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Vertrauensarbeitszeit

Ein modernes Konzept der Gleitzeit?

Was die Kontrolle der Arbeitszeiten angeht, bringen Arbeitgeber in Deutschland und Europa ihren Beschäftigten seit Jahrzehnten ein wachsendes Vertrauen entgegen. In nahezu allen Branchen sind die Zeiten vorbei, in denen per Stechuhr die Ankunft am Arbeitsplatz bzw. dessen Verlassen minutengenau dokumentiert wurde.

Das Konzept der Gleitzeit ist seit Jahrzehnten in Industrie und Dienstleistungswesen etabliert und bekommt aktuell durch die sogenannte Vertrauensarbeitszeit ein noch arbeitnehmerfreundlicheres Konzept zur Seite gestellt.

Gerade Großunternehmen möchten sich durch eine besonders freie Einteilung der Arbeitszeit für Bewerber interessant machen, jedoch bleibt das Konzept des blinden Vertrauens in die Vertrauensarbeitszeit auch nicht ohne Kritik.

Flexibilität der modernen Wirtschaft ausnutzen

Auch wenn es auf den ersten Blick paradox wirkt: Die von vielen Arbeitnehmern als angenehm empfundene, freie Wahl des Arbeitsplatzes ist ein Ergebnis des steigenden Wettbewerbs in sämtlichen Wirtschaftsbranchen, der sonst eher nachteilige Entwicklungen für den einzelnen Arbeitnehmer mit sich bringt.

Um Kosten zu sparen, sind viele Unternehmen dazu angehalten, auch mit der Komponente Arbeit deutlich flexibler umzugehen und Arbeitskräfte nicht mehr zu festen Arbeitszeiten im Unternehmen zu halten, wenn diese für die anfallende Arbeit gar nicht in vollem Umfang benötigt werden.

Die Vertrauensarbeitszeit wird auch zu einem effektiven Werkzeug zur Bekämpfung von Überstunden, zudem entfallen Kosten für Unterhalt und Wartung elektronischer Systeme der Personalerfassung.

Im Überblick: Varianten der Vertrauensarbeitszeit

Nicht alle Unternehmen verstehen das Gleiche unter dem Prinzip der vollkommen freien Arbeitszeiteinteilung. In der Variante, die dem einzelnen Arbeitnehmer am ehesten entsprechen dürfte, handelt es sich lediglich um die Erweiterung des klassischen Gleitzeitmodells. Allerdings wird keine Kernarbeitszeit eingefordert bzw. diese auf ein Minimum begrenzt.

In modernen Dienstleistungsunternehmen, die eher projektbezogen arbeiten, wird oftmals ganz auf feste Wochenarbeitszeiten verzichtet, hier rückt eher die Fertigstellung eines Projektes oder Teilprojektes in einem bestimmten Zeitrahmen in den Vordergrund. Im IT-Zeitalter ist hierbei noch nicht einmal die Anwesenheit des Arbeitnehmers in Betrieb oder Büro zwingend nötig.

Andere Unternehmen legen die Vertrauensarbeitszeit im Sinne eines Arbeitnehmers auf Abruf auf. Zwar werden hier Freiheiten zugestanden, um Überstunden zu vermeiden. Bei größeren Arbeitsvolumina wird jedoch verlangt, dass der einzelne Arbeitnehmer die Bereitschaft zu einer intensiven Arbeit über einen längeren Zeitraum hinweg mitbringt.

Genau diesen Teil der Vertrauensarbeitszeit sehen Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter sehr kritisch. Beispielsweise warnt Sylvia Skrabs von der Großgewerkschaft Verdi davor, dass die Belastungssituation in arbeitsreichen Phasen für den einzelnen Arbeitnehmer deutlich stärker ist, als es freie und ruhige Phasen ausgleichen könnten.

Führungsstärke und Vertrauen der Arbeitgeber unerlässlich

Wie es der Name des Konzepts schon andeutet, muss jeder Arbeitgeber seinen Angestellten ein großes Vertrauen entgegenbringen, damit auch von dieser Seite aus die flexible Regelung nicht missbraucht wird.

Empfehlenswert ist es hier, bereits bei Bewerbungsgesprächen klare Rahmenbedingungen für die Arbeitszeitregelung abzustecken, Prioritäten und Ziele zu benennen. Dies gilt übrigens nicht nur, um den einzelnen Arbeitnehmer vor einer zu geringen Arbeitszeit zu bewahren, sondern auch vor einem zeitlich zu großen Engagement.

Wer in einer hart umkämpften Branche meint, sich durch noch mehr Arbeitszeit gegenüber den Kollegen Vorteile verschaffen zu wollen, dient nicht immer den Zielen der Firma und betreibt möglicherweise gesundheitlichen Raubbau.

Die Zukunft der Vertrauensarbeitszeit

Grundsätzlich ist die Flexibilisierung von Arbeitsprozessen in vielen Branchen möglich, jedoch nicht flächendeckend in allen Wirtschaftsbereichen zu realisieren. Die Produktion in kleineren und mittleren Betrieben wird auch in einigen Jahrzehnten ähnlich geregelt wie heute ablaufen, Arbeitgeber im Bereich Service benötigen zu allen Zeiten eine bestimmte Mannschaftsstärke.

Bei wachsender Größe eines Wirtschaftsunternehmens ist es jedoch einfacher, flexible Arbeitszeitmodelle umzusetzen und so Arbeitnehmern eine Freiheit zu gewähren, die dem modernen Arbeitsmarkt entspricht. Dies bedeutet in letzter Instanz, als hoch qualifizierter Arbeitgeber Führungsstärke zu zeigen und jedem Arbeitnehmer echtes Vertrauen entgegenbringen zu wollen – ohne permanente Kontrolle.

Redaktionsservice / Redaktionelle Beratung: www.arbeitszeiterfassung.org

(FN)


 


 

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