18.11.2011  09:33 Uhr

Marketing-Club Nürnberg e.V.
Ökostrom aus der Wüste

Mittelfranken. Max Schön, Aufsichtsratsvorsitzender der DESERTEC Foundation, stellte das Wüstenstromprojekt DESERTEC vor.

Der Marketing-Club Nürnberg e.V. konnte am vergangenen Montag zahlreiche Teilnehmer aus Industrie und Wissenschaft begrüßen, die zuvor am „Green Energy Day“ der GfK Energiemarktforschung teilgenommen haben. Im Marmorsaal der Nürnberger Akademie warteten zwei besonders hochkarätige Gastredner auf die Zuhörer: Dr. Markus Söder, Bayerischer Staatsminister der Finanzen und ehemaliger Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit, sowie Max Schön, Präsident des Club of Rome Deutschland und Aufsichtsratsvorsitzender der DESERTEC Foundation. Söder resümierte in seiner Begrüßungsrede die wichtigsten Erkenntnisse und Programmpunkte aus seiner Amtszeit im Umweltministerium: Dort setzte er sich stark für regenerative Energien ein und war maßgeblich an der Energiewende des Jahres 2011 beteiligt, die nach seinen Worten „in die Geschichte eingehen“ wird. Nachdem die moderne Industriegesellschaft 150 Jahre Raubbau an der Erde betrieben habe, finde nun endlich ein Umdenken statt, freute sich der Staatsminister. Gerade für Bayern, dem Bundesland mit dem höchsten Anteil an Atomenergie, aber auch an regenerativen Energien, stellen sich nun Herausforderungen von beiden Seiten.

Nach dieser Einstimmung auf die aktuellen Fragen und Probleme der Energiepolitik betrat Max Schön, der Hauptredner des Abends, die Bühne. Er stellte zunächst kurz den Club of Rome vor: Eine 1968 gegründete Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik aus allen Regionen unserer Erde, deren Anliegen es ist, sich für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft der Menschheit einzusetzen. Die Weltöffentlichkeit kennt den Club Of Rome seit 1972 durch den viel diskutierten Bericht „Limits to Growth“ – die Grenzen des Wachstum – und weiteren Berichten zu Zukunftsfragen der Menschheit. Heute steht die Vereinigung vor allem für zwei Initiativen. Mit der „Global Marshall Plan Initiative“ wird versucht, ein verbindliches globales Rahmenwerk für die Weltwirtschaft zu etablieren. Die Schülerinitiative „Plant-for-the-planet“ ruft dazu auf, Millionen von Bäumen im eigenen Land zu pflanzen. Die Beweggründe der Verreinigung fasst Schön mit einer knappen These zusammen: „Wenn wir so weiter machen, wird die Menschheit bis 2050 drei Erden brauchen um ihren Ressourcenbedarf zu decken.“

Ein Hauptproblem sieht Schön in der Knappheit der Energieressourcen und fordert ein Umdenken. Auf Initiative des Club of Rome, des Hamburger Klimaschutz-Fonds und des Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrums (NERC) entwickelte ein Netzwerk aus Politikern, Wissenschaftlern und Ökonomen ein revolutionäres Konzept mit dem Ziel, europäische Haushalte künftig mit Solarstrom aus Afrika zu versorgen. Das Projekt mit dem Namen DESERTEC ist daraufhin in kürzester Zeit zu einer Marke geworden, die weltweit Beachtung und Unterstützung findet. In den Wüstengebieten Afrikas soll mithilfe von solarthermischen, Photovoltaik-, und Wind-Kraftwerken Strom erzeugt werden, der dann direkt in die Verbrauchszentren Europas übertragen werden kann. Mit einer einfachen Rechnung verdeutlicht Schön die Effiziens dieses Konzepts: „Die Wüsten der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht.“

Hinter DESERTEC steht aber nicht nur eine Vision, sondern auch ein geschickter Markenauftritt. Die gemeinnützige Stiftung nannte sich zunächst Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC), ab November 2007 trat sie unter der geschützten Marke DESERTEC auf, die sich aus den Worten „Desert“ und „Technology“ zusammensetzt. Im März 2009 wurde schließlich die DESERTEC Foundation vorgestellt. Für die Umsetzung des DESERTEC-Konzpets wurden vier Initiativen ins Leben gerufen: Eine Industrie-Initiative, die unter der Marke Dii 53 Unternehmen aus zwölf Länder vereint. Daneben versuchen eine politische, eine akademische, sowie eine öffentliche Initiative jeweils auf ihren Gebieten das Projekt voranzutreiben. Im November 2011 erschien der DESERTEC-Atlas, ein Weltatlas zu den erneuerbaren Energien. Schön zeigte sich stolz in nur drei Jahren zahlreiche Sponsoren und Unterstützer gefunden zu haben und die Marke DESERTEC in der öffentlichen Wahrnehmung zu etablieren. Dennoch liegt noch ein langer Weg vor der Stiftung, um ihre Pläne zu realisieren.

Die Anwesenden im Marketing-Club zeigten sich begeistert von Schöns Ausführungen und diskutierten im Anschluss rege das DESERTEC-Konzept. Da die Stiftung nach wie vor auf Unterstützung ideeller und finanzieller Art angewiesen ist, rief der Marketing-Club dazu auf, mit dem Erwerb von DESERTEC-Atlanten für Schulklassen das Projekt zu unterstützen und ging dabei mit gutem Beispiel voran: Der Marketing-Club Nürnberg stattet eine ganze Schulklasse von 30 Schülern mit Atlanten aus. Dazu gesellten sich die GfK Energie- und Umweltforschung, der GfK Verein, die Nürnberger Akademie für Absatzwirtschaft, sowie Joseph Schielein von Schielein Reisen, die auch jeweils eine Schulklasse sponsern. Auch die International Business School Nürnberg, Thomas Nau und Professor Kai-Uwe Wellner, orderten jeweils 20 Atlanten für die eigene Hochschulbibliothek. Abschließend erklärte sich Birgit Brüns, Vizepräsidentin des Marketing-Club Nürnberg, gemeinsam mit ihrem Mann dazu bereit, eine halbe Schulklasse mit DESERTEC-Atlanten zu beschenken. Daran schloss sich Professor Ralph Blum an, der die halbe Klasse zur Ganzen machte.

Der Marketing-Club erlebte selten einen derartigen Besucheransturm und war „full house“. Nach dem Vortrag bildete sich eine lange Schlange an Mitgliedern und Gästen, die sich ihre erworbenen DESERTEC-Atlanten von Schön signieren lassen wollten.


 

(Redaktion)

  • Tags:
  • Marketing-Club Nürnberg
  • Max Schön
  • DESERTEC
  • Markus Söder

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Marketing-Club Nürnberg e.V.



 


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