19.10.2010  09:16 Uhr

Galionsfigur
Puma-Chefs Jochen Zeitz in seiner neuen Rolle

Hamburg. Puma ohne Jochen Zeitz? Das ist nach 17 überaus erfolgreichen Jahren an der Unternehmensspitze kaum vorstellbar.

Als Sanierer gestartet, hat er mit der bunten Verbindung von Sport und Lifestyle eine neue Kategorie etabliert, die dem französischen Konzern (und Puma-Mehrheitseigner) PPR nun sogar eine eigene Säule anstelle des Handelsgeschäfts wert ist. Verkaufserlöse sollen für Akquisitionen eingesetzt werden. PPR-Chef François-Henri Pinault gibt Zeitz also richtig Geld in die Hand, um das Portfolio mit Puma als Nukleus auszubauen.

Denn auch wenn Zeitz die operative Verantwortung bei Puma 2011 abgeben wird, so bleibt er als Verwaltungsratschef der dann Europäischen Aktiengesellschaft sowie als Spiritus Rector des Sport+Lifestyle-Konzepts im PPR-Konzern an Bord. Seine Rolle (und damit auch die von Puma) im PPR-Verbund wird deutlich aufgewertet, agiert er als Repräsentant der zweiten Säule doch nun auf Augenhöhe mit dem Konglomerat aus Luxusmarken wie Gucci und Yves Saint Laurent. Die engere Verzahnung mit dem Mutterkonzern ist nach dieser Lesart eine gute Nachricht für die Herzogenauracher. Als Nukleus einer Ansammlung von Marken mit den Attributen Sport+Lifestyle ist Puma so etwas wie die Galionsfigur in einem entstehenden Universum.

Zu denken gibt allerdings, dass aus den schon länger angekündigten Akquisitionen bislang nicht sonderlich viel geworden ist - bis auf eine Golfmarke kam nichts Nennenswertes hinzu. Der Split der Marken unter dem Label "Sport+Lifestyle" deutet darauf hin, dass an zugekauften Marken nicht wirklich viel zu Puma passt - und unter dem neuen Dach eher weitere Marken neben der Raubkatze angesiedelt werden. Dafür spricht auch Pinaults Aussage, der Bereich solle vor allem dort wachsen, wo Puma nicht präsent sei - ein Portfolio an globalen Marken soll entstehen.

Pumas Formwechsel in ein eingliedriges Board-System ist darüber hinaus nur folgerichtig, sind die PPR-Beteiligungen doch an die Holding angedockt. Zeitz' Wechsel in eine Kontrollfunktion ist auch kein Drama, hat er die One-Man-Show doch Stück für Stück zurückgefahren und seit 2005 Verantwortung auf andere Manager verteilt. Aus dem Kreis der internen Kandidaten hat sich bislang niemand aufgedrängt. Es spricht vieles für eine externe Nachfolgelösung.


 

(Björn Godenrath / Börsen Zeitung)

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