05.11.2009  13:14 Uhr

adidas
"Fußball ist das Herz von adidas" - Interview mit Herbert Hainer

Mittelfranken. Auch wenn die Quartalszahlen bei adidas nicht allzu rosig ausfielen, zeigte sich die Börse dennoch mit den Ergebnissen zufrieden. Das sieht adidas-Chef Herbert Hainer genauso. Wir sprachen mit ihm über die weitere Entwicklung des Konzerns, Tradition einer Weltmarke und die Chancen der deutschen Fußballnationalelf bei der WM 2010.

mittelfranken.business-on.de: Wie zufrieden sind Sie mit der Geschäftsentwicklung in diesem Jahr?

Herbert Hainer: Wie Sie unseren jüngst veröffentlichen Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2009 entnehmen können, ist das Jahr auch für unsere Branche und unseren Konzern herausfordernd. Aber wir haben proaktiv gehandelt und es geschafft, uns auf das schwierige Umfeld einzustellen. Wir haben im 3. Quartal zwar weiterhin Umsatzrückgänge verzeichnet, aber unsere Finanzlage erheblich gestärkt und unsere Profitabilität deutlich verbessert. Daher bin ich der Meinung, das wir mit unser bisherigen Leistung in diesem Jahr zufrieden sein können.

mittelfranken.business-on.de: Noch immer ist Nike der größte Sportartikelhersteller der Welt. Durch die Übernahme von Reebok hatten Sie gehofft, den Rückstand zu verkürzen. Das ist noch nicht eingetreten. Wann rechnen Sie damit, die Amerikaner zu überholen?

Herbert Hainer: Größe allein ist für uns kein Maßstab. Wenn das so wäre, dann wären die Ameisen ausgestorben und nicht die Dinosaurier. Es ist daher nicht unser vorrangiges Ziel, das größte Sportartikelunternehmen zu werden. Unser Ziel ist es führend zu sein in all den Bereichen, die für unseren Erfolg wichtig sind. Dazu zählen Führungspositionen in den Bereichen Innovation und Design genauso wie herausragende Finanzergebnisse und ausgezeichnete Bilanzen in den Bereichen Soziales und Umwelt.

mittelfranken.business-on.de: adidas engagiert sich sehr stark im Fußball, zuletzt wurde der Vertrag mit der UEFA verlängert. Welchen Stellenwert genießt Fußball in ihrem Haus?

Herbert Hainer: Fussball ist Herz und Seele der Marke adidas, seit unser Firmengründer Adi Dassler mit seinen Fussballschuhen der Deutschen Fussball-Nationalmannschaft 1954 zum "Wunder von Bern", dem ersten Weltmeistertitel, verholfen hat. Seit dieser Zeit kamen nahezu alle bahn brechenden Innovation im Bereich Fussball von adidas. Heute sind wir weltweit die klare Nummer 1 im Fussballgeschäft und arbeiten mit den wichtigsten Events wie dem FIFA World Cup oder der UEFA EURO, den besten Teams (u.a. Bayern München, Real Madrid, Chelsea FC, Liverpool FC, AC Mailand) und herausragenden Spielern (u.a. Lionel Messi, Kaka, Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger) zusammen. Momentan bereiten wir uns intensiv auf die Fussball-WM 2010 in Südafrika vor. Noch in diesem Monat bringen wir die ersten Produkte zur WM auf den Markt, u.a. das neue Trikot der deutschen Fussball-Nationalmannschaft. Im Dezember folgt der neue WM-Ball und so werden wir unseren Kunden bis zum Start der WM im Juni 2010 ständig neue, faszinierende Produkte präsentieren.

adidas will im Outdoor-Bereich kräftig wachsen. , Copyright:
adidas will im Outdoor-Bereich kräftig wachsen.

mittelfranken.business-on.de: Orientiert sich adidas mit der eigenen Outdoor-Kollektion jetzt verstärkt in den Freizeit-Bereich? Die Konkurrenz ist nach den eingestellten Versuchen vor einigen Jahren jedoch nicht schwächer geworden…

