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Arzneimittelrückstände

Arzneimittelrückstände nicht nur in Krankenhausabwässern

„Auch mich treibt das Thema Arzneimittelrückstände im Abwasser, in den Gewässern dieses Landes und im Grundwasser schon geraume Zeit um. Es ist wichtig, dass wir uns intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen ....

...und es in den Fokus der Öffentlichkeit holen“, erklärte Umwelt- und Verbraucherminister Dr. Till Backhaus am Donnerstag im Landtag zum Antrag der Fraktion DIE LINKE über die „Vorbehandlung von Krankenhausabwassern“. „Doch die Beschränkung auf Krankenhäuser ist zu kurz gegriffen.“

Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass in Deutschland jährlich ca. 28.000 Tonnen pro Jahr eingenommen werden. Rund 70 % der Wirkstoffe gelangen durch Ausscheidung, aber auch durch unsachgemäße Entsorgung in die Umwelt und damit in den Wasserkreislauf. Sie können bislang in den üblichen biologischen Kläranlagen nur sehr unzureichend zurückhalten werden.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden seit dem Jahr 2000 Untersuchungen zum Vorkommen von Arzneimitteln in den Gewässern durchgeführt. Von 2006 bis 2010 wurden durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) an 80 Fließ- und 15 Küstengewässermessstellen sowie in den Abläufen von 30 Kläranlagen Untersuchungen auf Arzneimittel vorgenommen, darunter Schmerzmittel, Mittel zur Senkung des Bluthochdruckes (sogenannte Betablocker) und zur Behandlung von Epilepsien sowie Röntgenkontrastmittel.

In allen untersuchten Kläranlagen wurden Arzneimittelwirkstoffe nachgewiesen. „Auffällig war, dass auch im Ablauf kommunaler Kläranlagen in Gebieten ohne Krankenhaus höhere Arzneimittelkonzentrationen festgestellt wurden“, betonte der Minister. „Und genau diese Feststellung weist auf das eigentliche Problem hin: Der Eintrag in die Umwelt erfolgt nicht nur über Hotspots wie Krankenhäuser, sondern flächendeckend.“

Eine Ursache sei die verkürzte Liegezeit der Patienten im Krankenhaus. So werden Medikationen oft zu Hause fortgesetzt. In diesem Zusammenhang müssten auch radiologische Praxen, Dialysepraxen, Alten- und Pflegeheime betrachtet werden.

Der Minister unterstrich: „Bei den Arzneimittelrückständen in der Umwelt handelt es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem, keines jedenfalls, das nur die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern betrifft oder gar durch diese gelöst werden könnte. Zur Lösung dieser Problematik kommt man sicher an umwelttechnischen Maßnahmen an einzelnen Anfallstellen und auf ausgewählten Kläranlagen nicht vorbei. Doch es müssen zwingend Maßnahmen ergriffen werden, die bei der Zulassung, der Verschreibung, dem Gebrauch und der Entsorgung von Arzneimitteln ansetzen. Gleichzeitig sind innovative Konzepte bei der Wirkstoffentwicklung und -anwendung erforderlich.“

Wolle man rechtliche Anforderungen an die Abwasserbehandlung zur Reduzierung von Arzneimittelrückständen durchsetzen, wie es der vorliegende Antrag verlangt, müsste man sich an den Bund wenden. Seit der Umsetzung der Föderalismusreform steht dem Bund die stoff- und anlagenbezogene Gesetzgebungskompetenz im Wasserrecht zu. Weder für Arzneimittelrückstände in gereinigten kommunalen Abwässern noch für Krankenhausabwässer gibt es bisher bundesrechtlichen Vorgaben.

„Mecklenburg-Vorpommern wird sich als Gesundheitsland für bundeseinheitliche branchenspezifische Anforderungen an Mikroschadstoffe in der Abwasserbehandlung einsetzen“, betonte der Minister. „Ein Alleingang ist aber weder rechtlich machbar, noch zielführend und darf sich nicht einseitig auf eine Emittentengruppe wie Krankenhäuser beziehen.“

Hintergrund:

Ein Beispiel für EU-Forschungsprojekte ist „PILLS“ (Pharmaceutical Input and Elimination from Local Sources). Sein Inhalt ist z. B. die Eliminierung von Arzneimitteln aus Krankenhausabwasser durch entsprechend ausgerüstete Kläranlagen großtechnisch zu erproben. Mit einem Budget von 8 Millionen Euro verfolgt dieses Projekt folgende Ziele:

  • Untersuchung, welche Behandlungsmethoden des Abwassers am besten geeignet sind, um pharmazeutische Spurenstoffe sowie Antibiotikaresistenzen zu eliminieren
  • Erforschung, ob und unter welchen Umständen eine lokale Behandlung von konzentriertem Abwasser sinnvoll ist
  • Verbreitung der Erkenntnisse und europaweit auf die Problematik aufmerksam machen.

(Redaktion)


 


 

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