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Küstenfischerei

EU muss regionale Belange berücksichtigen

Im Rahmen der Konferenz „Erhaltung der traditionellen Küstenfischerei vor dem Hintergrund der aktuellen EU-Fischereipolitik“ forderte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr Till Backhaus (SPD), dass die Europäische Union stärker auf die regionalen Besonderheiten eingehen müsse. Nur so könne man die Zukunft der Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern sichern.

Neben dem altersbedingten Ausscheiden sieht der Minister auch in der Quotenkürzung beim Hering durch die Europäische Kommission eine Ursache für den Rückgang der Küstenfischer im Land. Backhaus: „Die drastischen Quotenkürzungen beim Hering seit 2008 haben die Abkehr von der Fischerei deutlich beschleunigt. 1990 hatten wir noch über 1.200 Küstenfischer. Diese Anzahl aktiver Fischer, die vor der Wende fast ausschließlich Haupterwerbsfischer waren, sank nach der Wende innerhalb von 1 bis 2 Jahren auf 800-900 Fischer und nahm danach langsam aber stetig weiter ab. Mit der Errichtung des Fischbearbeitungszentrums 2002-2004 hatten wir zwar für einige Jahre eine stabile wirtschaftliche Entwicklung der Küstenfischerei, doch mit der dramatischen Kürzung der Heringsquoten ab 2009, nahm die Zahl der Küstenfischer jedes Jahr wieder deutlich ab. Heute haben wir in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 455 Haupt- und Nebenerwerbsfischer“.

Diese Fischer seien überwiegend abhängig von der Herings- und Dorschfischerei. Aber gerade diese Bereiche seien von der EU stark reglementiert. Das Hauptproblem sei, so der Minister, dass die Fischer aufgrund der Quotenschwankungen und umfassenden Regelungen der EU Schwierigkeiten haben, kontinuierliche Handelsbeziehungen zu ihren Abnehmern aufzubauen. Erst wenn es gelänge, kontinuierlich zu liefern, können sich Handel und Verarbeitung darauf einstellen, damit planen und langfristige Vertragsbindungen eingehen. Dann könne man auch andere Preise erzielen. Der Minister verwies außerdem darauf, dass das Land sich für den Aufbau des Fischbearbeitungszentrums in Sassnitz eingesetzt und dies stark gefördert habe, damit die Fischer im eigenen Land Verarbeitungskapazitäten für den Hering erhielten. Minister Backhaus: „Das war vor allem eine Maßnahme, um die Heringsfischerei wieder voran zu bringen“.

Um der Dorschfischerei zu helfen, hatte das Land ein Konzept zur Stabilisierung des Dorschbestandes in der westlichen Ostsee erarbeitet. Dazu war geplant, eine große Dorschaufzuchtstation zu errichten und jedes Jahr 4 Mio. Setzlinge entlang der gesamten Küste Mecklenburg-Vorpommerns in die Ostsee einzusetzen. Das von Thünen-Institut hatte unter Abwägung aller Unsicherheiten prognostiziert, dass dadurch schätzungsweise künftig 2.000 Tonnen Dorsche jedes Jahr zusätzlich gefangen werden könnten. „Leider hat dieses Projekt durch die   Europäische Union keine Unterstützung erfahren“, bedauert der Minister.

Backhaus ging außerdem auf die schwierige Situation der Heringsfischer und die Hilfsmaßnahmen der Landesregierung ein. Nachdem die deutsche Quote für den Heringsbestand der westlichen Ostsee in der Zeit von 2008 bis 2010 bereits um 49 Prozent reduziert wurde, hatte der EU- Ministerrat für das Jahr 2011 nochmals eine weitere Reduzierung um 30 Prozent beschlossen. In den Gesprächen zur Aufteilung der deutschen Heringsquote konnte erreicht werden, dass über einen Quotentausch zwischen der Hochseefischerei und der Kutterfischerei für Mecklenburg-Vorpommern ca. 312 t Ostseehering zusätzlich zur Verfügung gestellt wurden.

Um den Fischern zu helfen, hatte das Land einen Heringsmanagementplan erarbeitet. Dieser sah wissenschaftlich begründete Maßnahmen zur Schonung des Heringsbestandes vor. Im Gegenzug sollten den Fischern anteilmäßig Erlösausfälle ausgeglichen werden. Auch dieser Plan wurde von der Kommission abgelehnt. „Nur wenn wir über 60 Prozent der Flotte anschließend abgewrackt hätten, hätten wir im Rahmen des Europäischen Fischereifonds und des lokalen Heringsmanagementplans Hilfen an die Fischer zahlen dürfen. Dann hätten von den verbliebenen 315 Haupterwerbsfischern nach 3 Jahren nur noch 120 weiter fischen dürfen. Das ist nicht zu verantworten“, unterstreicht der Minister.

Der Minister verwies auf weitere Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Fischerei. So wurden seit 1994 für 400 Investitionsmaßnahmen zur Modernisierung der Fischereiflotte und der Fischereihäfen mit einem Aufwand  von 140 Millionen Euro ca. 105 Millionen Euro Fördermittel ausgereicht. Allein im Bereich der Fischverarbeitung und Erzeugnisentwicklung wurden 162 Investitionsvorhaben mit einem Volumen von 158 Millionen Euro mit knapp 54 Millionen Euro Fördergelder unterstützt. Der Minister forderte zugleich der Unternehmen auf, sich stärker für die Erzeugnisentwicklung und das Marketing zu engagieren. Er sicherte den Konferenzeilnehmern zu, dass sich die Landesregierung auch weiterhin für eine nachhaltige Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern bei der EU einsetzen werde. Backhaus abschließend: „Denn für ein Küstenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist die Fischerei wie das Salz in der Suppe.“

Die B7 Organisation hat sich der Zusammenarbeit der 7 großen Ostseeinseln – Rügen, Bornholm, Gotland, Hiiumaa, Saaremaa, Öland und Aland verschrieben. Für das Jahr 2011 hat Rügen den Vorsitz übernommen

(Redaktion)


 


 

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