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Arcandor-Insolvenz

Die Schlacht um Arcandor

Nach dem ersten Prozesstag gegen Middelhoff und zehn weitere Vorstandsvorsitzenden des Pleiteimperiums Arcandor sieht das Gericht das Management in der Schuld. Jedoch ist die Schadensersatzforderung von 175 Millionen Euro, die von Insolvenzverwalter Görg errechnet wurde, nicht nachvollziehbar für die vorsitzende Richterin. Dem ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff droht wohl eine Schadensersatz-Zahlung.

Am gestrigen Mittwoch startete der Prozess gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und zehn weitere Vorstandsvorsitzende. Der Kläger, Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg, fordert 175 Millionen Euro Schadensersatz. 22 Anwälte vertraten die nicht persönlich erschienen Kontrahenten am Essener Landgericht.

Der Hauptstreitpunkt ist der Verkauf von fünf Karstadthäusern an den Oppenheim-Esch-Fonds des Vermögensverwalters Josef Esch. Die fünf Immobilien sollten renoviert werden und dann wieder von Karstadt angemietet werden. Görg ist jedoch der Auffassung, dass die Verkaufspreise zu niedrig waren und die Mietkosten dagegen zu hoch. Middelhofs Verteidiger sehen keine Schuld ihres Mandanten, da die umstrittenen Verkaufs- und Mietverträge bereits in den Jahren 2001 bis 2003 geschlossen wurden, Middelhoff dagegen erklomm erst 2005 die Konzern-Spitze. Somit seien die Vorwürfe bereits verjährt. Die Vorsitzende Richterin am Essener Landgericht, Regina Pohlmann, folgt nach erster Einschätzung dieser Auffassung nicht. Middelhoff gab an, dass er die Vorgänge zu seiner Zeit an der Spitze Arcandors nicht mehr stoppen hätte können. Görg aber bemängelt, Middelhoff und seine Vorstandskollegen hätten die Nachteiligkeit der Mietverträge erkennen und die beteiligten Vorstände in Regress nehmen müssen. Pikanterweise war auch Middelhoff bei besagten Immobilienfonds beteiligt

Middelhoff kann aber auch einen kleinen Etappensieg verbuchen, das Gericht sieht nach vorläufigen Erkenntnissen nur bei einem der fünf Immobiliengeschäften eine Pflichtverletzung des Vorstands, und zwar im Fall Wiesbaden. Das Gericht wertet die von Görg errechnete Schadensersatzforderung von rund 58 Millionen Euro für dieses Projekt als „nicht schlüssig berechnet“. Die Kanzlei des Insolvenzverwalters  muss nachbessern, denn auch der Rest der geforderten 175 Millionen Euro ist für das Gericht nicht nachvollziehbar. Görgs Sprecher Thomas Schulz kündigte an: „Wir werden unsere Hausaufgaben machen.“ Der nächste Verhandlungstag für diesen Sachverhalt ist der 31. August. An diesem Tag könnten möglicherweise schon die ersten Urteile in der Aufarbeitung der KarstadtQuelle-Insolvenz gesprochen werden.

(Redaktion)


 


 

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