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Griechischer Wein …

… wird wohl in Zukunft für viele Griechen unerschwinglich sein, falls das Land das von der Europäischen Union verordnete Sparprogramm umsetzt. Zumindest haben die Menschen in Griechenland davor Angst. Seit vergangenem Mittwoch legen Proteste und Streiks das öffentliche Leben beinahe Lahm. Die Menschen sind es leid, die finanzielle Misere auszubaden, die ihre Regierung angerichtet hat.

Zum Streik aufgerufen hatten unter anderem der Gewerkschaftsbund GSEE sowie der Beamtenbund Adedy und die Gewerkschaft der Seeleute, der Bankbediensteten und der Jorunalisten. Zusammen kommen diese Vereinigung auf knapp anderthalb Millionen Mitglieder. Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou habe zwar „Verständnis“ für den Streik, andererseits sei aber auch einfach „kein Geld“ da. Schuld sind natürlich die rigiden Sparvorschriften der EU.

Die Ursachen dafür liegen natürlich bei den massiven Schulden des Balkanstaates. Um knapp 300 Milliarden Euro handelt es sich dabei. Nun hat die EU-Kommission die griechischen Staatsfinanzen unter ihre Aufsicht gestellt. Das Land soll in den Jahren zuvor über Zinstauschgeschäfte neu aufgenommene Schulden verschleiert haben, vermutlich auch aufgrund der strengen Maastricht-Kriterien. Aber warum eigentlich? Kaum ein Staat hält sich überhaupt an den Pakt – er hat ja auch nichts zu fürchten. Dagegen verstoßen hat neben Frankreich, Portugal und Italien auch Deutschland. Lediglich die besondere Schwere des Vergehens schockiert beim Täterprofil Griechenlands.

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Natürlich war gegen die Anschuldigungen und die aufgepfropften Sparmaßnahmen in Griechenland schnell ein Mittel gefunden. Premier Papandreou reagiert mit seiner Doppelstrategie äußerst geschickt: Einerseits werden die Sparpläne auf der Bevölkerung abgewälzt – die Staatsverschuldung soll vor allem mit Steuererhöhungen, Einkommenskürzungen und einem Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst eingedämmt werden. Andererseits wird als Schuldiger die Europäische Union identifiziert.  Vor einem Beinahe-Generalstreik hat das die griechische Regierung jedoch auch nicht geschützt.

Dennoch wissen die Griechen eigentlich, was auf sie zukommt. Umfragen zeigen, dass rund 86 Prozent der Befragten der Ansicht sind, die Sparmaßnahmen seien unabwendbar. Was stört, ist die Art und Weise, mit der der griechische Staat, der jahrelang sowohl die europäischen Nachbarn als auch die eigene Bevölkerung über seine eigene finanzielle Misere im Unwissen belassen hat, diese Maßnahmen nach unten abwälzt. Zu tragen haben das Problem nun also jene Griechen, die ohnehin schon nicht gerade mit Reichtum gesegnet sind. Ein Glück, dass die griechische Polizei mit sozialen Unruhen Erfahrung hat – sie wird sie brauchen.

(Redaktion)


 


 

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