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Ein Interview mit Stefan Hagen

Die besten Zeiten für Unternehmer beginnen jetzt

Am 21. Februar ist Redner und Coach Stefan Hagen mit seinem neuen Vortrag „Sicherheit ist langweilig – Die besten Zeiten für Unternehmer beginnen jetzt!“ zu Gast im StrategieCentrum Südwestfalen.

Der Titel klingt provokant und wer Stefan Hagen kennt, weiß, dass der aus der kabel1-Serie „Hagen hilft“ bekannte Coach auch unbequemen Fragen nicht aus dem Weg geht und es versteht, seine Zuhörer in 90 spannenden Minuten immer wieder gekonnt aus der Reserve zu locken. Business-On hatte die Möglichkeit, vorab mit Stefan Hagen über seinen neuen Vortrag, seine Intention und Chancen für Unternehmer zu sprechen.

Business-On: Herr Hagen, in Ihrem neuen Vortrag „Sicherheit ist langweilig – Die besten Zeiten für Unternehmer beginnen jetzt!“ rufen Sie Unternehmer dazu auf, die Komfortzone „kalkuliert“ zu verlassen. Ist so etwas überhaupt möglich?

Stefan Hagen: Das ist nicht nur möglich, das ist sogar nötig. Denn die sog. Komfortzone ist eine Falle. Eine Falle, die uns daran hindert zu wachsen, neue Herausforderungen zu finden und uns zu entwickeln. Komfortzonen sind die Lebensbereiche, in denen wir uns wohlfühlen und in die wir uns bei Problemen zurückziehen. Dort kennen wir uns aus und es ist alles so gut eingerichtet. Wir kennen die Rahmenbedingungen und sind mit Dingen und Situationen umgeben, die wir lieb gewonnen oder an die wir uns gewöhnt haben. Und vor allem haben wir in unseren Komfortzonen schon Probleme und schwierige Situationen bewältigt. Also, warum sollten wir gerade diese Zone verlassen?

Weil wir nicht mehr erkennen, dass sich ständig die Rahmenbedingungen außerhalb unserer Komfortzone verändern. Und genau das ist die Gefahr. Wir verpassen z.B. neue Trends, vernachlässigen veränderte Kundenwünsche und glauben, alles im Griff zu haben. Daher entwickeln wir uns bzw. unsere Unternehmen nicht mehr weiter. Denn das würde die scheinbare Harmonie der Komfortzone stören. Was als sehr unangenehm empfunden wird. Erst wenn alles „plötzlich“ über uns zusammenbricht und es an allen Ecken brennt, erst dann werden wir nervös bis panisch. Wirklich etwas ändern, wollen selbst in dieser Situation die wenigsten. Sie verändern nur etwas, weil sie es „müssen“, nicht weil sie es „wollen“. Und diese Form der Veränderung ist nicht nachhaltig. 

Daher ist die sog. Komfortzone tatsächlich eine Gefahrenzone. Und aus dieser sollten Sie rauskommen. Verlassen Sie Ihre Komfortzone, in dem Sie jeden Tag etwas machen, was Ihnen keinen Spaß bereitet. Wissenschaftler haben festgestellt, dass 30% unserer beruflichen Tätigkeit uns keinen Spaß machen sollte. Denn für unser Gehirn sind diese Tätigkeiten nichts anderes als Herausforderungen, durch die es sich weiterentwickeln kann. Dabei ist jedoch wichtig, sich für die Bewältigung der Herausforderung anschließend auch zu belohnen. Nur so kann eine positive Erfahrung in unserem Gehirn verankert werden. 

Business-On: Ist die Angst vor chancenreichen, aber manchmal unbequemen Schritten ein spezielles Problem kleiner Unternehmen, oder haben Sie diesen Trend auch in größeren Unternehmen festgestellt?

Stefan Hagen: Die Angst vor unangenehmen Schritten, die aber tatsächlich neue Chancen eröffnen, ist nicht nur ein Thema in kleinen, sondern auch in großen Unternehmen. 

Diese Angst ist auch verständlich. Denn grundlegende Veränderungen bedeuten zunächst Unsicherheit. Und Unsicherheit widerspricht einem wichtigen Grundbedürfnis der Menschen, nämlich „Sicherheit“. Wer weiß denn wirklich, ob diese Veränderungen zum erhofften Erfolg führen? Daher halten viele Unternehmen an den alt bewährten und scheinbar funktionierenden Strategien fest. So lange, bis sie durch den wirtschaftlichen Druck zum Handeln gezwungen werden. Und dieses Handeln bedeutet dann Kostenreduzierung, sprich meist Personalabbau. 

Ich behaupte daher, dass Unternehmer, die ausschließlich auf wirtschaftlichen Druck reagieren, ängstliche Unternehmer sind. Mutige Unternehmer agieren, statt zu reagieren. Sie handeln stetig, öffnen sich neuen Methoden und sind bereit, frühzeitig wichtige Entscheidungen zu treffen. Und sie stehen zu diesen Entscheidungen, auch wenn diese nicht für alle Beteiligten angenehm sind.

 Nehmen wir doch einfach mal das Beispiel des demographischen Wandels und den sich damit abzeichnenden Fachkräftemangel. Ängstliche Unternehmer verharren in Stockstarre und beklagen die fehlende Qualität der Auszubildenden. Mutige Unternehmer gründen eine eigene und staatlich anerkannte Schule, um dort jungen Menschen neben einer betrieblichen Ausbildung, auch die Möglichkeit einer schulischen Weiterbildung zu bieten. Ein sehr mutiges Beispiel aus unserer Region. Mutig, weil es eine große Investition bedeutet, niemand weiß, ob es den erwünschten Erfolg bringt und weil es bestehende Systeme aufgebrochen hat. Ich finde es einfach nur klasse.

Business-On: In Ihrem Vortrag kritisieren Sie, dass Unternehmer zu viel mit Planung beschäftigt sind und sich viel zu wenig mit den Wünschen ihrer Kunden auseinandersetzen.  Glauben Sie, dass viele Unternehmer an den Wünschen ihrer Kunden vorbeiplanen?

Stefan Hagen: Ein eindeutiges JA. Wir haben eine Planungskultur entwickelt, die völlig an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden vorbei geht. 

Vor kurzem habe ich an einem Gespräch teilgenommen, in dem es um die Entwicklung eines neuen Software-Produktes ging. Das Unternehmen hatte schon eine hohe Summe in die Entwicklung dieses Produkt investiert. Und es war überzeugt, dass diese Software die gesamte Organisation von konzernstrukturierten Unternehmen revolutioniert. Und genau das war das Problem. 

Ich war mir nicht sicher, ob die Kunden diese Revolution überhaupt wollten und fragte daher, ob man schon mit potentiellen Kunden über dieses Produkt gesprochen habe. Die Blicke werde ich nie vergessen. Völliges Entsetzen. Wie konnte ich mich trauen, das fragen? Aber ich hatte den Punkt getroffen. Der CEO behauptete, dass der Kunde das Produkt brauche. Man müsse ihm nur erklären, dass er es braucht. Tatsächlich hatte sich noch niemand ernsthafte Gedanken gemacht, ob die Unternehmen die neue Software überhaupt möchte. Und da war ich entsetzt. 

Ich stelle fest, dass in vielen Unternehmen eine von mir sog. Wissensarroganz besteht. Die Unternehmen glauben zu wissen, was der Kunde bzw. der Markt will. Ohne sich ernsthaft mit den tatsächlichen Problemen der Kunden auseinanderzusetzen. Und das ist arrogant. 

Natürlich werden die Kunden auch vorher „befragt“. Aber wie sieht denn eine solche Befragung realistisch aus? Platt gesagt: „Wir haben folgendes vor und jetzt fragen Sie mal die Kunden, ob die das haben wollen“. Toll. Die Antwort besteht schon im Auftrag. Die Ergebnisse werden dann von den Mitarbeitern oder den beauftragten Unternehmen so interpretiert, dass sie in die Überlegungen der Auftraggeber passen. 

Ich empfehle jedem Unternehmer, viel Aufwand und viele Mühen in eine regelmäßige „inoffizielle“ Befragung der Kunden zu legen. Treffen Sie sich mit Ihren Kunden. Nicht nur auf Messen. Nein, auch außerhalb der Messen. Lernen Sie Ihre Kunden besser kennen, als sich selbst. Hören Sie Ihren Kunden zu, wenn die „Menschen“ über das eigene Unternehmen und sich selbst sprechen. Fragen Sie nicht, schon gar nicht telefonisch, sondern hören Sie einfach nur zu. Nur so werden Sie die wirklichen Probleme Ihrer Kunden kennenlernen. Und jedes Produkt, jede Dienstleistung dient nur einem Zweck, der Problemlösung Ihrer Kunden. Und nicht der Verwirklichung Ihrer Ideen. 

Eine führende Innovationsberaterin hat mir mal in einem Gespräch gesagt, dass Innovationen nicht im eigenen Unternehmen, sondern beim Kunden entstehen. Und Sie hat Recht. 

Business-On: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hagen.

Unternehmer aus Südwestfalen, die sich diesen außergewöhnlichen Business-Event nicht entgehen lassen wollen, sollten sich beeilen. Buchen können Sie direkt über die Internetseite des StrategieCentrums Südwestfalen: www.strategiecentrum-suedwestfalen.de. In der Teilnahmegebühr von nur 39,- Euro (zzgl. MwSt.) sind Tagungsgetränke und ein kleiner Imbiss enthalten. Los geht’s um 18 Uhr im Lüdenscheider Entwicklungs- und GründerCentrum in der Karolinenstraße 8. Parkplätze stehen in ausreichender Zahl zur Verfügung.

(Redaktion)


 


 

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