GfK
"Wir bringen die Stimme des Verbrauchers zum Klingen" (Interview mit GfK Managing Director Birgit Brüns)
Mittelfranken. Jeden Monat meldet die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung, wie es um das Konsumklima der Deutschen bestellt ist. Wir sprache mit Geschäftsführerin Birgit Brüns über internationalisierte Marktforschung, Mittelfranken als Traditionsquelle und die Konjunkturprogramme der Bundesregierung.
mittelfranken.business-on.de: Frau Brüns, welche Rolle spielt überhaupt noch Tradition in einem innovativen Unternehmen wie der GfK?
Birgit Brüns: Die GfK sieht heute natürlich ganz anders aus als kurz nach ihrer Gründung. Unsere Methoden, Produkte und Services haben sich geändert, sind gewachsen, wurden erweitert und optimiert. Unsere Aufgabe jedoch bleibt – im Kern – die gleiche: Wir bringen die Stimme des Verbrauchers zum Klingen. Dieses Ziel hat bereits der Gründer der GfK, Wilhelm Vershofen, so formuliert und es ist bis heute handlungsweisend. Insofern setzen wir auf Tradition – aber eben auch auf Innovation. Beide Aspekte schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.
mittelfranken.business-on.de: Was hat sich seit der Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft für die GfK geändert?
Birgit Brüns: Die GfK trägt mit dem Wechsel der Unternehmensrechtsform ihrer internationalen Ausrichtung verstärkt Rechnung. Schließlich arbeiten mehr als 80 Prozent der GfK-Mitarbeiter im Ausland. Und auch unser Vorstand ist international besetzt. Die europäische Aktiengesellschaft, die Societas Europaea (SE), spiegelt unser Selbstverständnis als globales Unternehmen sehr gut wider. Durch die Umwandlung in eine SE umfasst die Arbeitnehmerbank des Aufsichtsrats nicht mehr nur Arbeitnehmervertreter aus Deutschland, sondern auch aus anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie aus Vertragsstaaten des europäischen Wirtschaftsraums. Anstelle von drei deutschen haben wir jetzt einen deutschen und zwei ausländische Repräsentanten.
mittelfranken.business-on.de: Zu Beginn der Krise kündigten Sie, an mit dem Kostensenkungsprogramm BISS ab 2012 30 Millionen Euro einsparen zu wollen. Warum lassen Sie sich mit der Umsetzung mehr als zwei Jahre Zeit?
Birgit Brüns: Unter BISS werden Projekte zusammengefasst, die sektoren- und länderübergreifend Abläufe effektiver gestalten und Kosten senken sollen. Sie können sich vorstellen, dass Umstrukturierungen wie die Verschlankung von gesellschaftsrechtlichen Strukturen, die Konsolidierung der IT-Infrastruktur oder die Zusammenlegung von Mietflächen nicht von heute auf morgen umzusetzen sind. BISS ist kein radikales Sparprogramm nach dem Rasenmäher-Prinzip, sondern ein Mittel, die Ergebnissituation langfristig und in allen Sektoren zu verbessern. Abgesehen davon liegen wir mit BISS nicht nur im Zeitplan, sondern haben diesen bereits überholt. Die Zahlen zeigen, dass wir zum einen früher als erwartet die anvisierten Ergebnisverbesserungen erreichen, zum anderen haben wir unser Ziel noch einmal erhöht. So plant die GfK, mit BISS das Ergebnis um 40 Millionen Euro anstatt um 30 Millionen Euro zu steigern. Und dies wollen wir nicht erst 2012, sondern bereits 2011 erreichen.
mittelfranken.business-on.de: Wie begegnen Sie dem Preisdruck in der Markforschungsbranche, der angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation herrscht?
Birgit Brüns: Die Wirtschaftskrise macht natürlich nicht halt vor unserer Branche. Unternehmen überprüfen ihre Marktforschungsbudgets und vor allem die Finanz- und Automobilbranche drückt im Vergleich zu den Vorjahren auf die Bremse. Dem Preisdruck begegnen wir mit mehr Beratung – wir nennen dies Fact-based Consulting – aber auch mit innovativen Produkten und einer Erweiterung des Leistungsspektrums. Im Bereich der Handelspanels zum Beispiel mit verkürzten Berichtszeiträumen oder einer Erweiterung der Abdeckung von Warengruppen und Regionen. Hinzu kommt: Gerade in Krisenzeiten ist Marktforschung essenziell und hilft, im Wettbewerb zu bestehen und auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Unsere Kunden wissen und nutzen dies.
mittelfranken.business-on.de: Das Motto zum 75. Geburtstag der GfK lautet „Zukunft braucht Herkunft“. Welche Rolle spielen dabei Nürnberg und Mittelfranken?
Birgit Brüns: Die GfK ist ein international agierendes Unternehmen. Zugleich aber ist sie an ihrem Hauptsitz Nürnberg und auch in der Metropolregion fest verwurzelt und wird dies auch bleiben. Unseren zweiten Standort neben dem Nordwestring beziehen wir im Januar 2010 daher nicht in London oder New York, sondern in der Bamberger Straße in Nürnberg.
Dass sich die GfK der Region verbunden fühlt, zeigt sich aber vor allem an unserem sozialen und kulturellen Engagement. So unterstützt die GfK unter anderem das Theater Mumpitz, sponsert den Nürnberger Stadtlauf und ist seit Jahren als Förderer mit dem städtischen Kinder- und Jugendheim in der Reutersbrunnenstraße eng verbunden. Zudem engagieren wir uns in einer Kooperation mit dem Nürnberger Johannes-Scharrer-Gymnasium. Der GfK-Nürnberg e.V. finanziert unter anderem den Lehrstuhl Marketing Intelligence an der Universität Erlangen-Nürnberg und bietet so jungen Menschen die Möglichkeit, sich mit allen wichtigen strategischen und operativen Entscheidungsproblemen und -methoden im Marketing vertraut zu machen. Und wie Sie wissen, bin ich im Marketing Club Nürnberg als Vizepräsidentin sehr aktiv und engagiere mich in meiner Freizeit für die Stärkung des Marketing in dieser Region. Kurz gesagt und zusammengefaßt: Die GfK ist ein global ausgerichteter Konzern mit starken Wurzeln in Mittelfranken.
mittelfranken.business-on.de: Mit welchen Strategien kann die Politik auch im Jahre 2010 den privaten Konsum stabil halten?
Birgit Brüns: In den letzten Monaten hat die Politik durch ihre Konjunkturprogramme die Wirtschaft gestärkt und damit auch den privaten Konsum gefördert. Einzelne Maßnahmen möchte ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Sicher ist jedoch: Wenn die Verbraucher auch in Zukunft mit ihrem privaten Konsum die Wirtschaft stützen sollen, benötigen sie in erster Linie einen sicheren Arbeitsplatz. Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt werden prägend für die Konsumstimmung in Deutschland sein.
mittelfranken.business-on.de: Europa verliert an Bevölkerung und politischem Einfluss in der Welt. Liegen die Märkte der Zukunft außerhalb des alten Kontinents?
Birgit Brüns: Das kann man pauschal so nicht sagen. Auch Europa bietet jetzt und in Zukunft Chancen: für die Entwicklung innovativer Produkte und Services. Sicherlich liegt in Regionen wie Asien oder Lateinamerika ein Potenzial, das es zu nutzen gilt. Experten sagen voraus, dass die Marktforschungsbudgets in diesen Regionen überdurchschnittlich zunehmen werden. Daher setzen wir auch in Zukunft verstärkt auf die Präsenz in diesen Regionen.
(Redaktion)
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