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Agrar-Gentechnik

Keine Kennzeichnungspflicht für genveränderte Bestandteile in Lebensmitteln

Die EU-Kommission lehnt transparente Informationen über den Einsatz von Agrar-Gentechnik bei Lebensmitteln ab. Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch verschleiern EU-Kommissare eine entscheidende Kennzeichnungslücke. Die Organisation fordert zudem eine lückenlose Gentechnik-Kennzeichnung innerhalb des Freihandelsabkommens mit den USA.

Nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch lehnt die Europäische Kommission eine umfassende Transparenz über den Einsatz von Agrar-Gentechnik bei Lebensmitteln ab. Das gehe aus einem Schreiben der Kommissare für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg und Dacian Ciolos, an die Verbraucherorganisation foodwatch hervor. Sie antworteten damit auf eine E-Mail-Aktion unter www.foodwatch.de/aktion-gentechnik, über die fast 30.000 Verbraucher eine bessere Information über den Einsatz von Agrar-Gentechnik gefordert haben. Die beiden Kommissare sehen demnach keine Veranlassung, die bestehende Kennzeichnungslücke über Gentechnik in Tierfutter zu schließen, so Foodwatch.

Vollständige Kennzeichnung von gentechnisch verändertem Tierfutter gefordert

Die Verbraucherschutzorganisation prangert an, in der EU würden millionenfach Tierprodukte mit Hilfe von Agrar-Gentechnik hergestellt und verkauft, ohne dass dies für Verbraucher gekennzeichnet werden müsse. Foodwatch forderte die EU-Kommission deshalb auf, auch bei den Verhandlungen mit den USA über ein transatlantisches Freihandelsabkommen auf einer lückenlosen Kennzeichnung von gentechnisch verändertem Tierfutter bei tierischen Produkten zu bestehen. Es reiche nicht aus, nur eine Verwässerung der bestehenden Kennzeichnungsvorschriften zu verhindern.

„Die Kennzeichnungslücke beim Einsatz gentechnisch veränderten Futters entmündigt die Verbraucher Europas“, kritisierte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von Foodwatch. „Obwohl fast 80 Prozent aller in der EU verwendeten gentechnisch veränderten Pflanzen in den Futtertrog wandern, erfahren die Bürger Europas darüber beim Einkauf tierischer Produkte meist nichts –und werden somit zu Zwangsunterstützern der Agrar-Gentechnik. Die EU-Kommission muss in den Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen durchsetzen, dass der Einsatz von Agrar-Gentechnik lückenlos für Verbraucher gekennzeichnet wird.“

In den EU-Staaten müsse der Einsatz gentechnischer Methoden bisher nur dann auf dem Etikett angegeben werden, wenn das Endprodukt selbst genveränderte Zutaten enthalte. Hätten jedoch Tiere genverändertes Futter erhalten, müsse bei Fleisch, Milch, Eiern oder anderen Tierprodukten keinerlei Kennzeichnung erfolgen – Verbraucher hätten daher keine Möglichkeit, sich durch ihre Produktauswahl bewusst für oder gegen Agrar-Gentechnik zu entscheiden. In den USA seien die Regeln noch laxer: Hier müssten gentechnisch veränderte Lebensmittel bisher überhaupt nicht gekennzeichnet werden, kritisiert die Verbraucherorganisation.

Kennzeichnungslücke verhindert bewussten Verzicht auf Lebensmittel mit genveränderten Bestandteilen

In ihrem Brief an Foodwatch betonen die Kommissare Borg und Ciolos zwar: „Die Kommission betrachtet es als notwendig, die Verbraucher exakt über das Vorhandensein zugelassener genveränderter Organismen in Lebensmittel und Tierfutter zu informieren, um ihnen sachkundige Kaufentscheidungen zu ermöglichen.“ Angesichts der entscheidenden Kennzeichnungslücke über den Einsatz von genverändertem Futter ist genau dies allerdings nicht möglich: Zwar müsse Tierfutter gekennzeichnet werden, wenn es genveränderte Bestandteile enthält – Bauern und Lebensmittelhersteller müssten diese Information jedoch nicht an die Verbraucher weitergeben. Im Supermarkt fehle deshalb auf Fleisch, Milch oder Eiern genau dieser Hinweis, der es Verbrauchern ermöglichen würde, eine bewusste Wahl zu treffen, erläutert die Verbraucherorganisation. Auch sieht die Verbraucherorganisation einen „krassen Widerspruch zur geltenden Rechtslage“ in dem Schreiben der Kommissare: „Die Gesetzgebung stellt sicher, dass Verbraucher umfassend über die Existenz von genveränderten Organismen in Lebensmitteln und Futter informiert werden."

Foodwatch kritisiert die Antwort der EU-Kommissare als bewusste Täuschung der Verbraucher. „Es ist reine Augenwischerei, wenn die EU-Kommission behauptet, die Verbraucher könnten sich schon jetzt über genveränderte Futtermittel informieren! Das Gegenteil ist der Fall, und die Kommissare wissen das auch. Die EU verhöhnt die Informationsrechte der Konsumenten und redet Monsanto, Bayer Crop und Co. das Wort“, so Matthias Wolfschmidt.

(Redaktion)


 


 

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