20.02.2012  13:58 Uhr

Erneuerbare Energien
Siemens investiert in Meeresenergie

Mittelfranken. Siemens setzt auch bei der Energieerzeugung vermehrt auf grüne Konzepte. Der Unternehmenssektor Energie soll nach dem Willen der Verantwortlichen die Mehrheit der britischen Marine Current Turbines Ltd. übernehmen. Die kleine Firma mit Sitz in Bristol entwickelt und baut Gezeitenturbinen. Eine Technologie für die Siemens großes Potential sieht.

Schon im November 2011 hat der Technologiekonzern seine Beteiligung an Marine Current Turbines (MCT) auf 45 Prozent aufgestockt. Nun will Siemens das kleine britische Unternehmen vollständig übernehmen. In den nächsten Wochen sollen die restlichen Anteile erworben werden, wie Siemens mitteilte. Über die finanziellen Details wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir werden die Kommerzialisierung dieser vielversprechenden Technologie weiter vorantreiben, die die planbare Energie der Gezeiten nutzt“, so Ted Scheidegger, CEO der Division Solar & Hydro im Siemens-Sektor Energy. „Ziel ist es, eine führende Position in diesem Zukunftsgeschäft einzunehmen.“ Die Übernahme sei ein wichtiger Schritt für die Division Solar & Hydro.

Experten rechnen bis 2020 mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten für das Segment Meeresenergie, wie Siemens näher ausführt. Gezeitenkraftwerke nutzen die durch Ebbe und Flut entstehenden Strömungen im Meer. Im Gegensatz zur Stromerzeugung mit Sonnen- oder Windkraft liefern die Gezeiten sehr regelmäßig und konstant Energie. Die erzeugte Strommenge lässt sich so mit kleinen Abweichungen im Voraus berechnen. Auch sind die technischen Hürden beim Kraftwerksbau geringer als beispielsweiße bei Offshore-Windparks, da die Anlagen in Ufernähe errichtet werden können. Allerdings lässt sich in nur wenigen Regionen sinnvoll Energie mit Gezeitenkraftwerken erzeugen, denn die benötigte Strömungsstärke bedarf besonderer geografischer Küsteninformationen. Geeignete Gebiete sind einzelne Küstenbereiche Kanadas, Großbritanniens, Irlands, Frankreichs und einiger Länder im ostasiatischen Raum.

MCT hat sich laut Siemens zu einem Technologieführer für Gezeitenturbinen entwickelt. Das junge Unternehmen kann zwar keine signifikanten Umsätze vorweisen, betreibt aber eine Demonstrationsanlage. Gemessen an der Stromerzeugung handelt es sich hierbei um das bisher größte Gezeitenturbinenprojekt, so Siemens. Die Anlage SeaGen in Strangford Lough in Nordirland erzeugt seit November 2008 Strom mit zwei Axial-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 1,2 Megawatt. Bislang hat das Kraftwerk mehr als drei Gigawattstunden elektrischer Energie ins Netz eingespeist. In der Planung sind zwei deutlich größere Anlagen vor den Küsten von Wales und Schottland. Mit dem Potential von Siemens im Rücken sollen die beiden Projekte nun realisiert werden. In den kommenden fünf bis zehn Jahren könnten weltweit einige Dutzend Gezeitenturbinenkraftwerke errichtet werden, wie Scheidegger vermutet.


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Siemens
  • Gezeitenturbinen
  • Marine Current Turbines
  • Erneuerbare Energien

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Siemens AG



 


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