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Otto kämpft um Quelle – das Ringen um ein Leichentuch

Dass auch nach dem Ableben des Fürther Versandhändlers Quelle das Ringen um seinen Namen noch weitergehen würde, hätten Beobachter selbst in den heißesten Phasen der Insolvenz nicht erwartet. Der Ex-Konzern Arcandor und sein Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nehmen an diesem Leichenschmaus gar nicht mehr teil – der Kampf wird zwischen Otto und der Europäischen Union ausgetragen.

Kaum ist Quelle Geschichte, schon scheint es der Otto-Konzern zu bereuen, Markenrechte, Produktnamen und Kundendatei des insolventen Versandhändlers aus Fürth erworben zu haben. Die EU-Kommission verweigert dem Konzern derzeit ihre Zustimmung zum Kauf der Marke. Nach Brüsseler Auffassung besteht die Gefahr, dass Otto durch die Übernahme der Marke Quelle eine marktbeherrschende Stellung einnehmen könnte.

Dies jedoch sei „völlig abstrus“, kommentiert Otto-Vorstandssprecher Rainer Hillebrand. Seine Argumentation: Der Katalog-Versandhandel könne nicht als Bezugsmarkt für eine eventuelle beherrschende Stellung herangezogen werden. Eine solche Abgrenzung zwischen Katalog und Internethandel entspreche nicht der Wirklichkeit des Geschäfts.

Otto hat offenbar große Pläne mit der Marke Quelle. Welche, weiß zwar derzeit noch niemand, dennoch scheut sich Hillebrand nicht, vollmundig zu verkünden: „Wir werden die Marke Quelle reaktivieren! Beide Marken, Otto und Quelle, werden sich dabei wenig stören.“ Während bei Quelle vor allem eine „konservative Kundschaft“ eingekauft habe, stehe Otto für junge Käufer. Zwar drängen sich den meisten Deutschen beim Markennamen Otto nicht gerade hippe, iPod-hörende, Facebook-benutzende, Disco-fanatische und jugendliche Freunde des Versandkatalogs ins Gedächtnis, aber das scheint die Otto-Zukunftsplanungen nicht zu stören.

Auch stellt sich die Frage, welchen Wert der Markenname Quelle wirklich noch hat. Im Zuge der Insolvenz war das Unternehmen selbst bei vielen ehemals mit Herzblut mitarbeitenden Angestellten zunehmend in Ungnade gefallen – zu viele Zugeständnisse hatten die Mitarbeiter in den Jahren zuvor gemacht, für die sie von zu vielen leeren Versprechen geködert wurden. Und so scheint der sich anbahnende Streit zwischen dem Otto-Konzern und der EU-Kartellaufsicht nicht viel mehr zu sein, als der Streit um die Echtheit des berühmten Turiner Grabtuches. Die Antwort kennt eigentlich jeder.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Rosi
08.02.10 14:58 Uhr
Keine Zustimmung der Kartelbehörden

Ich bin dafür das die EU-Kartelbehörde ihre Zustimmung verweigert. Grund Otto hatte noch im Sommer in den Medien verkündet das sie keine Interesse an Quelle sondern nur an den Töchtern wie Madeleine usw. interesse hätten. Dabei haben sie Quelle in den Medien schlecht geredet so das hierdurch auch ein Sargnagel reingehauen wurde. Und am ende war Otto doch nicht mehr an Madeleine HSE24 interessiert und haben sich die Marken von Quelle gegriffen um ihr Monopol weiter auszubauen. Daran erkennt man doch deutlich was man von Otto zuhalten hat das die gelogen haben und indrigiert haben nur um ein Unternehmen kaputt zumachen um sich selber weiter zuvergrössern. Sowas kann und darf nicht geduldet werden auch im Hinblick der vielen betroffenen die dadurch ihren Arbeitsplatz verloren haben. Wenn es eine gererchtigkeit gibt so liebe EU verweigert dieser Heuschrecke aus Hamburg die Rechte.

 

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