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Motivation und Wissensvermittlung

Warum wir eine neue Lernkultur brauchen

Peter M. Endres war Chef der Ergo-Versicherungen (ja, genau, der Typ aus der TV-Werbung, die immer kurz vor 8 im Ersten läuft – gleich nach dem Wetter) und Gerald Hüther ist Hirnforscher. Beide von Haus aus keine Bildungsexperten. Trotzdem vermitteln sie in ihrem Buch „Lernlust.“ mehr frisches Wissen zu den Themen „Lernen“ und „(Aus)Bildung“ und „Motivation“ als ein Großteil der Pädagogen an der Tafel oder der Personalverantwortlichen im Meetingraum.

Sozialkompetenz statt 1er-Abi

Mit ihren persönlichen Erfahrungswerten aus Siegen und Niederlagen („Firma gegründet und grandios gescheitert“) und einer ganzen Palette unverbrauchter Ideen appellieren Endres und Hüther in „Lernlust.“ an Lehrer, Chefs und Teamleiter, Personen auf der anderen Seite nicht anhand von oberflächlichen Tests und Bewertungen abzustempeln. Sondern Sozialkompetenz zu erkennen, Motivation zu fördern und Wissen in einem ganzheitlichen Ansatz zu vermitteln: Synthetisches Inselwissen braucht kein Mensch. Die Fähigkeiten, Konflikte am Arbeitsplatz zu lösen, sich in andere hineinzudenken oder die eigene Kreativität in die richtigen Bahnen zu lenken, dagegen schon. Leider stehen die Anleitungen dafür aber in (fast) keinem Lehrbuch.

„Bildungssystem in einer tiefen Krise“

In Dialogform spielen sich der Ergo-Mann und der Neurobiologe die Bälle und Argumente zu. Mal augenzwinkernd kontrovers („Sind Sie persönlich aus der Pubertät heraus?“), dann wieder einvernehmlich erarbeiten sie das Ideal einer lernwilligen Gesellschaft („uns interessiert weniger, was bereits gut funktioniert als das, was noch möglich wäre“). Einig sind sie sich auf jeden Fall darin, dass das in den Schulen festgeschraubte Lernkonzept ein Auslaufmodell ist: „Was zählt, sind gute Noten fürs Pauken in möglichst kurzer Zeit. Schüler von heute werden sich kaum in der Welt von morgen zurechtfinden, wenn sie nichts weiter als Notengier gelernt haben.“

Von Hühnern und Adlern

Betriebliches Lernen, so der Konsens, braucht offene Kanäle, in denen Vorurteile korrigiert und alte Irrtümer durch neue Erfahrungen ersetzt werden können. Eine Möglichkeit dazu sind bunt gemischte Teams aus „Alten“ und „Jungen“, wobei „für die Jüngeren ein Erlebnisraum geschaffen werden müsste, in dem mehrgenerationale Begegnungen und die Weitergabe von Erfahrungen ermöglicht und als positiv erlebt werden.“ Auch das Hinterfragen verkrusteter Strukturen gehört dazu, die Fähigkeit, Kritik zu äußern und auszuhalten. Aber wie „,macht man Hühner zu Adlern, wenn die immer nur auf dem Hühnerhof sind?“ Mit Mut! Und der muss vorgelebt werden. Nicht von Lieschen Müller aus der Poststelle, sondern am besten gleich vom Herrn Direktor und seiner Führungscrew. Endres: „Neugier fördert Mut. Mut reduziert Angst. Angst ist einer der größten Verhinderer in der Wirtschaft.“ Die Neugier auf neue Lernerfahrungen und -praktiken weckt dieses Buch auf jeden Fall!

Fazit: In ihrem gemeinsamen Buch „Lernlust.“ liefern sich Peter M. Endres und Gerald Hüther einen lustvollen, intelligenten Schlagabtausch zum Thema „Lernen“ und „Förderung“. In der Summe auch ein überzeugender Appell für eine Unternehmenskultur, die mit alten Regeln und Konventionen brechen muss, um Wissen und Potenzial der Mitarbeiter optimal auszuschöpfen.

Das Buch:
Peter M. Endres, Gerald Hüther: „Lernlust“; Murmann 2014, ISBN: 3867742901

(Wolfgang Hanfstein / www.Management-Journal.de)


 


 

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