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Arcandor und das Insolvenz-Abenteuer

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Für den angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor könnte sich das aber schon bald als vergeblicher Zweckoptimismus heraustellen, wenn Anfang September das gerichtliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Gut möglich, dass Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg dann gar nicht mehr über eine ausreichend verwertbare Masse verfügt und gleich die Liquidation des Unternehmens anordnet.

Schon bei seinem Amtsantritt als Arcandor-Vorstandsvorsitzender hatte es Karl-Gerhard Eick nicht leicht. Sein Amtsvorgänger Thomas Middelhoff hinterließ ihm eine gewaltiges Finanzierungsloch, zudem waren binnen weniger Monate bereits milliardenschwere Kreditlinien fällig. Da klang es fast wie Hohn, als Middelhoff sagte, er habe den Konzern "besenrein" übergeben. Eigentlich unvorstellbar, aber nach Eröffnung der Insolvenz scheinen Eick und sein Verwalter Görg diesem Irrglauben tatsächlich weiter aufgesessen zu sein. Wie sonst ist zu erklären, dass die Bewilligung des 50-Millionen-Euro-Massekredits wochenlang die Schlagzeilen beherrschte und die Nerven der Beschäftigten strapazierte?

Wer will, kann bei den öffentlichen Auftritten von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Grund für das lange Zögern der Politik erfahren: Nicht die Größe eines insolventen Unternehmens sei entscheidend, so der CSU-Politiker, sondern alleinig die Vorlage eines tragfähigen Geschäftsmodells für die Zukunft. Das bestand bei Arcandor monatelang ausschließlich darin, am Erhalt des gesamten Konzerns festzuhalten. Damit punkteten Eick und Co. zwar bei der sowieso schon schwachen Arcandor-Arbeitnehmervertretung, doch operativ wurden die Hände in den Schoß gelegt.

Stattdessen kursierte in Essen die Hoffnung auf einen weißen Ritter, der als Investor den maroden Konzern aufkauft und sich dann nicht zu schade ist, Arbeitnehmer zu entlassen und Beteiligungen an Konkurrenten zu verkaufen. Metro-Chef Eckhard Cordes wartet noch bis heute auf Antwort auf sein Angebot 60 der 90 Karstadt-Filialen zu übernehmen. Das lange Zögern der Arcandor-Führung und Görg hat jetzt einen geordneten Rückzug nahezu unmöglich gemacht. Sollten jetzt nicht schnell Pläne für die einzelnen Tochtergesellschaften vorgelegt werden, droht schon in den nächsten Wochen das Chaos.

(Redaktion)


 


 

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6 Kommentare

von K. Arstadt
12.08.09 11:38 Uhr
Der Mann mit der Mundharmonika...

... spielt nun doch das Lied vom Tod. Selbst von der Arcandor-Homepage ist der Blödel-Claim "Committed to creating value" schon verschwunden. Erfolgreich wurde in den vergangenen Monaten Zeit tot geschlagen. Die wäre aber besser in den Plan B investiert worden, die einzelnen Teile der Arcandor-Blase zu einer Sanierung und Neuausrichtung zu bringen. Statt dessen wurde immer noch in dieses Kunstgebilde Kraft investiert. Nun machen wir dann in Kürze alle dicke Backen, wenn sich niemand außer den üblichen "Investoren" findet, der nur mit dem Paket hökern will, ob wir dann demnächst grüne Tüten ausgeben oder andere, ist dann auch egal: niemand will das Modell Warenhaus weiterentwickeln, lassen sich doch neue Malls und Center doch, als innovativ dargestellt, besser erklären und an den Mann bringen. Vielleicht können wir zukünftigen Ex-Karstädter ja dann in den neuen Centern eine Döner-Kette eröffnen: "Schöner Dönern in der Stadt"...

von der gutgläubige
12.08.09 13:06 Uhr
Umsatz passiert nicht, Umsatz wird gemacht!

Umsatz passiert nicht, Umsatz wird gemacht! Schön das Sie dabei sind!
Mit diesem Spruch werden wir am Personaleingang begrüßt. Mir kommt es so vor als ob wir seit Monaten belogen werden. Jeden Tag liest man etwas anderes und von offizieller Seite hört man garnichts. Nur immer, „das wird schon“, „zusammen packen wir das“. Wenn ich diesen lohn hätte dann könnte ich auch solche reden schwingen. Dass ein Herr Middelhoff nichts zustande bringt und dafür noch 20 millionen Abfindung bekommt, steckt glaube ich nicht nur mir im Hals fest. Herr Eick sollte jetzt Nägel mit Köpfen machen und mit Herrn Cordes an einen Tisch sitzen, sonst haben wir auch bald nur noch 500 – 600 Euro monatlich zum leben wie Frau Schickedanz. (haha)

von der verarschte
12.08.09 15:22 Uhr
Umsatz und CO

Ich stimme dem "gutgläubigen" zu.
Man wird nur noch hingehalten und schlecht gemacht.Daß die Umsätze nicht da sind die man sich erhofft ( da Oben) ist doch klar. Man sollte ENDLICH MAL REALISTISCH denken und schauen, dann weiss man warum die Umsätze nicht laut Plan sind. Nein aber stattdessen wird das an den Verkäufern ausgelassen weil wir ja ZU WENIG für den Umsatz tun. LÄCHERLICH....mehr fällt mir dazu nicht ein. Der Vorstand soll mal endlich aufhören zu Pokern....das können die eh nicht. Die spielen mit unseren Nerven und Geldern!!! und wenn alles vorbei ist, stecken die sich das mit UNS verdiente Geld in eigene Taschen und erzählen uns das für einen Sozialplan kein Geld übrig ist.

von mitarbeiter quelle
12.08.09 15:34 Uhr
gutgläubig

man glaubt nicht,wieviele unserer Kollegen gutgläubig sind.Wir machen Tag für Tag Umsätze so gut es geht,mit dem was noch da ist.Nur viele haben den Knall noch nicht gehört,aber der kommt ,und dann lassen wir die letzten Luftballons steigen.

von neckermann
12.08.09 17:13 Uhr
Eick ist unfähig ; Görg fehlt die strategie !

Ein super realistischer beitrag; hier wird endlich mal tacheles geredet u. deutlich, dass Eick, der ja als finanzfachmann die geschäftsbücher hätte lesen u. deuten müssen, der falsche mann als sanierer ist.
er kam von der telekom, einer Firma mit guten polstern u. tiefen taschen, hat wohl keinerlei sanierungserfahrung, ausser staaatsgelder anzuzapfen; spätestens nachdem das nicht klappte hätte er im interesse der belegschaft ernsthaft eine überleitung der gesunden teile auf interessierte mitbewerber ( Metro, Otto etc.) ver-
suchen müssen. eick hat ohne risiko (10 mio abfindung garantiert) mit
dem beruflichen leben 10tausender mitarbeiter unverantwortlich gespielt; dass der betriebsrat wie ein lamm daneben steht u. kein bisschen selbstverantwortung zeigt ist bestürzend, hier werden von allen seiten arbeitnehmerinteressen verraten.
Der vorläufige insolvenzverwalter steckt so im täglichen ablauf drin, dass er für eine strategie wohl keine kraft u. zeit mehr hatte, umso mehr kam es auf den sich leider als sanierungunfähigen Herrn Eick an !

von peterle0201
12.08.09 17:46 Uhr
das war´s

Das war´s dann wohl, oder !? Was nützen all die Kollegen, die gutgläubig an alles geglaubt haben, wenn´s denen da OBEN noch gar nicht bewusst geworden ist. Hallo, geht´s noch, ihr sitzt da gut genährt in der Kantine im Neubau in Nürnberg und redet über eure berufliche Zukunft nach der Insolvenz. Da steigt mir doch der Kamm ! Habt ihr es immer noch nicht begriffen? Ihr bleibt auch übrig. Ob mit Schlips oder ohne ist doch wurscht. Ihr seit doch auch nicht besser wie Lieschen Müller vom Band !!!

 

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