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Girls’Day 2013

Große Kunst ins rechte Licht setzen

Von wegen Glitzer, Glamour und Applaus! Wer hinter die Kulissen eines Theaters schaut, der erlebt Technik pur: ‘Zig Kilometer Kabel, hydraulische Anlagen, Akkuschrauber und Scheinwerfer, Brücken und Portale, Computer und eine Menge toller Typen, die das alles im Griff haben.

Neun Schülerinnen aus Hagenow und der Landeshauptstadt Schwerin hatten am Girls’Day 2013 erstmals Gelegenheit, hinter die Kulissen zu gucken. Initiiert wurde der ganztägige Aufenthalt in enger Zusammenarbeit mit dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin von der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Schweriner Arbeitsagentur, Marlies Reiher.


„Hautnah dabei zu sein, wenn Bühnenbilder entstehen, ist richtig spannend. Als Zuschauer ahnt man gar nicht, wie viele Akteure hinter, über und unter der Bühne dafür sorgen, dass Schauspiel, Ballett und Oper ins rechte Licht und in die richtige Kulisse gesetzt werden“, sagt die Beauftragte. Sie hatte den Beruf der Veranstaltungstechnikerin
und der Ingenieurin für Veranstaltungstechnik ausgewählt, um den Schülerinnen der siebten und achten Klasse zu zeigen, welche beruflichen Chancen sich gerade für Frauen in diesem Bereich auftun.


Larissa Gund, Mitarbeiterin der Technischen Direktion am Staatstheater, machte den Auftakt und stellte den interessierten Mädchen ihren Berufsalltag vor. Die gelernte Tischlerin hat sich mit dem Studium der Theater- und Veranstaltungstechnik zur Diplom- Ingenieurin qualifiziert. Sie beherrscht die Technik meisterhaft, koordiniert Einsatzpläne
und erlebt jeden Tag Neues. „Dieser Beruf ist unglaublich abwechslungsreich und bietet vielseitige Einsatzmöglichkeiten.“ Sie selbst habe schon auf Schiffen gearbeitet und Tourneetheater begleitet. „Die technischen Anforderungen sind natürlich bestimmend für die Arbeit. Gefragt ist aber auch ein großes Maß an Kreativität
und Teamgeist. Körperliche Belastungen können auch wir Frauen bewältigen. Und wenn es mal zu schwer ist, packen die Kollegen gern an. Schließlich sind wir ein tolles Team.“ Und das bewältigt auch zuweilen ungewöhnliche Arbeitszeiten ohne Probleme: „Wir sind meist dann tätig, wenn andere Freizeit haben. Am Abend, am Wochenende, an Feiertagen. Aber gibt es etwas Schöneres, als das alles zu sehen und dabei zu sein, wenn so etwas Tolles entsteht wie Theater?“ fragt Theaterpädagogin Nadine Lipp, die die Mädels durch das Theater und als nächstes zu Schnürmeister Hannes Zepplin führte. Schnürmeister? Das hat sicher mit den beeindruckenden Roben für die Opernaufführungen zu tun, z. B. wenn Korsette zugeschnürt werden müssen...

So jedenfalls mutmaßten einige der Mädchen und lagen damit zumindest nicht ganz falsch. Früher, so berichtete Hannes, gehörten die Schnürmeister tatsächlich zum Ankleidebereich des Theaters. Heute jedoch sind sie eher Maschinisten, welche die Stangen der Züge bekleiden, erklärte Nadine Lipp. Stangen? Züge? Podien? Drehscheibe? „Es gibt eine Menge Fachbegriffe, gerade im Bühnenbereich“, erläuterte Bühneninspektor Bernd Augustinowski während einer so genannten „Bauprobe“. Stück für Stück richteten dabei die Bühnentechniker jenes Umfeld für die Schauspieler her, das als kleines Modell am Bühnenrand von den Schülerinnen schon bewundert werden konnte. Von dort ging es in luftige Höhen. Hannes Zepplin, der den Beruf des Veranstaltungstechnikers gelernt hat, ließ computergesteuert nach eigener Programmierung Bühnenhintergründe auf- und abfahren und löste somit das Rätsel um die Züge. Ein bisschen sportlich und vor allem höhentauglich sollte man hier schon sein, erklärte der junge Mann den Mädchen. Schmale Treppen führen immerhin bis zu 19 Meter hoch über den Bühnengrund. „Hier oben wird einem auch bewusst, wel-che Verantwortung wir für die Sicherheit der Akteure auf der Bühne tragen“, sagt der Schnürmeister.
Dort, wo er für die passenden Kulissen sorgt, ist auch Anke Koch oft zu finden. Als Beleuchtungsmeisterin sorgt sie mit ihren Kollegen dafür, dass zum richtigen Zeitpunkt der richtige Scheinwerfer auf den Opernsänger gerichtet ist. „Das ist schon ein technischer Beruf. Ich beschäftige mich jedoch viel mit Literatur, Musik und Malerei, um die gewünschte Atmosphäre der Stücke auch richtig umsetzen zu können“, er-klärt die Diplom-Ingenieurin für Theater- und Veranstaltungstechnik, bevor der Tonmeister die Regie in der Besuchergruppe übernahm.
Die neun Schülerinnen waren nach ihrem Theaterbesuch regelrecht sprachlos. Die Vielzahl von Eindrücken musste erst einmal sacken. Aber sie kommen bestimmt wieder. Zunächst garantiert als Zuschauer.

Wencke (13) vom Hagenower Gymnasium denkt schon über mehr nach: „Ich kann mir vorstellen, den Beruf der Veranstaltungstechnikerin zu erlernen. Auf jeden Fall möchte ich dann auch noch ein Studium an-schließen“, sagte sie nach der beeindruckenden Vorstellung hinter den Kulissen. Auch Fanny (13) vom Schweriner Goethe-Gymnasium zeigte sich begeistert. „Das war ein interessanter und spannender Tag“, lautet ihr Fazit. Klassenkameradin Hanna ergänzt: „Und es war total cool da oben, auf dem Schnürboden.“ Na klar: Direkt unter dem Dach des imposanten Theatergebäudes zückten die Mädchen ihre Handys. So einen Moment muss man einfach im Bild und zur Erinnerung festhalten, kurz bevor der große Vorhang fällt. Vielleicht sind es die Mädels vom Girls’Day 2013, die diesen in ein paar Jahren dann selber öffnen und ihren Traumberuf da gefunden haben, wo mittlerweile beide Geschlechter ihren Mann stehen. Die Chancen dafür stehen bestens: „Junge Frauen verfügen über eine besonders gute Schulbildung. Diese wird von Unternehmen gerade in technischen und techniknahen Bereichen mehr und mehr nachgefragt“, so Marlies Reiher.

Mehr Info`s und Bilder unter: www.arbeitsagentur.de

(Redaktion)


 


 

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