Interview der Woche
„Unser Ziel ist es, zum grünen Energiedienstleister zu werden“ - Interview mit Josef Hasler, künftiger Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE.
Mittelfranken. Der Diplombetriebswirt Josef Hasler gehört seit 2007 dem Vorstand der N-ERGIE an. Bisher ist er für die Bereiche Finanzen, Informationstechnologie und Netzkonzession verantwortlich. Im April dieses Jahres hat der Aufsichtsrat des regionalen Energieversorgers Hasler zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt.
mittelfranken.business-on.de: Ab August treten Sie die Nachfolge von Herbert Dombrowsky als Vorstandsvorsitzender an, was wird sich unter Ihrer Führung ändern?
Josef Hasler: Die N-ERGIE hat sich unter der Führung von Herrn Dombrowsky hervorragend entwickelt. Das sieht man schon an den Zahlen. Mein Bestreben wird sein, die strategische Ausrichtung der N-ERGIE so fortzuführen, wie sie in den vergangenen Jahren begonnen wurde. Konkret bedeutet das ein starkes Engagement in regenerative Energiegewinnung. Wir investieren aktuell zum Beispiel 36 Millionen Euro in den Bau eines Biomasse-Kraftwerks in Sandreuth. Durch den Einsatz von Holzhackschnitzeln werden zukünftig etwa 82 Millionen Kilowattstunden der bisher mit Erdgas erzeugten Wärme ersetzt. Mit dem erzeugten Ökostrom können ab Herbst 2011 etwa 10.000 Haushalte versorgt werden. Unser Ziel ist es, zum grünen Energiedienstleister zu werden.
mittelfranken.business-on.de: Sie sind seit 1999 in der Region Mittelfranken tätig, zunächst bei den Städtischen Werken Nürnberg und später bei der N-ERGIE. Was sind die besonderen Herausforderungen in der Region?
Josef Hasler: Wir sind ein Unternehmen, das sehr stark in der Region verwurzelt ist. Wir gehören zu den größten Investoren. Im Jahr 2010 haben wir rund 100 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert, um in Mittelfranken ein sicherer und preisgünstiger Versorger zu bleiben und um die Wettbewerbsfähigkeit weiter auf dem derzeit hohen Niveau zu halten. Für die Region sichern wir nachhaltig Arbeitsplätze.
mittelfranken.business-on.de: Gerade in Deutschland hat sich nach der Katastrophe in Fukushima das Klima in der Bevölkerung schlagartig gegen die Atomkraft gewandelt. Wie haben Sie persönlich auf den Reaktorunfall reagiert? Wie hat der Konzern N-ERGIE reagiert?
Josef Hasler: Persönlich unterscheide ich mich da nicht von der überwältigenden Mehrheit der Menschen auf der Welt. Es waren schockierende Bilder und Nachrichten. Eine Tragödie für die Menschen in Japan. Auf der Seite des Konzerns waren wir schon seit dem Beschluss der rot-grünen Regierung, in dem ein Ausstieg für das Jahr 2021 beschlossen wurde, auf dem Weg, verstärkt in regenerative Energiegewinnung, aber auch in konventionelle Energieerzeugung zu investieren. Dann kam der Verlängerungsbeschluss, bei dem wir auch öffentlich klar gestellt haben, dass wir ihn für unglücklich halten. Wir waren allerdings weniger aufgrund sicherheitstechnischer, sondern aufgrund wettbewerblicher Überlegungen dagegen. Durch die Laufzeitverlängerung waren wir nicht mehr in der Lage, mit konventionellen Kraftwerken auf den Markt zu kommen. Die Kalkulationsgrundlage von kleineren und mittleren Energieversorgungsunternehmen, wie wir eines sind, wurde dadurch massiv verändert. Im Energiekonzept vom Herbst 2010 dann spielten Gas und Kraft-Wärme-Kopplung keine große Rolle mehr – Techniken für eine umweltschonende Stromerzeugung, die für eine Energiewende ohne Kernkraft zwingend notwendig sind. Seit der Ausstieg vom Ausstieg diskutiert wird, gehen wir den Weg der erneuerbaren Energiegewinnung konsequent weiter.
mittelfranken.business-on.de: Wie bewerten Sie das Verhalten der Politik nach der Katastrophe?
Josef Hasler: Ganz offen bewerte ich das Verhalten als fatal. Was wir als Branche brauchen, sind verlässliche politische Rahmenbedingungen um Investitionen zu tätigen. Wir haben Investitionszyklen von bis zu 40 Jahren, daher brauchen wir einigermaßen stabile Rahmenbedingungen.
mittelfranken.business-on.de: Welche Entscheidung der Politik zur Atomfrage erwarten Sie und welche würden Sie sich wünschen?
Josef Hasler: Im Moment erwarte ich gar nichts. Wünschen würde ich mir, dass wir zum alten Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Regierung zurückkehrten und dass ein Masterplan angefertigt wird, der klar definiert, wann und wo welche Maßnahmen getroffen werden, um nach dem Atomzeitalter den Übergang in ein Zeitalter der konventionellen und regenerativen Energien zu gewährleisten. Weiter würde ich mir ein Konzept wünschen, in dem neben regenerativen Energiequellen auch die Kraft-Wärme-Kopplung bei Erdgas eine relevante Rolle spielt.
mittelfranken.business-on.de: Schon in der Vergangenheit setzte N-ERGIE stark auf erneuerbare Energiegewinnung, gleichzeitig aber sicherte sich der Energieversorger mit konventionellen Methoden ab. Wie sehen Sie die Zukunft der Energiegewinnung in Mittelfranken und in Deutschland?
Josef Hasler: Da unterscheidet sich Mittelfranken nicht vom Rest der Republik. Ich sehe die Zukunft in erneuerbarer und konventioneller Energiegewinnung mit flexiblen Gaskraftwerken und hocheffizienten Kohlekraftwerken.
mittelfranken.business-on.de: Im Moment wechseln immer mehr Kunden zu Ökostrom-Anbietern. Wie bewerten Sie diesen Trend und welche Auswirkungen sehen Sie für die N-ERGIE?
Josef Hasler: Wir haben schon seit einigen Jahren ein Ökostromangebot: Das Produkt STROM PURNATUR ist zu 100 Prozent wasserkraftbasiert. Das Energie- und Klimaschutzpaket der EU gibt vor, dass der Anteil erneuerbarer Energieträger bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent am Gesamtenergieverbrauch gesteigert werden soll. Im Netzgebiet der N-ERGIE wurde bereits 2010 dieses Ziel erreicht. Darüber hinaus wurde 2010 im Netz der N-ERGIE erstmals mehr als 50 Prozent des dezentral erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern produziert. Damit ist das für das Jahr 2030 formulierte Klimaziel der Bundesregierung ebenfalls schon erreicht.
mittelfranken.business-on.de: Herr Hasler, ich bedanke mich für das Gespräch.
(Redaktion)
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