Sie sind hier: Startseite Aktuell News
Weitere Artikel
  • 31.05.2020, 14:17 Uhr
  • |
  • Deutschland
Krise

Auswirkungen der Corona-Krise auf Online-Glücksspiel in Deutschland

Die Auswirkungen der Corona-Krise haben nun auch das Online-Glücksspiel erfasst. Die erfolgsverwöhnte Branche dürfte 2020 zum ersten Mal seit langem einen Umsatzrückgang erleben. Das kommt völlig unerwartet, denn viele Analysten hatten auch in diesem Jahr wieder mit einem deutlichen Wachstum gerechnet. Jetzt werden die Prognosen nach unten korrigiert. Noch kann die volle wirtschaftliche Tragweite der gegenwärtigen Ereignisse nicht abgeschätzt werden. Eines steht jedoch schon fest: Die Folgen der Krise dürften die Branche noch lange beschäftigen.

Zurückhaltender Optimismus

Über die richtige Herangehensweise in der gegenwärtigen Ausnahmesituation gibt es in Fachkreisen unterschiedliche Ansichten. Weitgehende Einigkeit herrscht aber darüber, dass der Online-Glücksspielsektor besser aufgestellt ist als so manch anderer Wirtschaftszweig. So hebt der Analyst Rafi Farber die gute Liquidität vieler Unternehmen in der Branche hervor. Darüber hinaus sind nicht alle Geschäftsbereiche gleich stark betroffen. Stefan Lengefeld, Experte für Online-Casinos und Eigentümer von CasinoBlox.com: eine Seite mit Informationen für deutsche Spieler, verweist auf große Unterschiede: „Während die Betreiber von Wettangeboten durch die Absage von Sportveranstaltungen auf der ganzen Welt hart getroffen werden, scheinen Casinoplattformen bislang deutlich weniger anfällig zu sein. Online Casinos haben im aktuellen Monat sogar einen Zuwachs an Seitenaufrufen verzeichnet. Das dürfte zum einen darauf zurückzuführen sein, dass viele Menschen den ganzen Tag zuhause verbringen. Eine wichtige Rolle spielt aber auch die Schließung der Spielbanken und Spielotheken.“ Der Vorsitzende des internationalen Wettverbandes IBIA, Khalid Ali, sieht zwar große Herausforderungen in der näheren Zukunft. Insgesamt zeigt er sich aber überzeugt, dass mit der Wiederaufnahme eines regulären Spielbetriebs auch die Nachfrage nach Wettangeboten wieder steigen wird.

Einbruch bei Sportwetten

Bis dahin dürfte allerdings eine beispiellose Durststrecke zu überwinden sein. Denn ein Blick auf die Veranstaltungskalender im Sport zeigt gähnende Leere. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs beim Zugpferd Fußball könnte die Situation ein wenig entspannen. Ein solches Vorgehen wird derzeit kontrovers diskutiert. Während einige führende Politiker beispielsweise eine Fortsetzung der Bundesliga unter strengen Auflagen befürworten, halten andere jede Lockerung der Einschränkungen für riskant. Selbst bei einem Spiel vor leeren Tribünen sehen sie im Fußballstadion eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Auch Veranstaltungen wie die Tour de France oder die French Open stehen derzeit noch auf der Kippe. Die Austragung dieser Events wurde bereits in den Herbst 2020 verschoben. Diese Ersatztermine können aber keineswegs als gesichert gelten. Die französische Regierung setzt zur Bekämpfung des Coronavirus auf große Härte. Eine Erlaubnis für die Austragung der sportlicher Großveranstaltungen würde daher einen erheblichen Kurswechsel darstellen. Bei anderen Events hingegen ist die Entscheidung längst gefallen. So wurden die olympischen Spiele in Tokio trotz eines vergleichsweise milden Verlaufs der Corona-Pandemie in Japan vorsorglich auf den Sommer 2021 verschoben. Und das prestigereiche Tennis-Turnier in Wimbledon wurde ganz abgesagt – zum ersten Mal seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Mit Aufwind für die Wettbranche dürfte daher frühestens im Herbst zu rechnen sein. Noch wahrscheinlicher scheint jedoch, dass eine wirkliche Erholung erst im nächsten Jahr stattfindet.

Spielhallen als große Verlierer

Noch stärker als Wettanbieter dürfte es allerdings die Betreiber von Spielhallen und Spielbanken treffen. Diese haben in den letzten Jahren ohnehin mit der starken Konkurrenz aus dem Online-Sektor zu kämpfen. Zudem haben sie im Vergleich zu den Internetplattformen eine deutlich größere Belegschaft. Unternehmen wie Gauselmann oder die Löwenglücksspielgruppe haben daher für mehrere tausend Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Dennoch bedrohen die Umsatzeinbußen die Existenz der Unternehmen und könnten in der Zukunft drastische Sparmaßnahmen nötig machen. Dazu könnte auch die Schließung weniger profitabler Filialen gehören, was eine weitere Abwanderung von Kunden in den Online-Markt zur Folge haben dürfte. Langfristig dürfte die Krise also die Wettbewerbsposition des Offline-Glücksspiels also weiter schwächen. Branchenvertreter beklagen schon seit längerem, dass ihnen durch strengere gesetzliche Auflagen Nachteile entstünden.

Online-Casinos als Gewinner?

Noch ist es zu früh um abzuschätzen, ob Online-Casinos durch die Krise unterm Strich einen Schaden erleiden oder ob sie womöglich gestärkt daraus hervorgehen. Einzelne Bereiche der Branche können sich durchaus Hoffnungen machen. So hat der Spielentwickler Evolution Gaming im ersten Quartal 2020 einen Rekordumsatz vermeldet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte das Unternehmen einen Zuwachs von 45,2% verbuchen. Das dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass Nutzer von Wettangeboten auf Casino-Spiele ausweichen. Allerdings dürften mit einiger Verzögerung auch die Auswirkungen der Rezession in den Online-Casinos ankommen. Ein sinkendes Volkseinkommen sowie Zurückhaltung bei Konsumausgaben werden auch die Umsatzerwartungen der Online-Casinos dämpfen. Insgesamt wird damit gerechnet, dass der Umsatz der Glücksspielbranche 2020 auf das Niveau von 2016 abfallen wird. Trotzdem dürfte sich der Schaden in Grenzen halten. Während Wachstumspläne möglicherweise auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen, ist das Kerngeschäft wohl keiner ernsthaften Bedrohung ausgesetzt. Die Erschließung neuer Märkte dürfte in den nächsten Jahren weiter vorangehen und zwischenzeitliche Umsatzrückgänge mehr als ausgleichen.

Zunehmender behördlicher Druck

In einigen Ländern wird das Online-Verhalten von Konsumenten in der Krise von behördlicher Seite kritisch betrachtet. So haben Parlamentsabgeordnete in Großbritannien Glücksspielunternehmen dazu aufgefordert, zeitweise ein Tageslimit für die Höhe von Wetteinsätzen einzuführen. Das fehlende Angebot an Sportwetten habe dazu geführt, dass Kunden von Online-Wettbüros auf riskantere Alternativen ausweichen. Die Abgeordneten haben sich mit ihrem Anliegen auch an die Regulierungsbehörde Betting & Gaming Council gewendet. Eine freiwillige Begrenzung der Höchsteinsätze würde ein klares Zeichen setzen, dass die Branche bereit ist, soziale Verantwortung zu übernehmen. In Spanien ist die Regierung bereits ein Stück weiter gegangen. Sie hat vorübergehende Beschränkungen auf die Werbung für Online-Glücksspiel erlassen. Begründet wurden diese Maßnahmen mit dem Spielerschutz. Für die Dauer des Lockdowns ist Werbung für Glücksspielangebote nur von 1 Uhr bis 5 Uhr Morgens zulässig. Bereits vor Bekanntgabe der Maßnahmen hatten Branchenvertreter in Spanien eine volle Kooperation zur Bewältigung der Krise angekündigt. Auch in den Niederlanden und Malta sowie in Deutschland mahnten die Behörden zu einer verantwortungsvollen Kommunikation in der Krise.

Bislang deutet alles darauf hin, dass der Glücksspielsektor in der Corona-Krise von einer vergleichsweise resistenten Aufstellung profitiert. Die Aktien einiger Branchengrößen haben sich nach anfänglichen Kurseinbrüchen schnell wieder erholt. Das dürfte auch der großen Diversifizierung der Unternehmen geschuldet sein. Die meisten Marktteilnehmer sind sowohl auf verschiedenen Märkten als auch in unterschiedlichen Segmenten aktiv. Häufig sind Wett- und Casino-Angebote unter einem Dach vereint. Diese breit gefächerte Geschäftsmodell scheint sich in schwierigen Zeiten bezahlt zu machen.

(Redaktion)


 


 

Online Casinos
Veranstaltungen
Krise
Offline-Glücksspiels
Spielbanken
Branche
Wettanbieter
Corona-Krise
Erschließung
Glücksspielangebote

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Online Casinos" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: