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Indexprojekt TU München/Deutsche Börse

Deutsche Börse berechnet neue Aktienindizes für Familienunternehmen

Erstmals berechnet jetzt die Deutsche Börse AG zwei neue Aktienindizes, die auf Forschungsaktivitäten der Technischen Universität München (TUM) basieren. Die beiden neuen Indizes DAXplus Family-Index und DAXplus Family 30-Index ergänzen die bestehenden DAX-Indizes.

Der DAXplus Family-Index bildet alle deutschen Familienunternehmen ab, die den Kriterien entsprechen, die das Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS) der TUM entwickelt hat. Der DAXplus Family 30-Index bildet die dreißig größten börsennotierten Familienunternehmen ab. Ein erstes Zertifikat auf Basis der neuen Indices ist bereits emittiert worden.

Die TUM-Forschergruppe um Prof. Christoph Kaserer und Prof. Ann-Kristin Achleitner konnte zeigen, dass die Gruppe der „Familien-AGs“, die zwar an der Börse notiert sind, jedoch noch maßgeblich von den Gründerfamilien mitbestimmt werden, ein bedeutendes Marktsegment mit besonderen Merkmalen darstellt. Die 123 Unternehmen dieser Gruppe bilden ein dynamisches Mittelfeld zwischen breit gestreuten Publikumsgesellschaften auf der einen und nicht börsennotierten Unternehmen auf der anderen Seite.

Nach den Untersuchungen der TUM- Wirtschaftswissenschaftler hatte die Gruppe der Familienunternehmen im Laufe der vergangenen acht Jahre eine andere – und zum Teil bessere – Performance als der breite DAX. Darüber hinaus zeigt die TUM-Studie charakteristische Besonderheiten im Management und im operativen Geschäft dieser Unternehmen auf. Beispielsweise scheinen börsennotierte Familienunternehmen stärker auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit zu setzen.

„Wir können nicht sagen, wie die Familienunternehmen durch die Krise gekommen sind, da die Krise offensichtlich noch nicht vorbei ist“, erklärt Achleitner. „Das können wir also noch nicht beurteilen. Aber wenn Sie die Eigenkapitalquote der familiengeführten Firmen betrachten – 51 Prozent gegenüber 34 Prozent bei anderen börsennotierten Unternehmen – dann ist das, finde ich, ein ganz bequemes Polster.“

Nach den Worten von Kaserer spielen so genannte „Agency-Probleme“, die für die aktuelle Wirtschaftskrise mitverantwortlich waren, in Familienunternehmen keine oder nur eine abgeschwächte Rolle. „Agency-Probleme entstehen dadurch, dass das Management einer Firma nicht zwangsläufig immer im Interesse der Firmeneigentümer handelt. Wenn die Eigentümerfamilie jedoch in der Unternehmensleitung vertreten ist, so hat sie ein Interesse daran, dass das Unternehmen im Interesse aller Aktionäre geführt wird“, erklärt Kaserer.

Zur heterogenen Gruppe der Familienunternehmen gehören etwa 30 Prozent der börsennotierten Firmen, die den „Prime Standard“ der Deutschen Börse erfüllen – darunter Unternehmen aus der Pharma-, Chemie-, Technologie- und Baubranche ebenso wie Konsumgüterunternehmen wie Henkel oder Softwareanbieter wie SAP. In den größten dreißig börsennotierten Familienunternehmen sind zum Beispiel auch ThyssenKrupp, Wacker Chemie und Metro vertreten. 

Die Familienunternehmens-Indizes geben Investoren, Wirtschaftsexperten, staatlichen Stellen und der Öffentlichkeit erstmals die Möglichkeit, gezielt die Leistung dieses wichtigen Wirtschaftssegments einzuschätzen. „Für Investoren ist es vielleicht auch interessant, an dieser Performance teilzuhaben, indem sie in Fonds oder andere von der Performance dieser Familienunternehmen abhängige Produkte investieren“, betont Kaserer.

(TU München)


 


 

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