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Moral-Hazard-Konflikt

Krise des Bankensystems: zuviel Finanzinnovationen, zu wenig Regulierung?

Hat die heutige Finanzmarktkrise instabile Marktmechanismen oder mangelnde Regulierung als Ursache? Wissenschaftler gaben dem Ifo-Institut Antworten: Christoph Kaserer, von der Technischen Universität München, sieht in einer Kombination aus einem Regulierungsversagen und einem ungelösten Moral-Hazard-Konflikt bei Finanzinstitutionen den Grund für diese Entwicklung.

Auch sei die aktuelle Finanzmarktkrise ein deutlicher Hinweis auf ein Versagen der Corporate Governance sowohl im Bankensektor als auch bei den Ratingagenturen. Er nimmt die Finanzmarktkrise aber nicht als Beleg für noch mehr Regulierung sondern als Anlass, Regulierung intelligenter zu gestalten und insbesondere die Aufsichtsqualität zu verbessern. Hans-Peter Burghof und Felix Prothmann, von der Universität Hohenheim, warnen vor der Gefahr einer "rückgewandten Innovationsfeindlichkeit".

Die zentrale Innovation der letzten Jahrzehnte auf den Finanzmärkten sei die Entwicklung immer neuer Generationen derivativer Finanztitel gewesen, die an erster Stelle ein Instrument des Risikomanagements sind und ohne die Kapitalmärkte kaum funktionieren können. Der Fehler liege aus ihrer Sicht nicht an den neuen Produkten, sondern eher im Umgang mit diesen. Die Institution der Ratingagentur und die Finanzaufsicht sollten für eine neue, sicherere Finanzmarktordnung umgestaltet werden.

Ein Verbot bestimmter Produkte lehnen sie ab: Nach Ansicht von Dirk Schiereck, TU Darmstadt, hat die Politik die aufkommenden Probleme weitestgehend ganz einfach ignoriert, und die meisten Banken haben die Reaktionslosigkeit der Politik fälschlich als beruhigendes Signal interpretiert und sorglos weiter investiert. Er weist aber auch darauf hin, dass Investmentbanker auch für Aufschwung und Stabilität verantwortlich seien.

Ohne Investmentbanker und deren Produktinnovationen wäre die Deutsche Telekom heute nicht so stabil finanziert, hätten deutsche Mittelständler mit Angst vor der Börse keine hybrides Kapital erhalten und viele junge Unternehmen nicht den Weg an die Börse gefunden. Schiereck fordert Regulierung, Transparenz und Limitierung durch verstärkte Eigenkapitalunterlegungen. Roman Inderst, Universität Frankfurt, unterstreicht, dass die Diskussion über die Ursachen der Finanzkrise vom 'Wholesale'-Bereich dominiert werde und der 'Retail'-Bereich, d.h. der Vertrieb von Anlage- und Kreditprodukten an Privathaushalte, hierbei völlig ins Hintertreffen gerate.

Dies sei einer der größten Probleme der gegenwärtigen Debatte. Regierung und Aufsichtsbehörden könnten hier zügig im nationalen Alleingang tätig werden. Gerade im 'Retail'-Bereich sei es wichtig, die richtige Antwort zu finden. Denn auf der Grundlage eines hinreichenden Verbraucherschutzes könnten Innovationen direkt sichtbaren Mehrwert für Haushalte schaffen.

(Redaktion)


 


 

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