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Kolumne

Arzthaftung

Immer mittwochs gibt die Kanzlei DR KREUZER & COLL Tipps zu aktuellen Rechtsfragen.

Wer haftet, wenn das Opfer eines Verkehrsunfalls aufgrund einer danach erfolgten fehlerhaften ärztlichen Behandlung weitere Schäden erleidet?

Bei einem Verkehrsunfall wird jemand verletzt. Er wird vom Notarzt in das nächste Krankenhaus gebracht und dort ärztlich versorgt. Durch eine fehlerhafte ärztliche Versorgung werden weitere gesundheitliche Schäden beim Unfallopfer verursacht.

Die Haftpflichtversicherung des Unfallschädigers lehnt die vom Unfallopfer gemachten Forderungen für die fehlerhafte Behandlung des Arztes mit der Begründung ab, diese Schäden seien nicht vom Unfallverursacher, sondern vom Arzt verursacht worden.

Der Arzt lehnt Schadensersatzansprüche mit der Begründung ab, das Anlass der -wenn auch fehlerhaften Behandlung- der vom Unfallschädiger schuldhaft verursachte Unfall gewesen sei.

Der Fall

Der Geschädigte erlitt bei einem Verkehrsunfall schwere Verletzungen. Den Unfall hatte der Unfallgegner allein verschuldet. Der Geschädigte wurde notfallmäßig vom Arzt behandelt, wobei bei der Röntgenaufnahme eine Verletzung der Lendenwirbelsäule übersehen wurde. Die Verletzung wurde erst später festgestellt, als es durch die Unterlassung der erforderlich gewesenen Behandlung bereits zu schweren gesundheitlichen Schäden gekommen war.

Der Geschädigte verlangt nun von dem behandelnden Arzt Schmerzensgeld aus den Folgen der fehlerhaften Behandlung.

Das Urteil

Das Gericht war der Ansicht, dass der Unfallverursacher haftungsrechtlich für die Fehlbehandlung des Arztes gleichermaßen einzustehen hat wie der unmittelbar verantwortliche Arzt. Das Fehlverhalten eines Dritten bei der Schadensbeseitigung unterbricht nicht den Zusammenhang des Erstverursachers.

Etwas anderes würde nur dann gelten, wenn der weitere Schaden durch ein zufällig ungewöhnliches und unsachgemäßes Verhalten ausgelöst worden wäre, so dass dem Erstverursacher nicht zugemutet werden kann, für die Fehler des Zweitverursachers einstehen zu müssen.

Dabei müsste der Zweitschädiger, der behandelnde Arzt, in so außergewöhnlich hohem Maße die an ein gewissenhaftes ärztliches Verhalten zu stellenden Anforderungen außer Acht gelassen und derart gegen alle ärztlichen Regeln und Erfahrungen verstoßen haben, dass der eingetretene Schaden seinem Handeln haftungsrechtlich wertend allein zugeordnet werden muss (BGH mit R 1989,78-71).

Haftungsrechtlich sind für die durch die ärztliche Behandlung eingetretenen Schäden daher sowohl der Unfallverursacher als auch der behandelnde Arzt Gesamtschuldner.

KREUZER-TIPP

Für den Fall, dass bei der Behandlung von unfallbedingten Schäden weitere Schäden durch fehlerhafte ärztliche Behandlungen eintreten, sollten bei Geltendmachung dieser Schäden sowohl der Unfallverursacher als auch der behandelnde Arzt als Gesamtschuldner verklagt werden.

(Felix Müller)


 


 

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