Sie sind hier: Startseite Mittelfranken
Weitere Artikel
Neun Fragen für 2009

Business-on.de Mittelfranken im Gespräch mit Dr. Ulrich Maly (Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg)

Business-on.de Mittelfranken befragte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zu ihren Prognosen für 2009. Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly erachtet die demografische Entwicklung der Gesellschaft als größte Herausforderung der kommenden Jahre.

Business-on.de Mittelfranken: Herr Dr. Maly, wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung in Nürnberg in 2008?

Dr. Ulrich Maly: 2008 war ein gutes Jahr für Nürnberg. Wir hatten ein überdurchschnittliches Arbeitsplatzwachstum. Auch Rankings bestätigen die Attraktivität des Standortes. So hob beispielsweise das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) die Region Nürnberg zusammen mit Stuttgart und München als einen der „drei führenden Innovationsstandorte“ Deutschlands hervor. Eine Untersuchung von Ernst & Young spricht Nürnberg sehr große Beliebtheit bei Unternehmern zu. Das zeigt: Wir sind auf einem guten Weg.

Business-on.de Mittelfranken: Wie wird sich der Arbeitsmarkt in der Region entwickeln?

Dr. Ulrich Maly: In Stadt und Region Nürnberg waren die Arbeitslosenzahlen seit 16 Jahren nicht mehr so niedrig wie derzeit. Von den großen deutschen Städten weisen derzeit lediglich die Regionen München und Stuttgart niedrigere Arbeitslosenquoten auf als der Arbeitsagenturbezirk Nürnberg. Natürlich fällt auch mir momentan ein durchweg optimistischer Blick in die Zukunft schwer. Insbesondere Unternehmen mit vielen weniger qualifizierten Arbeitnehmern werden zusätzliche Unterstützung benötigen.

Business-on.de Mittelfranken: Welche Faktoren zeichnen den Standort Nürnberg und Mittelfranken besonders aus?

Dr. Ulrich Maly: Zu den absoluten Vorteilen der Region zählen schon seit Jahrhunderten Erfindergeist und ein Hang zum Technischen. Das belegt unsere hohe Ingenieursdichte und die stets herausragende Zahl der Patentanmeldungen. Kein Wunder also, dass wir im High-Tech-Bereich punkten. Doch in Nürnberg kann man nicht nur arbeiten. Das Thema Lebensqualität wird immer mehr zum Selektionskriterium – für Unternehmer und für Arbeitnehmer. Und hier ist Nürnberg spitze!

Business-on.de Mittelfranken: Wie schätzen Sie die Perspektiven für 2009 ein? Wie wirkt sich die Finanzkrise aus?

Dr. Ulrich Maly: Ich sehe die direkten Auswirkungen im Finanzsektor in Nürnberg geringer als an Finanzplätzen wie Frankfurt oder München. Doch an den Folgewirkungen und der Konjunkturschwäche werden auch wir nicht vorbeikommen. Die Wirtschaftsstruktur in der Stadt ist allerdings robuster als noch vor zehn Jahren und wir bauen auf einem guten Jahr 2008 auf.

Business-on.de Mittelfranken: Welche Chancen und Risiken wird das Jahr für Nürnberg/Mittelfranken bringen?

Dr. Ulrich Maly: Ich denke, 2009 wird ein Jahr sein, das viele Unternehmen nutzen, um ihre Prozesse zu optimieren. Hier sehe ich Chancen der Region, sich mit ihren Stärken zum Beispiel im Bereich wie Energieeffizienz oder Automatisierung zu etablieren. Das Risiko liegt ganz deutlich im Arbeitsmarkt. Doch auch hier ist Besonnenheit angebracht. Wer im kommenden Jahr sein Personal zu stark reduziert, wird es schwer haben, den Fachkräftebedarf der Zukunft personell zu stemmen.

Business-on.de Mittelfranken: Wie sieht es mit der Steuer - und Abgabenlast in Nürnberg aus? Wie stellen Sie sicher, dass der Standort für Unternehmer attraktiv bleibt?

Dr. Ulrich Maly: Der größte Teil der Abgabenlast wird auf Bundes- und Landesebene bestimmt und entzieht sich unserem Einfluss. Bei den kommunalen Hebesätzen und Abgaben halten wir seit 20 Jahren einen stabiles, bundesweit im Durchschnitt liegendes Niveau. Dem stehen Aktiva wie eine gut ausgebaute Infrastruktur und eine leistungsfähige Verwaltung gegenüber. Trotz durchweg schmaler Kassen investiert Nürnberg kontinuierlich in Bildung und Infrastruktur, um den Standort attraktiv und fit zu halten.

Business-on.de Mittelfranken: Wie sieht es generell mit der Unternehmerfreundlichkeit in der Region aus? Welche Maßnahmen, beispielsweise im Bereich Wirtschaftsförderung, sind für das kommende Jahr geplant?

Dr. Ulrich Maly: Durch viele Gespräche wissen wir, dass die meisten Unternehmer sehr zufrieden mit dem Standort sind. Dies wurde uns auch in der letzten Unternehmensumfrage bestätigt. Wir arbeiten kontinuierlich daran, das Wirtschaftsklima am Standort und die Serviceorientierung der Stadtverwaltung weiter zu verbessern. Auch international werden wir als Stadt und als Europäische Metropolregion verstärkt Flagge zeigen.

Business-on.de Mittelfranken: Was sind die wichtigsten Trends, die im kommenden Jahr einen maßgeblichen Einfluss auf die Region Mittelfranken haben werden?

Dr. Ulrich Maly: Ich sehe die demografische Entwicklung als maßgeblichen Trend der kommenden Jahre. Das wird uns vor große Herausforderungen hinsichtlich Bildung und Integration stellen. In Nürnberg sind wir dafür gut gerüstet. Ein großer Teil unserer Lebensqualität basiert auf dem friedlichen Miteinander unterschiedlicher Kulturen in der Stadt. Wir sind tolerant gegenüber ausländischen Mitbürgern, die in Zukunft immer mehr an Bedeutung für unsere Wirtschaftskreisläufe gewinnen. Deshalb ist es unerlässlich, in gute Rahmenbedingungen für Integration und Bildung zu investieren.

Business-on.de Mittelfranken: Wer gewinnt das nächste Franken-Derby im Fußball?

Dr. Ulrich Maly: Wenn’s in der Rückrunde in Fürth gut losgeht, könnte es in Sachen Aufstieg sehr ernst werden – für beide. Wir, d.h. der Club sollten also wieder gewinnen.

(Redaktion)


 


 

ulrich maly
spd
nürnberg
oberbürgermeister
bewertung
finanzkrise
aussichten
2009
prognose
entwicklun

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "ulrich maly" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: