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Interview Online-Datenschutz

Gesetzgeber in der Pflicht

Die Diskussionen um den Online-Datenschutz reißen nicht ab und werden uns mit der Entwicklung im Web wohl noch lange beschäftigen. Zur aktuellen Entwicklung, insbesondere in Hinblick auf Social Media Netzwerke, sprach business-on.de mit der Rechtsanwältin Dr. Judith Nink von der internationalen Kanzlei Osborne Clarke.

bon: Frau Dr. Nink, die Debatte um den Online-Datenschutz hat sich zu einem Dauerthema ent- wickelt. Für viele Unternehmen sind die Marketing-Mög- lichkeiten über soziale Netzwerke unverzichtbar geworden. Worin sehen Sie hier die größte Datenschutz-Herausforderung?

Dr. Judith Nink: Unternehmen, die im Marketing auf soziale Netzwerke setzen, haben häufig die umfangreichen Datenschutzvorgaben nicht hinreichend im Blick. Gerade internationale Konzerne leiden unter den teils stark auseinanderklaffenden länderübergreifenden datenschutzrechtlichen Anforderungen. Die vielfältigen Kommunikationswege und Features werden oft ohne rechtliche Prüfung genutzt. So ist beispielsweise die Einbindung von Social Plug-Ins wie den "Gefällt Mir"-Buttons auf der unternehmenseigenen Webseite mit dem deutschen Datenschutzrecht nicht ohne weiteres zulässig. Diese übermitteln bereits beim Aufruf der Webseite Daten des Besuchers, insbesondere die IP-Adresse, an das jeweilige soziale Netzwerk. Eine Lösung bietet hier die 2-Klick-Lösung des Heise-Verlags. Diese sorgt dafür, dass eine Datenübertragung erst bei bewusster Aktivierung des jeweiligen Social Plug-Ins erfolgt. Auch Bilder und Informationen über Mitarbeiter dürfen nicht einfach auf Fan Pages eingestellt werden. Bessere Aufklärung und einheitliche europäische Standards wären wünschenswert.

bon: Auch die sozialen Netzwerke selbst stehen bei ihrem Umgang mit Datenschutz immer wieder in der Kritik. Wie stufen Sie deren Vorgehensweisen ein und welche Risiken birgt diese für ein im sozialen Netzwerk aktives Unternehmen?

Dr. Judith Nink: Die Betreiber sozialer Netzwerke sind gemäß den Vorgaben des deutschen Datenschutzrechts verpflichtet, die entsprechenden Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Daten ihrer Nutzer zu ergreifen. Praktisch besteht aber bereits Streit darüber, ob die sozialen Netzwerke überhaupt alle den deutschen Datenschutzvorschriften unterfallen, weswegen Anspruch und Wirklichkeit immer wieder auseinander klaffen. Unternehmen sollten daher genau darauf achten, welche Informationen Sie über Kunden oder Mitarbeiter im sozialen Netzwerk wirklich preisgeben. Denn einmal eingestellte Informationen lassen sich durch die enorme Schnelligkeit dieses Mediums kaum wieder auslöschen.

bon: Welche Tipps würden Sie Unternehmen für den Umgang mit sozialen Netzwerken geben?

Dr. Judith Nink: Unternehmen die soziale Netzwerke nutzen, sollten die damit verbundenen Risiken zuvor sorgfältig analysieren. Dazu erforderlich ist die Ausarbeitung einer klaren Strategie für die Kommunikation im jeweiligen sozialen Netzwerk und unter Umständen auch die Festlegung von Verhaltensrichtlinien in sozialen Netzwerken für die eigenen Mitarbeiter, sogenannte Social Media Guidelines. Fehltritte können an dieser Stelle schwerwiegende Folgen für ein Unternehmen haben. So kann eine nicht sachgemäße Reaktion auf eine Kundenbeschwerde, die Behauptung falscher Tatsachen oder Veröffentlichung geheimer Unternehmensinformationen durch den eigenen Mitarbeiter schnell einen Imageverlust und weitere juristische Auseinandersetzungen nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall wird die eigene Präsenz im sozialen Netzwerk zur Bühne der Anprangerung. Die Nutzung sozialer Netzwerke und Steuerung der Kommunikation innerhalb dieser darf daher keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.

bon: Wie kann der Gesetzgeber es schaffen, dass der Datenschutz innerhalb sozialer Netzwerke klarer und transparenter für den Nutzer umgesetzt wird?

Dr. Judith Nink: Sozialen Netzwerken gelingt es zum Teil mangels konkreter und präziser Aufklärung nicht, ein angemessenes Datenschutzniveau zu gewährleisten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist der Gesetzgeber gefordert, klare europaweit einheitliche Vorgaben zum Umgang mit Daten in sozialen Netzwerken zu schaffen. Konkret sollten Voreinstellungen möglichst datensparsam und die Widerspruchsmöglichkeiten der Nutzer klarer ausgestaltet werden, um mehr Transparenz zu etablieren. Nur wenn die von der Datenverarbeitung betroffenen Nutzer eines sozialen Netzwerkes über die Verwendung und Weitergabe ihrer Daten selbst bestimmen können, umfassend aufgeklärt sind und bei Änderungen widersprechen können, ist ein optimales Datenschutzniveau gewährleistet.

bon: Dr. Nink, Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Judith Nink wird am 18. April 2013 ein Seminar unter dem Titel „Wolke, Likes und Cookies" an der Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation durchführen.

(Dirk Schäfer)


 


 

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