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Lohnsteuerbescheinigung

Vorsorgeaufwand: Prüfbedarf bei der Lohnsteuerbescheinigung

Ab 2010 sind die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung erstmals in voller Höhe steuerlich als Sonderausgaben absetzbar, sofern sie sich auf Basisleistungen beziehen.

Um die richtigen Angaben vorzunehmen, müssen Steuerzahler die Anlage Vorsorgeaufwand ausfüllen, die im Vorjahr neu eingeführt worden war. Auch der Aufbau der Lohnsteuerbescheinigungen durch den Arbeitgeber war in diesem Zusammenhang geändert worden. Besonderer Prüfbedarf besteht bei Arbeitnehmern, die in einer gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung freiwillig versichert sind und deren Beiträge vom Arbeitgeber an die gesetzliche Krankenversicherung abgeführt werden. Nicht betroffen sind hingegen freiwillig versicherte Arbeitnehmer, die ihre Beiträge selbst an die Krankenkasse überweisen (sog. Selbstzahler).

Bei freiwillig versicherten Arbeitnehmern hat der Arbeitgeber in den Zeilen 25 und 26 der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil jeweils in einer Summe zu bescheinigen. In den fehlerhaften Bescheinigungen wird dagegen jeweils nur der Arbeitnehmeranteil ausgewiesen. Im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung wird programmgesteuert von den genannten Beträgen in den Zeilen 25 und 26 der Lohnsteuerbescheinigung der Arbeitgeberzuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung aus der Zeile 24 abgezogen. Damit verbleibt normalerweise richtigerweise der tatsächliche Arbeitnehmeraufwand zum Abzug als Sonderausgaben. Durch zu niedrige Beträge in den Zeilen 25 und 26 (nur Arbeitnehmeranteile) ergibt sich aber ein geringerer Sonderausgabenabzug. Dies könnte zu einer zu niedrigen Steuererstattung oder zu einer Steuernachzahlung führen.

Das BMF gibt jedoch in einer Mitteilung vom 28.2.2011 Entwarnung und weist im Zusammenhang mit der Bescheinigung der Arbeitnehmerbeiträge zur gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung bei freiwillig in der gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung versicherten Arbeitnehmern in der Lohnsteuerbescheinigung auf Folgendes hin:

  • Auch wenn Arbeitgeber bei freiwillig versicherten Arbeitnehmern in der Lohnsteuerbescheinigung 2010 unter Nummer 25 und 26 nur die um die Arbeitgeberzuschüsse geminderten Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung bescheinigt hatten, müssen Arbeitnehmer nicht befürchten, dass die Angabe gekürzter Beiträge zu Nachteilen im Rahmen einer Veranlagung zur Einkommensteuer führt.
  • Die Fälle mit fehlerhafter Lohnsteuerbescheinigung 2010 werden maschinell erkannt. Die Korrektur wird durch eine Softwareumstellung bei den Finanzbehörden automatisch erfolgen. Das Finanzamt berücksichtigt daraufhin die vom Arbeitnehmer geleisteten Beiträge bei der Veranlagung zur Einkommensteuer in zutreffender Höhe als Vorsorgeaufwendungen. Ohne die Korrektur hätte der Fehler zu geringeren Steuererstattungen führen können.
  • Grundsätzlich wird jedoch empfohlen, dass die betroffenen Arbeitnehmer prüfen, ob im Steuerbescheid die tatsächlich geleisteten Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und sozialen Pflegeversicherung zutreffend berücksichtigt wurden.
  • Es ist nicht mehr erforderlich, dass Arbeitgeber die Lohnsteuerbescheinigungen 2010 erneut übermitteln und den Arbeitnehmern korrigierte Ausdrucke aushändigen. Grundsätzlich ist natürlich ein prüfender Blick auf die eigene Lohnsteuerbescheinigung nicht verkehrt. Hat ein Arbeitnehmer in diesem Punkt einen fehlerhaften Eintrag auf der Lohnsteuerbescheinigung entdeckt, so muss er seinen Arbeitgeber weder um einen korrigierten Ausdruck bitten noch muss der Arbeitgeber die Daten seines Mitarbeiters erneut ans Finanzamt übermitteln.
  • In Fällen, in denen der freiwillig versicherte Arbeitnehmer und nicht der Arbeitgeber die Beiträge an die Krankenkasse abführt (Selbstzahler), muss unter Nummer 25 und 26 der Lohnsteuerbescheinigung gar nichts eingetragen werden. Arbeitgeberzuschüsse sind unabhängig davon unter Nummer 24 der Lohnsteuerbescheinigung zu bescheinigen.

(VSRW-Verlag)


 


 

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