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Energiewende in Deutschland

Vor elf Tagen erschütterte ein verheerendes Erdbeben Japan - und die Technikgläubigkeit der ganzen Welt. Mit der Katastrophe in den Atomreaktoren von Fukushima wächst in Deutschland der politische Wille, aus der Kernenergie auszusteigen.

Mit einer Hitzigkeit, die an die 70er-Jahre gemahnt und stellenweise an Hysterie grenzt, beharken sich Atomkraftgegner und die letzten Freunde der Kernspaltung. Viele gute Gründe sprechen für die Energiewende, aber es ist an der Zeit, endlich über die Kosten zu sprechen. Die dürften höher ausfallen, als manchem brennenden Atomkraftgegner lieb ist. Ein rascher Ausstieg bis 2020 würde nach Berechnungen der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung nicht nur bis zu 230 Milliarden Euro kosten, er könnte auch dem Standort Deutschland massiv schaden. Die industriellen Kerne des Landes sind noch immer Großverbraucher von Strom; wer hier überstürzt den Stecker ziehen will, riskiert ganze Branchen und Hunderttausende Arbeitsplätze. Viel preiswerter und einfacher wird die Energiewende aber auch nicht, wenn sie über einen längeren Zeitraum gestreckt wird. Einiges deutet daraufhin, dass die größten Verhinderer, Verzögerer und Gegner nicht die großen Stromversorger sind, sondern die Bürger selbst. In den vergangenen Monaten gab es kein energiepolitisches Großprojekt, das nicht die Wut der Deutschen zu spüren bekommen hat. Noch in den Tagen vor Fukushima opponierte das Land gegen die Einführung von E?10, immerhin ein Trippelschritt auf dem Weg der Energiewende. Der Bau von Windanlagen an Land oder auf hoher See stößt auf massiven Widerstand, Kohlekraftwerke werden radikal abgelehnt. In Norddeutschland bekämpfen die Bürger Biogasanlagen, im Süden neue Wasserkraft- oder Pumpspeicherwerke.

Und in der Mitte des Landes empören sich viele über große Stromtrassen, die die Ökoenergie aus dem Norden in den Süden bringen sollen. Auch wenn der Protest der unmittelbar Betroffenen verständlich sein mag, er darf keinen Erfolg haben. Völlig zu Recht hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ein Beschleunigungsgesetz für neue Energieleitungen ins Gespräch gebracht. Die Bürger wiederum müssen bereit sein, mehr für Strom zu bezahlen und zugleich mehr staatsbürgerliche Verantwortung zeigen.

Mit Wutbürgern ist kein Staat zu machen. Und eine Energiewende schon gar nicht.

Ein Kommentar von Matthias Iken fürs Hamburger Abendblatt

(Redaktion)


 


 

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