Sie sind hier: Startseite Mittelfranken Aktuell News
Weitere Artikel
Ökodesign-Verordnung für Elektromotoren

Erstmalig Produkt für industriellen Einsatz betroffen

Etwa 70 % des Stromverbrauchs der Industrie entfallen auf Antriebssysteme, in denen Elektromotoren zum Einsatz kommen. Nach Berechnungen der EU könnte die Energieeffizienz dieser Antriebssysteme kostengünstig um insgesamt 20 bis 30 % gesteigert werden. Die EU-Kommission will deshalb den Energieverbrauch von Elektromotoren beschränken, indem sie ab 2011 zeitlich gestuft immer höhere Effizienzstandards vorgibt. Eine entsprechende Ökodesign-Verordnung wird am 11. August 2009 in Kraft treten. Mit der neuen Verordnung ist erstmals ein für industrielle Anwender interessantes Produkt von Ökodesign-Anforderungen betroffen.

Die Verordnung (EG) Nr. 640/2009 sieht Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von Elektromotoren für einen weiten Leistungsbereich von 0,75 kW bis 375 kW (Nennausgangsleistung) vor. Die Vorgaben erfolgen in drei Stufen und sind gemäß dem neuen internationalen Effizienzstandard IEC 60034-30 festgelegt. Ab 16. Juni 2011 müssen alle neuen Motoren mindestens die Energieeffizienzklasse IE2 einhalten. Ab Januar 2015 ist in der Leistungsklasse 7,5 bis 375 kW die Energieeffizienzklasse IE3 einzuhalten, ab Januar 2017 gilt dies auch für die kleinen Motoren bis 7,5 kW. Alternativ dazu genügen Motoren der Klasse IE2 den Anforderungen, wenn sie zusätzlich mit einer Drehzahlregelung ausgerüstet sind.

Die Verordnung geht in mehrfacher Hinsicht über die bekannten - bislang freiwilligen - Einstufungen und Kennzeichnungen von elektrischen Motoren des europäischen Herstellerverbandes CEMEP, die so genannten „Eff-Klassen“ (Eff1, Eff2, Eff3) hinaus: Mit ihr werden Effizienzstandards erstmalig verbindlich. Sie sieht eine Einstufung und Kennzeichnung in Anlehnung an die neue Norm IEC 60034-30 vor. Gleichzeitig wird die Leistungsspanne, für die die Einteilung gilt, vor allem nach oben wesentlich erweitert und umfasst damit auch größere Motoren. Nur die effizienteste Klasse der Norm, die IE4 („Super Premium Effizienz“) bleibt bislang von verbindlichen Vorgaben verschont, sie wird in der europäischen Verordnung noch nicht erwähnt. Zu beachten ist auch, dass die Klassifizierung „umgekehrt“ erfolgt. Im alten System ist die Eff1-Klasse die effizienteste, im neuen System hingegen ist es die Klasse mit der höchsten Nummer (in der Verordnung also IE3).

Die Anforderungen gelten für das Inverkehrbringen und die Inbetriebnahme von Motoren. Die Verordnung gilt dabei auch für Motoren, die in andere Produkte und Erzeugnisse - bspw. in eine Verpackungsanlage - eingebaut sind. Hersteller und Importeure sind in der Pflicht, über die CE-Kennzeichnung nachzuweisen, dass (auch) die Energieeffizienz-anforderungen der Ökodesign-Verordnung zu Elektromotoren eingehalten werden. Auf oder in der Nähe des Leistungsschildes müssen Angaben über die Nenneffizienz bei 100 %, 75 % und 50 % der Nennlast und die Nennspannung (UN), das Effizienzniveau („IE2“ oder „IE3“) sowie das Herstellungsjahr angebracht werden. Zusätzlich bestehen für den Hersteller/ Importeur Pflichten zu weiteren Produktinformationen, die er im Internet sowie über die technischen Produkt-Unterlagen dem Anwender zur Verfügung stellen muss.

(IHK/Prof. Dr. Marx)


 


 

Motoren
Verordnung
Eff-Klasse
Energieeffizienz
Anforderungen
CE-Kennzeichnung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Motoren" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: