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Interview

Mittelständler „ticken“ anders als Konzerne

Mittelständische Unternehmen haben eine andere Kultur und Struktur als Konzerne. Deshalb brauchen sie zum Teil auch andere Problemlösungen – und Berater. Davon ist Dr. Georg Kraus, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal, überzeugt, die beim diesjährigen „Top Consultant“-Wettbewerb als Top-Beratung für den Mittelstand ausgezeichnet wurde.

business-on.de: Herr Dr. Kraus, Ihrer Unternehmensberatung wurde gerade das Gütesiegel „Top Consultant“ verliehen. Freut Sie das – schließlich ist der Mentor dieses Wettbewerbs der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel, also kein No-Name?

Dr. Georg Kraus: Selbstverständlich freut uns die Auszeichnung – jedoch weniger weil Hans Eichel, der Mentor des Benchmarking -Projekts ist, auf dem die Auszeichnung basiert.

business-on.de:  Sondern?

Dr. Georg Kraus: Bedeutsamer ist für uns, dass der Auszeichnung eine umfassende wissenschaftliche Bewertung der teilnehmenden Unternehmensberatungen durch Prof. Dr. Dietmar Fink vorausging – einem allgemein anerkannten Consulting-Experten. Und was noch entscheidender ist: Unsere Kunden bescheinigten uns eine Top-Beratung.

business-on.de: Inwiefern?

Dr. Georg Kraus: Jede Unternehmensberatung musste im Rahmen des Contests zehn Referenzkunden benennen. Diese wurden von den Gutachtern mit einem Fragebogen befragt. Ermittelt wurde unter anderem: Als wie kundenorientiert stufen die Kunden die Unternehmensberatung ein? Wie zufrieden sind sie mit ihrer Leistung und den Ergebnissen? Und: Sind die Kunden davon überzeugt, dass sie von der Unternehmensberatung „mittelstandsgerecht“ beraten und unterstützt werden? Die Ergebnisse haben uns sehr gefreut. Wir lagen bei allen Kriterien zwischen A+ und A – erhielten also die höchstmöglichen Bewertungen.

business-on.de: Wie erklären Sie sich, dass Ihnen die Mittelständler eine „mittelstandsgerechte Beratung“ bescheinigen, obwohl sich Ihr Unternehmen nicht als klassische Mittelstandsberatung, sondern primär als Changeberatung versteht; des Weiteren außer für mittelständische Unternehmen auch für multinationale Konzerne arbeitet?

Dr. Georg Kraus: Eine Ursache ist gewiss, dass wir mit unseren circa 50 Beratern sozusagen selbst ein mittelständisches Unternehmen und kein Beratungskonzern sind. Das spüren die Entscheider im Kontakt mit uns. Hinzu kommt: Unsere Berater wissen, dass mittelständische Unternehmen zum Teil eine andere Kultur und Struktur als Konzerne haben. Deshalb brauchen sie oft auch andere Problemlösungen. Wenig zielführend ist es, auf den Mittelstand nur abgespeckte Varianten der Lösungskonzepte von Konzernen zu übertragen. 

business-on.de: Gibt es weitere Gründe?

Dr. Georg Kraus: Ja. Zwei Klagen, die man oft von Mittelständlern bezüglich der großen Beratungskonzerne hört, sind: Ihre Mitarbeiter sprechen nicht die Sprache unserer Mitarbeiter, und sie entwickeln zwar tolle Konzepte, lassen uns aber bei deren Umsetzung allein. Letzteres ist gerade bei Mittelständlern fatal, weil sie häufig firmenintern nicht die hierfür nötigen Experten zum Beispiel in Sachen Organisationsentwicklung und Projektmanagement haben. Also wollen und benötigen sie auch in diesen Bereichen Unterstützung. Diesem Kundenanliegen kommt entgegen, dass wir uns nicht nur als Changeberater, sondern auch als Changebegleiter und -unterstützer verstehen. Nach entsprechenden Kriterien suchen wir auch unsere Mitarbeiter aus und stellen wir unser Team zusammen.

business-on.de: Heißt das, Sie unterstützen und begleiten Ihre Kunden auch beim Umsetzen der Konzepte im Betriebsalltag?

Dr. Georg Kraus: Ja, das unterscheidet uns von vielen anderen Beratungen. Deshalb zählen zu unserem Team auch Trainer und Coachs; des Weiteren Fach-Experten, die zum Beispiel die Projektsteuerung übernehmen oder als Interimsmanager oder „Firmeninterne auf Zeit“ bei den Kunden schlicht gewisse Aufgaben abarbeiten.

business-on.de: Welche Ziele strebt Ihr Unternehmen in den kommenden Jahren an?

Dr. Georg Kraus: Ein Ziel ist: Wir wollen wachsen. Deshalb suchen wir noch Berater – insbesondere solche, die ein solides Know-how in Sachen Change- und Projektmanagement mit einer soliden fachlichen Expertise verbinden.

business-on.de: Also von Haus aus zum Beispiel Ingenieure, Informatiker, Controller oder Einkaufsmanager sind?

Dr. Georg Kraus: Die Herkunft spielt nicht die entscheidende Rolle. Wir suchen Menschen mit Lebenserfahrung, die mutig sind und Dinge nicht unreflektiert „nachplappern“ und übernehmen, sondern auch eigene Ideen entwickeln. Oder anders formuliert: Wir suchen Kollegen, die einfach einen Unterschied machen – in ihrer Person und Art zu beraten. Ein weiteres Ziel ist: Wir wollen noch internationaler werden. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr unser Cross-Cultural-Team stark erweitert und Dependancen in Frankreich und Brasilien eröffnet.

business-on.de: Warum gehen Sie diesen Schritt?

Dr. Georg Kraus: Letztlich reagierend auf die Wünsche unserer Kunden. Denn heute gilt auch für die meisten Mittelständler, dass sie zum Beispiel Produktionsstätten oder Vertriebsniederlassungen im Ausland haben. Deshalb lautet auch bei ihnen zunehmend ein Kriterium bei der Auswahl externer Dienstleister: Können sie uns auch im Ausland unterstützen – aufgrund ihrer Struktur, ihres Know-hows und Personals?

business-on.de: Wie schnell wollen Sie wachsen?

Dr. Georg Kraus: Organisch.

business-on.de: Was heißt das?

Dr. Georg Kraus: Kontinuierlich, aber nicht zu schnell. Denn ein zu schnelles Wachstum birgt die Gefahr, dass irgendwann die Organisation der Entwicklung hinterher hinkt. Die Folge: Das Gesamtsystem wird fragil und der eigene Qualitätsanspruch kann nur noch bedingt eingelöst werden. 

business-on.de: Eine Erfahrung, die in den letzten Jahren manch Mittelständler sammelte, der zu schnell wuchs und expandierte.

Dr. Georg Kraus: Ja. Hinzu kommt: Wächst eine Organisation unkontrolliert, besteht die Gefahr, dass just die Stärken auf der Strecke bleiben, die die Organisation in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. Entsprechend wichtig ist es, auch Wachstumsprozesse zu steuern.

business-on.de: Sonst entsteht Wildwuchs.

Dr. Georg Kraus: Ähnlich wie bei Bäumen. Auch sie müssen regelmäßig beschnitten und wieder in Form gebracht werden, damit die Pflanze schön kräftig wird und Jahr für Jahr mehr Früchte trägt. Entsprechendes gilt für Unternehmen.

business-on.de: Danke für das Gespräch.

(Andreas Lutz)


 


 

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