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Forschungsbohrungen in der Ostsee mit Greifswalder Beteiligung

Das internationale Forschungsbohrprogramm IODP (Integrated Ocean Drilling Program) hat erstmals eine Bohrkampagne in der Ostsee gestartet. Der Greifswalder Wissenschaftler Michael Kenzler vom Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald ....

....wird zwei Monate auf dem Bohrschiff verbringen und dort arbeiten.
Mit einem Bohrschiff sollen vom 7. September bis zum 4. November bis zu sieben Forschungsbohrungen in der Ostsee und im Kattegatt niedergebracht werden.
Das Bohrprogramm wurde 1964 gestartet. Seither wurden weltweit fast 1.300 Ozeanbohrungen durchgeführt.

Es ist das erste Mal, dass Bohrungen in der Ostsee durchgeführt werden. Mit dabei ist Michael Kenzler von der Universität Greifswald, der zurzeit als Doktorand am Institut für Geographie und Geologie arbeitet. Er wird zwei Monate auf dem Bohrschiff verbringen und die gezogenen Bohrkerne für die weitere Arbeit begutachten und aufbereiten. Die eigentliche Probennahme wird Anfang 2014 nach Beendigung der Bohrungen im IODP-Bohrkernlager am MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen stattfinden. Zusammen mit den Forschern seiner Arbeitsgruppe, Dr. Heiko Hüneke, Prof. Martin Meschede und Prof. Henrik Rother wird er das gesammelte Material aus bis zu mehreren hundert Metern Tiefe unter dem Meeresboden in den Labors der Universität Greifswald analysieren. Mithilfe einer modernen Einbettungstechnik, die erst seit kurzem in Greifswald etabliert ist, wird weiches Sediment gehärtet, so dass man daraus wenige tausendstel Millimeter dicke sogenannte „Dünnschliffe“ anfertigen kann, um den Mineralgehalt und vor allem die Feinstrukturen in den Bohrkernen zu untersuchen.

In Bremen werden mehr als 30 Wissenschaftler von Universitäten und Forschungseinrichtungen aus den USA, Japan, China und den Ostsee-Anrainerstaaten zusammenarbeiten. Nicht alle von ihnen konnten an Bord des Bohrschiffes arbeiten, weil dort nur ein begrenzter Platz zur Verfügung steht. Michael Kenzler hat umfangreiche Erfahrungen mit der Entnahme von Proben und wurde für die gesamte Bohrfahrt als Wissenschaftler eingeladen. Für seinen Aufenthalt an Bord des Bohrschiffes “Greatship Manisha” musste Michael Kenzler zuvor an einem zehntägigen Sicherheitstraining teilnehmen, um im Ernstfall für alle Schwierigkeiten gewappnet zu sein. In einem speziellen Trainingszentrum auf Rügen wurden unter anderem das Anlegen und Eintauchen mit einem Überlebensanzug sowie das Abkoppeln eines Seenotrettungsbootes vom Schiff trainiert.

Die Teilnahme am IODP-Projekt (früher ODP - Ocean Drilling Program - und anfänglich DSDP - Deep Sea Drilling Program) wurde insbesondere von Prof. Martin Meschede initiiert, der selbst an mehreren Bohrfahrten mit dem Bohrschiff „JOIDES Resolution“ teilgenommen hat. Die Bundesrepublik Deutschland ist seit vielen Jahren Mitglied im internationalen IODP-Projekt und ist dadurch in der Lage, jährlich etwa zehn bis 20 Wissenschaftler als Teilnehmer zu den internationalen Bohrexpeditionen in alle Welt zu schicken. „Das IODP-Projekt ist das größte Forschungsprojekt, das jemals in den Geowissenschaften durchgeführt wurde und weiterhin durchgeführt wird. Es lässt sich in seiner Tragweite ohne weiteres mit der NASA vergleichen. Wir erforschen dabei systematisch die Geologie der Ozeane und Kontinentränder und in letzter Zeit zunehmend auch die mikrobielle Aktivität in der Erdkruste, also Lebensformen, die sich nicht auf der Erdoberfläche oder im Wasser, sondern in der Erdkruste in oft mehreren hundert Metern bis zu Kilometern Tiefe entwickelt haben. Diese Gebiete der Erde sind für uns Menschen extrem schwer zugänglich und entsprechend hoch sind die technischen und logistischen Herausforderungen, die sich durchaus mit der Erkundung des Mondes oder des Mars messen lassen können. Das IODP-Projekt hat im Verlauf seiner Aktivitäten maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Theorie der Plattentektonik Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts durchgesetzt hat“, so Prof. Martin Meschede.

Die Ostsee ist eines der größten Binnenmeere der Welt, das in seinen Sedimenten ein einzigartiges Klimaarchiv enthält. Die für geologische Verhältnisse erst junge Geschichte der Ostsee von etwa 130.000 Jahren steht daher im Vordergrund der geplanten Untersuchungen. Unter den jüngsten, durch die Gletscher der letzten Eiszeit abgelagerten Sedimenten werden die Ablagerungen einer Reihe von Seen vermutet, in denen die Geschichte der letzten warmen Periode, der Eem-Warmzeit dokumentiert ist. Diese Seesedimente sollen während der Bohrkampagne “IODP Expedition 347 Baltic Sea Palaeoenvironment" erbohrt werden. Für Michael Kenzler bietet dies die Gelegenheit, seine Erfahrungen, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit mit gleichaltrigen Sedimenten aus Norddeutschland sammeln konnte, einzubringen und zu erweitern. Neben den älteren Sedimenten geht es auch um das Ende der letzten Eiszeit und den Übergang in die heutige warme Periode. Aus dem Vergleich der Ablagerungen beider Warmzeiten sollen Rückschlüsse auf die zu erwartende Klimaentwicklung gezogen werden.

(Redaktion)


 


 

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