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Interview

Michael Barth zu Notfallplänen in deutschen Unternehmen

Immer häufiger geraten Unternehmen durch unkalkulierte Störfälle in finanzielle und existenzielle Bedrängnis. Da sind die Resultate der aktuellen Studie von Regus überraschend, dass knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen keinen effektiven Plan zur Notfallwiederherstellung im Katastrophenfall hat. Über die Gründe, warum viele Unternehmen ihr Fortbestehen leichtfertig aufs Spiel setzen und über die notwendigen Maßnahmen für das Kontinuitätsmanagement, sprach die Business-on.de-Redaktion mit Michael Barth, dem Deutschland-Geschäftsführer von Regus.

business-on.de: Was war der Anlass für Regus, eine Studie zum Thema „Notfallpläne in Unternehmen“ durchzuführen?

Michael Barth: Arbeitsplätze von heute versprechen vor allem Kontrolle über die eigene Umgebung. Im Zeitalter moderner IT wird dieser Eindruck durch die zunehmenden Annehmlichkeiten im Alltag verstärkt und täuscht so über potenzielle Gefahrenszenarien hinweg. Wenn es dann aber zu unkalkulierten Zwischenfällen wie einer Überschwemmung, Feuer, Stromausfall, Vandalismus oder einer Bombendrohung kommt, stehen viele Unternehmen vor der Frage, wie die betrieblichen Abläufe schnellstmöglich wiederhergestellt werden können. Nützliche Pläne für die Mitarbeiter und Führungsetage sind in solchen Situationen oftmals unzureichend.

Für uns stellte sich deshalb die Frage, wie man sicherstellen kann, dass im Unternehmen auch im Krisenfall und danach die betriebliche Kontinuität aufrechterhalten werden kann.

business-on.de: Warum gehen viele Unternehmen Ihrer Meinung nach so nachlässig mit Notfallplanungen um?

Michael Barth: Unserer Erfahrung nach unterschätzen viele Unternehmen schlicht die versteckten Gefahren, die in allen Unternehmensbereichen lauern. So besitzen 31 Prozent der deutschen und sogar 45 Prozent der internationalen Unternehmen beispielsweise keinen aktiven Plan zur Notfallwiederherstellung des IT-Bereichs – trotz der Häufigkeit eines derartigen Zwischenfalls.

business-on.de: Wie sehen die häufigsten „Katastrophenszenarien“ aus?

Michael Barth: Auch kleine, unverschuldete Ereignisse können die Betriebsabläufe eines Unternehmens negativ beeinträchtigen. Insbesondere Probleme mit den Versorgungsleitungen wie etwa Stromausfälle oder Wasserrohrbrüche sind die häufigsten Ursachen für die Aktivierung eines Arbeitsplatzwiederherstellungsplans.

business-on.de: Mit welchen Konsequenzen müssen Unternehmen in solchen Fällen rechnen?

Michael Barth: Nicht mehr zu nutzende Räumlichkeiten sind gemäß unseren Erkenntnissen noch das geringste Problem. Viel schwerer wiegen potenzielle Geschäfts- und Kundenverluste, Produktionsausfälle sowie Liquiditätsprobleme.

Oftmals wird so aus dem simplen Zwischenfall ein Störfall mit weitreichenden Konsequenzen. Dieser kann dann aufgrund von stornierten Besprechungen, unbeantworteten Telefonanrufen, Datenverlust oder fehlender Organisation verwaltungstechnischer Angelegenheiten zu einem dauerhaften Reputationsverlust führen.

Als Folge müssen viele Unternehmen ihren Betrieb sofort oder in den folgenden zwei Jahren für immer einstellen.

business-on.de: Welche Maßnahmen schlagen Sie vor?

Michael Barth: Als gängige Lösung beim Kontinuitätsmanagement bietet sich die Benutzung von „Hot Sites“ an. Damit kann in der Folge ein externer Zugriff auf geschäftskritische Informationssysteme sichergestellt werden.

Um den gängigen Betriebsablauf wiederherstellen zu können, müssen Räumlichkeiten gefunden werden, die sämtlichen Erfordernissen aller Beteiligten entsprechen. Während die einen lediglich einen Schreibtisch mit internetfähigem Computer benötigen, sind bei einigen Organisationen umfangreiche Replikationen der internen Datensysteme notwendig. Wichtig ist daher, derartige individuelle Bedürfnisse zu kennen und angemessen darauf reagieren zu können.

Oftmals werden auch Arbeitsplatzalternativen in verschiedenen Ländern benötigt. Solche Ausweichmöglichkeiten sollten trotz aller Umstände noch den nötigen Komfort bieten, sich in der Nähe des eigentlichen Arbeitsplatzes und der Wohnorte der Mitarbeiter zu befinden. Insbesondere in Krisenzeiten sollte ein Unternehmen die Moral seiner Mitarbeiter nicht noch zusätzlich durch die Auferlegung langer Anfahrtswege in Mitleidenschaft ziehen.

business-on.de: Welche Vorteile bieten flexible Arbeitsplatzmöglichkeiten?

Michael Barth: Neben der räumlichen Nähe von alternativen Arbeitsplätzen bieten mobile bzw. flexible Mitarbeiterschaften vor allem betriebliche Unabhängigkeit von zentralen Standorten. So sind flexible Mitarbeiter nicht mehr auf feste Plätze in innenstädtischen Bürokomplexen angewiesen und können ihre Arbeit stattdessen von zu Hause aus, in einem Drop-In-Büro oder an einem anderen beliebigen Ort erledigen.

Ist eine Niederlassung dann von einem Störfall betroffen, kann eine Vielzahl standortunabhängiger Mitarbeiter ihre Arbeit wie gewohnt und ohne Verzögerung fortsetzen. Ausfälle jeglicher Art sowie der Ansehensverlust des Unternehmens könnten so vermieden werden. Ein weiterer Vorzug dieser Regelung sind die einzusparenden Immobilienkosten um bis zu 60 Prozent.

Insgesamt betrachtet kann so nicht nur die Motivation , sondern auch die Produktivität der Mitarbeiter um ein Vielfaches erhöht werden.

business-on.de: Wer profitiert neben den Unternehmen von einem solchen Geschäftsmodell?

Michael Barth: In Zeiten von Klimawandel und Energiewende sollten Unternehmen auch Wert auf umweltdienliche Maßnahmen legen. Herkömmliche Arbeitsmuster und Kontinuitätslösungen sind oft mit langen Pendelentfernungen für die Mitarbeiter verbunden. Auch Kontinuitätspläne wie etwa Mitarbeiter von einem zentralen Abholpunkt per Bus zu einem alternativen Standort zu transportieren, sind für die Mitarbeiter-Moral, Produktivität und Umwelt wenig förderlich.

Flexible und mobile Arbeitsweisen, beispielsweise per Internet- und Wireless-Technologien, machen derartige Pendelfahrten dagegen überflüssig. Dadurch können Unternehmen nicht nur ihre betriebsinternen Kosten sowie ihre Anfälligkeit gegenüber unkontrollierbaren Krisenfällen verringern, sondern gleichzeitig auch die Umwelt schonen.

business-on.de: Wie lautet Ihr Rat für Unternehmen?

Michael Barth: Ich empfehle Unternehmen jeglicher Art, kontinuierlich nach alternativen Lösungen für die drei dauerhaften Herausforderungen Nachhaltigkeit, Kosten und Kontinuitätsplanung zu suchen. Nur so können wirtschaftliche Verluste oder gar betriebliche Schließungen vermieden werden.

(Redaktion)


 


 

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