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Grüße vom Fiskus: Share your ID

Früher wäre das nicht passiert. Unsere 100 … ach 200 … nein 300-prozentigen, bleistiftspitzenden Staatsdiener beim Fiskus hätten nie wieder ruhig schlafen können, wäre ihnen bei der Vergabe von über 160.000 Steueridentifikationsnummern ein Irrtum wie dieser unterlaufen:

Entweder hat der nichtsahnende Steuerzahler gleich zwei Nummern bekommen und darf sich diejenige aussuchen, die er sich am besten merken kann, oder er muss sich seine Nummer mit einem oder einer noch Unbekannten teilen. Wie romantisch. Immerhin hat die Regierung bereits bestätigt, "dass es Sachverhalte gibt, in denen einer Person mehrere Steueridentifikationsnummern zugewiesen wurden". Sachverhalte. Ah ja. Geht aber noch. Viel interessanter ist die Geiz-ist-geil Variante der Finanzbehörden, bei der eine Steuernummer an zwei Steuerzahler gegangen ist. Über 1.300 Mal, schreibt die Welt. Nicht schlecht.

Welche Steuerklasse hätten Sie denn gern? Da wird die Steuererklärung doch gleich wieder ein bisschen spannender und der nächste Urlaub steht völlig in den Sternen. Drei Wochen Bahamas oder ein verlängertes Wochenende Gelsenkirchen? Überbackene Languste oder Currywurst? Abwarten – ihr zuständiges Finanzamt weiß es.

Die Opfer dieses kuriosen Verwaltungsfehlers werden sich jedenfalls freuen. Oder auch nicht. Erwischt hatte es laut Focus Online beispielsweise zwei Arbeitnehmer, die exakt am gleichen Tag geboren wurden, einen ähnlichen Namen tragen, sonst aber nichts und gar nichts miteinander zu tun haben. Einer von beiden darf sich jetzt mit einer neuen Steuerklasse anfreunden. Mit einer höheren versteht sich, denn es wird aufgerundet. Großzügig.

Der elfstellige Zahlenkoloss, der eigentlich so einmalig sein sollte, wie ein Fingerabdruck, war 2007 eingeführt worden und sollte uns von da an für den Rest unseres Steuer-Lebens begleiten. Die aus dem Jahr 1925 stammende Lohnsteuer-Pappe ging damit in Rente. Verdient. Auch wenn wir uns ziemlich an sie gewöhnt hatten. Waren doch sogar für jeden Steuerzahler die passenden Farben dabei: rot, gelb, grün, orange – immer im Wechsel und obwohl wir genau wussten, was kommt, war’s immer wieder spannend.

Man muss ja schon ein wenig schmunzeln, wenn man in der Historie der Lohnsteuerkarte liest: „Vorgeschrieben war zudem, dass die Karten mit Tinte beschreibbar waren“. Mit Tinte? Ach ja – Tintenstrahldrucker und so, aber Moment mal, die gab’s doch noch gar nicht. Die meinen doch nicht etwa … ? Doch, genau das meinen sie: den altmodischen, mit klecksender Tinte geladenen Füllfederhalter. Damit kann man schreiben. Okay: konnte man. Früher. Früher war ELSTER auch ein Vogel, heute ist es die ELektronische STeuerERklärung. Irgendwie treffend, dieser Name. 

Und was sagt der Bund der Steuerzahler dazu? Er sieht die Panne „im Kontext häufiger Probleme der Finanzbehörden mit IT-Projekten“. Ist ja auch nicht so einfach, dieser neumodische Kram. Ich prüfe jetzt erst mal meinen Steuerbescheid. Sicher ist sicher.

Schönes Wochenende!

Ihr Jens Schlüter

(Redaktion)


 


 

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