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Die Angst der Deutschen vor dem Atomstrom und ihre Folgen: Nach Reaktorunfall steigt die Wechselbereitschaft der Stromkunden

Das Reaktorunglück im japanischen Fukushima hat die Atomkraftdebatte in Deutschland abrupt wiederbelebt. Doch nicht nur die Angst vor dem Atomstrom ist gewachsen, auch die Bereitschaft der Deutschen den Stromanbieter zu wechseln wird durch die Katastrophe deutlich beeinflusst. Dies zeigt eine aktuelle Erhebung des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGovPsychonomics AG. Über 1000 private Entscheider in Energiefragen wurden im April 2011 repräsentativ befragt.

Demnach schnellt die Gesamtzahl der Ausstiegsbefürworter auf insgesamt 81 Prozent, nur 19 Prozent möchten weiter an der Atomkraft festhalten, sofern dabei strengere Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Satte 38 Prozent der deutschen Energieentscheider haben ihre Meinung über die Nutzung der Atomenergie durch die Ereignisse in Fukushima geändert und plädieren nun für einen Ausstieg, davon möchten 16 Prozent sogar sofort aussteigen, nur 32 Prozent sind für verlängerte Laufzeiten. Dabei unterschieden sich die Kunden der vier großen Energiekonzerne RWE, e.on, EnBW und Vattenfall in diesem Punkt nicht wesentlich von Kunden anderer Anbieter: Hier sind mit 23 Prozent nur unwesentlich mehr für eine dauerhafte Beibehaltung der deutschen AKWs.

Erstaunlich ist daher auch nicht, dass sich unter den AKW-betreibenden Großkonzern-Kunden das Wechselpotenzial am deutlichsten erhöht hat: Während hier 30 Prozent bereits vor dem Reaktorunfall über einen Wechsel ihres Energieversorgers nachdachten, ist der Anteil nun um 17 Prozent auf insgesamt 47 Prozent gestiegen. Bei kleineren Regionalversorgern ist diese Zahl nur um 14 Prozent und bei den bundesweit agierenden Billiganbietern gar nur um 7 Prozent gestiegen.

Wechsel zu reinen Ökostrom-Anbietern seit Fukushima immer populärer

Interessant sind auch die zu erwartenden Abwanderungswege der latent wechselbereiten Kunden: Fast jeder Dritte (30 Prozent) möchte zu einem reinen Ökostrom-Anbieter wechseln, 18 Prozent möchten einen Anbieter, der zumindest keine Atomkraft als Stromquelle nutzt, und 22 Prozent möchten zu einen Ökostrom-Tarif eines herkömmlichen Stromanbieters wechseln und wären demnach bereit ihren Stromversorger beizubehalten, wenn dieser Öko-Strom anbietet. Nur für 19 Prozent ist das Öko-Argument kein Grund für Ihre Wechselabsicht: Sie gehen weiterhin primär nach dem Preis und würden sich daher für einen Discount-Anbieter entscheiden. So wundert nicht, dass Öko-Anbieter derzeit einen nie dagewesenen Run auf ihre Tarifangebote erleben.

Und auch die Hersteller von Solarzellen für den privaten Verbrauch werden der Umfrage zu Folge aus den Ereignissen in Fukushima Nutzen ziehen: Von den befragten Hausbesitzern und –planern interessierten sich vor Fukushima 68 Prozent grundsätzlich für eine hauseigene Solarzellen-Anlage, nach dem Unfall sind es 79 Prozent. Aber vor allem bei Kunden von Ökostrom-Anbietern steigt die Zahl der Interessenten von 70 Prozent auf 91 Prozent. So könnte der aktuelle Erfolg der Öko-Anbieter einen faden Beigeschmack erhalten: Kurzfristig ist mit einem satten Kundenplus zu rechnen, langfristig aber ist besonders diese Kundengruppe daran interessiert zum unabhängigen Selbstversorger zu werden.

„Natürlich bleibt abzuwarten, wie nachhaltig diese Einstellungsänderungen sind und vor allem, wie stark sie sich auf das Verhalten der Deutschen auswirken", so Projektleiter Werner Grimmer, „dennoch kann man die Prognose wagen: Fukushima wird auf dem deutschen Energiemarkt nachhaltige Eindrücke hinterlassen."

Quelle: YouGovPsychonomics AG

(Redaktion)


 


 

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