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Nicht ohne meine Smartphone

Warum digitale Medienkompetenz für Lehrer immer wichtiger wird

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft stellt uns in vielen Bereichen vor neue Herausforderungen. Gerade an Schulen ist man mit dem Tempo des „digitalen Tsunami“ häufig überfordert. Treffen hier im Extremfall „Digital Natives“, also Menschen, die wie selbstverständlich mit digitalen Medien aufwachsen, auf „Digital Analphabets“, also Personen, die digitale Medien nur wenig souverän nutzen. Wie sollen Lehrer mit diesem veränderten Mediennutzungsverhalten umgehen und was müssen sie darüber wissen?

Kinder sind Kinder sind Kinder

Ich bin davon überzeugt, dass Kinder und Jugendliche sich noch immer mit den gleichen Herausforderungen, Unsicherheiten und Fragen beschäftigen, wie die Generationen zuvor, die ohne das Internet aufgewachsen sind. Eine Erfahrung wird schließlich nicht zum „Allgemeingut“, weil jemand anders sie gemacht hat. Digitale Medien haben aber entschieden dazu beigetragen, dass die Art und Weise, wie wir etwas tun, sich verändert hat. Dadurch das Digital Natives wie selbstverständlich von klein auf mit digitalen Medien aufwachsen, entwickeln sie eine andere Sichtweise auf die Welt, als Generationen zuvor.

Internet statt Katze

Konkret sieht es so aus, dass inzwischen 97% der 12-19 jährigen permanent direkten Zugriff auf das Internet haben. Beinahe 3 Stunden verbringen Sie täglich vor dem Computer und nutzen diesen hauptsächlich zur Kommunikation mit anderen (vgl. Jim Studie 2013). Die Bitkom Studie Jugend 2.0 liefert dazu ergänzend die Erkenntnis, dass der Zugang zum Internet für die meisten Kinder und Jugendlichen wichtiger ist, als ein eigenes Haustier. Eine Aussage, die man sicherlich sacken lassen muss, die gleichzeitig aber auch zeigt, wie wichtig digitale Medien im Alltag geworden sind. Der Kerngedanke des Internet ist und war seit jeher Austausch und Vernetzung. Es ist daher wenig verwunderlich, dass 83% der 12-19 jährigen Mitglied in einem sozialen Netzwerk sind. Noch weniger erstaunlich ist sicherlich, dass Facebook hier das beliebteste Netzwerk darstellt (vgl. Jim Studie 2013).

Soziale Netzwerke als Spiegel der Gesellschaft

Inhaltlich sind soziale Medien ein Spiegel unserer Gesellschaft sind. So sprechen auch Kinder und Jugendliche hier über die Themen, die sie tagtäglich beschäftigen und interessieren. Und dabei werden eben nicht nur „alberne Bildchen“ oder „Informationen ohne Gehalt“ gepostet, wie einige denken: 81% der Jugendlichen nutzen das Netz, um sich Informationen für den Schulaltag zu holen und ein großer Teil gibt sogar an, dass sich sein Wissensstand deutlich verbessert hat (vgl. Jim Studie 2013). Und obwohl es inhaltlich irgendwie alles schon einmal gegeben hat, gibt es wichtige Unterschiede:

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Häufig wird vergessen, dass digitale Kommunikation eben immer und jederzeit für andere sichtbar ist und so das Fremdbild einer Person prägt, dass Informationen, die einmal im Netz sind eben nicht „einfach wieder verschwinden“ und dass man sich darüber klar sein muss, dass man keine Kontrolle über die Verbreitung seiner Inhalte hat. Dies ist insbesondere bei „extremen Inhalten“ wichtig, denkt man z.B. an wie Cybermobbing, Sexting oder die Verbreitung von Gewalt. Wie im „echten Leben“ gelten auch im Netz Rechte, wie z.B. das Urheberrecht oder Persönlichkeitsrechte. Auch wenn man sich hinter anonymen Namen verbergen kann: Identitäten lassen sich sehr einfach ermitteln und Vergehen werden mit Strafen geahndet.

Über die Gesellschaft und Vorbilder

Die Motive solche Inhalte zu posten haben sich im Zeitverlauf ebenfalls nicht geändert: es geht um Neugierde, die Möglichkeit seinen Status oder Mut zu beweisen oder eben um die Befriedigung eines der wichtigsten Grundbedürfnisse des Menschen: Anerkennung. Zudem bin ich der Überzeugung, dass viele Aspekte keine originären Probleme von Kindern und Jugendlichen sind, sondern vielmehr gesellschaftliche Probleme darstellen. So wichtig ein Imagewandel für eine Person wie z.B. Miley Cyrus sein mag, muss auch klar sein, dass Personen des öffentlichen Lebens schon immer eine besondere Vorbildfunktion eingenommen haben. Das gilt eben nicht nur für Musiker und Sänger sondern eben auch für Politiker. Man denke z.B. an den Twitter-Skandal, um die Nacktbilder von Anthony Weiner. Auch wenn dieser hier sicherlich über seine eigene Dummheit gestolpert ist und nicht von PR-Strategen beraten wurde.

Nicht ohne mein Smartphone

Ein besonderes Thema ist die Bedeutung von Smartphones für Kinder und Jugendliche. 72% besitzen inzwischen ein Smartphone (vgl. Jim Studie 2013). Laut Cisco Connect Report, würden 50% sogar lieber Ihr Portemonnaie verlieren, als ihr Smartphone. Für mich ist das wenig verwunderlich: das Smartphone ist für uns zunehmend zur „Echtzeitkommunikationszentrale“ geworden, die jede Form von Kommunikation (Text, Sprache, Bild) in einem Gerät vereint. Es verbindet uns mit unseren Freunden und ist ein Fenster in die Welt. Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Ständig prasseln neue Themen auf uns ein und wir bewegen uns in ständiger Alarmbereitschaft etwas Wichtiges zu verpassen. Dabei zeigen zahlreiche Studien, dass es für uns selbst immer schwerer wird Wichtiges und Unwichtiges zu unterschieden. Die Suche nach relevanten Informationen wird immer schwerer und stellt uns in Zukunft sicherlich vor zunehmend größere Herausforderungen.

Zukunft gestalten, dank Medienkompetenz

Unter diesen Aspekten interpretiere ich die Aussage, dass 57% der Jugendlichen sich einen intensiveren Einsatz von Computern im Unterricht wünschen, folgendermaßen (vgl. Bitkom Jugend 2.0): nur weil Kinder und Jugendliche mit digitalen Medien aufwachsen, fühlen sie sich im Umgang mit den Möglichkeiten noch lange nicht sicherer. Es ist unsere Aufgabe, junge Menschen dabei zu unterstützen, die Welt um sie herum zu verstehen, um sich so auf zukünftige Anforderungen einzustellen. Medienkompetenz beinhaltet für mich daher verschiedene Aspekte: die Fähigkeit Medien kritisch zu reflektieren und einzuordnen, um Medien gezielt einzusetzen, Fähigkeiten im Umgang mit neuen Medien sowie Kenntnisse, wie sich Medien aktiv und kreativ gestalten lassen. Sicherlich ist das ein großer Prozess, der auch von Lehrenden die Bereitschaft abverlangt, seine eigene Lernentwicklung niemals abzuschließen. Aber ich glaube, dass der Beruf des Lehrenden diese Einstellung grundsätzlich mit sich bringen muss. Natürlich spielt auch die Bildungspolitik, die in vielen Fällen nicht sehr motivierend gestaltet ist, eine entscheidende Rolle. Allerdings glaube ich nicht, dass wir auf Veränderungen von außen hoffen oder warten sollten, sondern selbst in den Bereichen aktiven werden müssen, die wir eigenhändig gestalten können.

Ein schönes Beispiel, wie man digitale Technologien z.B. in den Unterricht integrieren kann, anstatt diese zu verbannen, zeigt eine Schule aus Brasilen: in einem Projekt haben Schüler die Tweets von Prominenten auf Rechtschreibung und Grammatik untersucht und diesen die korrigierte Version ihres Tweets zurückgespielt.

Zusammenfassend glaube ich nicht, dass es die Aufgabe von Kindern und Jugendlichen ist, die in diese Welt hineingeboren werden, sich 1:1 unseren Wünschen und Vorstellungen von Umgang und Verhalten anzupassen. Vielmehr ist es die Aufgabe von uns Lehrenden, sich an das veränderte Medienverhalten nachwachsender Generationen anzupassen, wenn wir den Zugang zu diesen Digital Natives nicht verlieren wollen.

(Redaktion)


 


 

Michael Krisch
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Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation
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