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Equal Pay Day

Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer

Keine Gleichheit in Sicht: Der Verdienstabstand (Gender Pay Gap) zwischen den Geschlechtern ist deutschlandweit seit Jahren konstant. 2012 erhielten Frauen durchschnittlich 15,21 Euro Bruttolohn pro Stunde und damit 22 Prozent weniger als Männer (19,60 Euro).

 Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) im Vorfeld des „Equal Pay Day“ am 21. März 2013 mit. Die geschlechtsspezifische Verdienststruktur hat sich demnach wenig verbessert; es gibt kaum Unterschiede zu den letzten Erhebungen 2010 (22 Prozent) und 2006 (23 Prozent). Auch die Vergleichsresultate für Ost- und Westdeutschland weisen kaum Veränderungen auf: So betrug 2012 der unbereinigte Gender Pay Gap im Westen 24 Prozent, in den neuen Bundesländern lag er dagegen mit 8 Prozent deutlich niedriger.

Was sind die Gründe für die Kluft?

Die wichtigsten Gründe für die Differenzen zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten gehen laut Bundesamt auf die Auswahl der Branchen und Berufe zurück. So waren Frauen im Jahr 2010 vor allem in Niedrig-Lohn-Berufen wie Reinigungskraft (85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent) tätig. Auch sind Frauen in dienstleistungsorientierten Branchen wie dem Gastgewerbe (59 Prozent), dem Erziehungswesen (65 Prozent) oder im Gesundheitsbereich (77 Prozent) besonders stark vertreten. Eine Männerdomäne ist dagegen das verarbeitende Gewerbe (75 Prozent) und auch bei gut bezahlten Fachkräften wie zum Beispiel den Datenverarbeitungsfachleuten ist der Männeranteil hoch (82 Prozent).

Hinzu kommen laut Destatis ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Frauen besetzen deutlich seltener leitende Positionen (7 Prozent) als Männer (13 Prozent). Dagegen gehören Frauen (13 Prozent) überdurchschnittlich häufig zu den ungelernten Arbeitskräften (Männer: 8 Prozent).Auch seien Frauen öfter als Männer teilzeit- oder geringfügig beschäftigt.

Allerdings verdienten Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit pro Stunde durchschnittlich 7 Prozent weniger als die männlichen Kollegen – und das lasse sich nicht durch arbeitsplatzrelevante Merkmale erklären.

Dazu schränkt das Bundesamt ein, dass der Unterschied möglicherweise geringer ausgefallen wäre, wenn weitere lohnrelevante Einflussfaktoren für die Analysen zur Verfügung gestanden hätten. So hätten beispielsweise keine Angaben zum individuellen Verhalten in Lohnverhandlungen oder zu familienbedingten Erwerbsunterbrechungen vorgelegen.

Auffällig ist der Ost-West-Vergleich: In den alten Bundesländern lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2010 bei 24 Prozent und der bereinigte Gender Pay Gap bei 7 Prozent. Im Osten betrug der Verdienstabstand unbereinigt nur 7 Prozent, nach der Bereinigung vergrößerte er sich allerdings auf 9 Prozent. Eine Erklärung sieht das Bundesamt darin, dass im Jahr 2010 die Qualifikation, die Tätigkeit und die anderen untersuchten Merkmale der Frauen in Ostdeutschland rechnerisch sogar einen leicht höheren Durchschnittsverdienst als den der ostdeutschen Männer gerechtfertigt hätten. So seien die Verdienste der Männer im Osten erheblich niedriger als im Westen und die Frauen arbeiteten in den neuen Bundesländern häufiger in Vollzeit und hätten einen niedrigeren Anteil an geringfügig Beschäftigten als die Arbeitnehmerinnen im Westen.

Methodischer Hinweis – der Gender Pay Gap

Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den durchschnittlichen Bruttostundenverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen in allgemeiner Form miteinander. Auf diese Weise wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch unterschiedliche Zugangschancen von Frauen und Männern hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind.

In die Berechnung des bereinigten Gender Pay Gap wurden als erklärende Faktoren bzw. Eigenschaften die potenzielle Berufserfahrung, der Ausbildungsabschluss, die Leistungsgruppe (Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation), die Beschäftigungsart (Vollzeit/Teilzeit), die Art des Arbeitsvertrags (befristet/unbefristet), der Beruf, der Wirtschaftszweig, die Tarifbindung des Betriebs, der Einfluss der öffentlichen Hand auf das Unternehmen, die Unternehmensgröße, die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit und die regionale Verortung des Betriebes (Ost/West; Ballungsraum/kein Ballungsraum) einbezogen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

(Redaktion)


 


 

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