst Bettruhe verordnen und drei Tage lang ohne Krankenschein zuhause bleiben. Der Leiter des Forschungsteams sprach sich für ein Pilotprojekt aus, bei dem man die selbstständige Krankschreibung auf fünf Tage ausweitet.

Achtung! Grundsätzlich sind Arbeitgeber berechtigt, schon am ersten Tag der Abwesenheit einen Krankenschein zu verlangen. Lesen Sie hier mehr über die 7 schlimmsten Fehler bei der Krankschreibung.

Vorbild Norwegen

Dass es durchaus lohnt, Arbeitnehmern bei der Krankmeldung mehr Selbstständigkeit zuzugestehen, zeige das Beispiel Norwegen. Wie Forschungsgruppenleiter Hermann erklärte, können Arbeitnehmer sich in den meisten norwegischen Unternehmen bis zu acht Tage lang selbstständig krankmelden. Im gesamten Jahr sei dies sogar 24 Tage lang möglich. Die Zahl der Krankmeldungen sei dabei seit Jahren rückläufig. Dies spreche für die Einführung eines ähnlichen Systems in Deutschland.

Natürlich gilt auch während einer längeren Krankmeldung, dass alle Tätigkeiten zu unterlassen sind, die der Genesung im Wege stehen. Was Sie tun dürfen und was nicht, erfahren Sie hier.

Was spricht gegen die Idee?

Arbeitgeberverbände zeigen sich den Wissenschaftlern gegenüber kritisch. Die gesetzlichen Regelungen zur Krankschreibung hätten sich seit Jahren bewährt und würden nicht zu unnötigen Krankschreibungen führen. Es sei angemessen, dass der Arbeitgeber früher Krankmeldungen verlangt, da er so möglichem Missbrauch vorbeugen könne. Bereits jetzt nutzen Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich drei Tage lang krankschreiben zu lassen, um krankzufeiern.

Darüber hinaus gebe es einen weiteren Grund, der gegen eine Neuregelung spricht. Ernsthafte Krankheiten würden möglicherweise übersehen und als einfache Infekte abgetan, weil die kranken Arbeitnehmer nicht rechtzeitig zum Arzt gehen. Viele Beschäftigte denken beispielsweise, dass sie während einer Krankschreibung nicht Auto fahren dürfen. Das ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen der Fall.

Alle Informationen zum Thema Krankschreibung finden Sie in dieser übersichtlichen Zusammenfassung noch einmal in konzentrierter Form.

(Christian Weis)


 


 

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