Herbert Hainer: Outdoor ist für adidas ein wichtiger Bereich, auf den wir in Zukunft verstärkt setzen werden. Es stimmt, dass adidas in den letzten 10 Jahren Outdoor nicht im Fokus hatte. Das hat sich allerdings geändert und wir beginnen nun, einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Dazu investieren wir in den Bereich Outdoor, haben zum Beispiel unsere Partnerschaft mit Reinhold Messner erneuert, der schon vor 30 Jahren in adidas-Schuhen im Himalaya unterwegs war. Wir gehören bereits zu den zehn größten Outdoor-Anbietern weltweit und unsere Umsätze sind in diesem Jahr im Outdoor-Bereich zweistellig gewachsen. Ich bin mir sicher: adidas wird die athletische Outdoormarke der Zukunft sein.

mittelfranken.business-on.de: Mit der „Originals“-Serie ehren Sie das adidas-Design der vorangegangenen Jahrzehnte. Welche Rolle spielt Tradition in einem Unternehmen, was gerade erst 60 Jahre alt geworden ist?

Herbert Hainer: Tradition spielt bei uns eine wichtige Rolle. Wir verstehen uns als globale Marke mit deutschen Wurzeln. Schon Adi Dassler hat alle Athleten ausgerüstet, unabhängig von ihrer Herkunft: 1936 trug zum Beispiel der schwarze Läufer Jesse Owens bei seinen Olympiasiegen in Berlin Schuhe der Gebrüder Dassler . Dieser Geist von Adi Dassler ist auch heute noch spürbar, nämlich das Ziel, alle Athleten mit der optimalen Ausrüstung zu ihren Bestleistungen zu verhelfen. Wir fragen uns oft, was Adi jetzt wohl in unserer Situation machen würde, und übertragen das dann in die heutige Zeit.

Der Erfolg der adidas Originals ist phänomenal. Wir haben uns damit in den vergangenen Jahren den Bereich Mode/Streetwear neu erschlossen und konsequent mit dem Sport verbunden. Heute machen wir in diesem Segment, das wir Sport Style nennen, einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Mittlerweile erkennt man uns absolute Kompetenz in Sachen Design und Mode zu, auch dank der Zusammenarbeit mit Stella McCartney und Yohji Yamamoto. Das hat sich auch auf den Sportbereich positiv ausgewirkt. Die Marke adidas ist heute in den großen Sportarenen genauso angesagt wie in der Club-Szene oder auf den Laufstegen der New Yorker Fashion Week. Das hat keine andere Marke auch nur annähernd geschafft.

mittelfranken.business-on.de: adidas ist ein international agierender Konzern. Wie locken Sie Bewerber und High Potentials nach Herzogenaurach?

Herbert Hainer: Das ist für uns heute kein Problem. Unser Unternehmen übt dank seiner starken Marken und seines wirtschaftlichen Erfolges eine unheimliche Anziehungskraft aus, gerade auf junge Leute. Wir beschäftigen hier am Standort Herzogenrauch fast 3.000 Leute aus über 50 Nationen, das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 32 Jahren. Uns erreichen zudem pro Jahr mehr als 60.000 Bewerbungen. Gleichzeitig investieren wir viel, um hier am Standort unserer Konzernzentrale ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. So haben wir in den vergangenen zehn Jahren über 250 Millionen Euro in den Ausbau der so genannten Herzo Base investiert. Momentan bauen wir gerade das hochmoderne Bürogebaude "Laces", in das ab dem Jahr 2010 mehr als 1400 Mitarbeiter einziehen werden.

mittelfranken.business-on.de: Wie stehen die Chancen der deutschen Fußballnationalelf nächstes Jahr bei der WM in Südafrika?

Herbert Hainer: Die deutsche Mannschaft hat die Qualifikation zur WM souverän gemeistert. Deshalb bin ich optimistisch, dass das Team von Joachim Löw ein gewichtiges Wort mitreden wird, wenn es darum geht, im kommenden Sommer in Südafrika den WM-Titel zu vergeben:


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1, 3 © adidas AG



 


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