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Lebensversicherung

Richtiger Umgang mit Verlusten aus Kündigung oder Verkauf

Insbesondere durch vorzeitige Kündigung oder Verkauf können sich aus einer Lebensversicherung Verluste ergeben. Diese wirken sich abhängig davon aus, ob es sich um eine vor 2005 oder nach 2004 abgeschlossenen Alt- bzw. Neupolice handelt. Die OFD Rheinland weist mit Kurzinfo ESt 42/2010 vom 20.8.2010 auf Besonderheiten hin, die Versicherte beachten sollten, wenn sie im laufenden Jahr von roten Zahlen aus einem Vertrag durch Kündigung oder Verkauf betroffen sind.

Altpolice (Abschluss vor 2005)

Die Zinsen aus den Sparanteilen sind nur dann als steuerpflichtige Kapitaleinkünfte zu erfassen, sofern sie schädlich verwendet wurden (insbesondere Kündigung oder Verkauf vor Ablauf von zwölf Jahren). Liegt der Rückkaufswert unter den geleisteten Beiträgen, ist der hieraus entstandene Verlust als Vorgang auf der privaten Vermögensebene nicht abzugsfähig. Im Regelfall sind Veräußerungen ab 2009 steuerlich nicht zu berücksichtigen. Der Verkauf ist nur steuerpflichtig, sofern bei einem fiktiven Rückkauf zum Veräußerungszeitpunkt die Erträge ebenfalls steuerpflichtig wären, also bei Laufzeiten unter zwölf Jahren. Dann zählt das realisierte Minus zu den negativen Kapitaleinnahmen. Insoweit ist es also aus Steuersicht günstiger, eine schädlich verwendete Police zu verkaufen als zu kündigen. Denn beim Verkauf zählt der Verlust als negative Kapitaleinnahme, bei Kündigung hingegen nicht.

Neupolice (Abschluss nach 2004)

Die Erträge ermitteln sich durch Gegenüberstellung der Versicherungsleistung (z.B. Rückkaufswert) und der Summe der auf sie entrichteten Beiträge. Verluste können demnach insbesondere bei frühzeitigem Rückkauf der Lebensversicherung entstehen. Der Verlust aus Veräußerungserträgen ermittelt sich durch den Unterschiedsbetrag zwischen Veräußerungspreis und -kosten sowie den bis dahin entrichteten Beiträgen als Anschaffungskosten. Zu beachten ist, dass für Verluste aus Kündigung oder Veräußerung das allgemeine Verlustverrechnungsverbot gilt, sodass lediglich eine Verrechnung mit anderen positiven Kapitaleinkünften (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) in Betracht kommt, entweder im gleichen Jahr oder in den Folgejahren.

Über laufende Versicherungserträge stellen inländische Versicherungsunternehmen eine Steuerbescheinigung fürs Finanzamt aus, da diese Erträge der Abgeltungsteuer unterliegen. Der Steuerabzug gilt ab 2010 auch für ausländische Versicherungsgesellschaften, wenn diese eine Zweigniederlassung im Inland haben. Für solche Fälle ist die Ausstellung einer Verlustbescheinigung allerdings nicht vorgesehen. Diese wird benötigt, um das Minus über das Finanzamt mit anderen positiven Kapitaleinnahmen verrechnen zu können. Erträge bei den sonstigen ausländischen Versicherungsgesellschaften unterliegen keinem inländischen Steuerabzug, sodass für diese auch keine Steuerbescheinigung ausgestellt wird. Insoweit müssen Anleger ihre Verluste selbst ermitteln und dem Finanzamt durch geeignete Unterlagen nachweisen. In der Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung sind die Verluste wie folgt einzugeben:

  • Zeile 12: Erträge, die dem inländischen Steuerabzug unterliegen
  • Zeile 4 bis 6: Grund für die Einreichung der Anlage
  • Zeilen 14 und 14a: Angaben zum Sparerpauschbetrag
  • Zeilen 49 ff.: Angaben zu Steuerabzugsbeträgen
  • Zeilen 15 und 18: Verluste aus Kapitalerträgen (Definition), die keinem inländischen Steuerabzug unterliegen

Da bei einer gekündigten Altpolice auch dann die rechnerischen Zinsen versteuert werden, wenn der Rückkaufswert deutlich unter den bis dahin geleisteten Prämien liegt, kann es aus Steuersicht besser sein, den Verlust über einen Verkauf zu realisieren. Dann fallen keine positiven Einnahmen an, sondern die Differenz zwischen Veräußerungserlös und der höheren Summe der bis dahin gezahlten Prämien lässt sich steuerlich als Verlust genauso wie beim Verkauf von Neupolicen geltend machen, wenn die Laufzeit keine zwölf Jahre beträgt.

Beispiel: Die 2003 abgeschlossene Versicherung soll vorzeitig gekündigt werden. An Prämien wurden bislang 20.000 Euro bezahlt, auf die 4.000 Euro rechnungsmäßige Zinsen angefallen sind. Der Rückkaufswert liegt bei 18.000 Euro und ein Händler bietet 17.000 Euro für die Vertragsübernahme. Im gleichen Jahr erzielt der Versicherte 5.000 Euro Dividenden.

Beispiel
-KündigungVerkauf
Erlös18.000 €17.000 €
Prämiensumme./. 20.000 €./. 20.000 €
Steuergrundlage
– Ergebnis
– aufgelaufene Zinsen
4.000 €./. 3.000 €
Dividenden5.000 €5.000 €
Kapitaleinnahmen9.000 €2.000 €
25% Abgeltungsteuer2.250 €500 €
Jahres-Nettoertrag 750 €*1.500

*5.000 € Dividenden ./. 2.000 € Verlust ./. 2.250 € Abgeltungsteuer

Ergebnis: Obwohl der Erlös bei einem Verkauf 1.000 Euro geringer ist, fällt der Nettoertrag um 750 Euro höher aus. Das resultiert daraus, dass die aufgelaufenen Zinsen bei Kündigung versteuert werden müssen, bei Verkauf der Police bleiben sie unberücksichtigt.

(VSRW-Verlag)


 


 

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