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Lang andauernde Krankheit

Kündigungsgrund: Krankheit – lang andauernde Krankheit

Stufe 3: Interessenabwägung

Abschließend ist im Rahmen einer einzelfallbezogenen Abwägung der Interessen des Arbeitgebers und des erkrankten Arbeitnehmers festzustellen, ob dem Arbeitgeber ausnahmsweise die erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen billigerweise zugemutet werden kann. Dabei sind insbesondere folgende Umstände zu berücksichtigen:

  • Ursachen der Erkrankung: Ist die Erkrankung durch betriebliche Umstände (z.B. Staubluft oder Betriebsunfall) verursacht, muss dies zu Gunsten des Arbeitnehmers berücksichtigt werden. Der Arbeitgeber hat in diesem Fall eine längere Ausfallzeit seines Arbeitnehmers hinzunehmen. Dies gilt jedoch nicht ohne weiteres, wenn die betrieblichen Umstände nur in Verbindung mit einer besonderen Anlage des Arbeitnehmers (z.B. erhöhte Reizbarkeit des Bronchialsystems) zu der Erkrankung geführt haben.
  • Dauer des ungestörten Verlaufs des Arbeitsverhältnisses: Je länger das Arbeitsverhältnis ohne krankheitsbedingte Fehlzeiten in der Vergangenheit bestand, desto mehr Rücksichtnahme schuldet der Arbeitgeber.
  • Alter des Arbeitnehmers: Bei älteren Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber längere Fehlzeiten hinzunehmen als bei jüngeren Arbeitnehmern.
  • Unterhaltspflichten: Der Arbeitnehmer verdient umso höheren sozialen Schutz, je mehr Unterhaltspflichten er hat. Dieser Gesichtspunkt dürfte allerdings nur eine untergeordnete Bedeutung haben.
  • Situation auf dem Arbeitsmarkt: Wenn der Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt nur schwer einen neuen Arbeitsplatz finden kann, kann dies zu Gunsten des Arbeitnehmers berücksichtigt werden. Richtigerweise dürfte diesem Aspekt aber ebenfalls nur eine untergeordnete Bedeutung zukommen
  • Zumutbarkeit weiterer Überbrückungsmaßnahmen: Dem Arbeitgeber ist die Einstellung einer Ersatzkraft regelmäßig nicht zumutbar, wenn diese erst nach einer längeren Einarbeitungszeit die erforderliche fachliche Eignung erlangt. Umstritten ist, ob dem Arbeitgeber auch die unbefristete Einstellung einer Ersatzkraft zugemutet werden kann. Dagegen spricht, dass die Ersatzkraft nach Ablauf von sechs Monaten allgemeinen Kündigungsschutz hat und der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit einer solchen Ersatzkraft dann nur unter den Voraussetzungen des Kündigungsschutzgesetzes kündigen kann (vgl. Hönsch/Natzel, Kapitel D Rdnr. 220).

Literatur: Bauer/Röder, Taschenbuch zur Kündigung, Kapitel 5.3 c; Hönsch/Natzel, Kapitel D Rdnr. 219 ff; Hueck/v.Hoyningen-Huene, KSchG, § 1 Rdnr. 242 ff; KREtzel, KSchG, § 1 Rdnr. 389 ff; Lepke, Kündigung bei Krankheit, Kapitel C II 5 a, Seite 60 ff; Schaub, § 129 II 8 c; Sowka/Schiefer, Teil H, KSchG, § 1 Rdnr. 219 ff; Preis/Stahlhacke/Vossen, Rdnr. 752 f

Krankheit – lang andauernde Krankheit

(VSRW-Verlag)


 


 

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