24.02.2010  09:14 Uhr

Interview der Woche
"Ich blicke auf mein gesamtes Berufsleben mit fantastischen Gefühlen zurück" - Interview mit Rainer Holzschuh, Herausgeber des Kicker

Mittelfranken. Der Kicker ist wohl das beliebteste Fußballmagazin Deutschlands. Als Chefredakteur stand von 1988 bis Ende 2009 Rainer Holzschuh an seiner Spitze. Business on Mittelfranken sprach mit dem jetzigen Herausgeber über sein bisheriges Berufsleben, das Verhältnis von Print- und Online-Medien und die deutschen Fußballfans.

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: Erst im vergangenen Jahr haben Sie ihren Posten als Chefredakteur niedergelegt und sind nun Herausgeber des Kicker – mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre Zeit als Chefredakteur zurück?

Rainer Holzschuh: Ich blicke auf mein gesamtes Berufsleben mit fantastischen Gefühlen zurück. Ich hatte unheimliches Glück, im Bereich Fußball arbeiten zu können. Bei einem Fußballbegeisterten kann man das gar nicht hoch genug schätzen. Am Anfang habe ich noch Fußballtabellen ausgerechnet – jetzt bin ich 65 und blicke auf ein traumhaftes Berufsleben zurück.

mittelfranken.business-on.de: Wie viele Printmedien hatte auch der Kicker in den vergangenen Jahren mit Auflagenrückgängen zu kämpfen. Wie begegnen Sie diesem Problem?

Rainer Holzschuh: Indem wir die Verbindung Print-Online und Internet TV stärken. Wir haben einen unglaublichen Internetauftritt, dessen Fachklientel seinesgleichen sucht. Der Online-Auftritt macht die Marke Kicker noch stärker – diese Ergänzung gibt uns Power.

mittelfranken.business-on.de: Was macht ihrer Meinung nach erfolgreiche Sportberichterstattung im Internet aus?

Rainer Holzschuh: Da gibt es eine ganze Reihe von Komponenten. Wir arbeiten im Internet genauso seriös wie bei Print. Und sehr schnell. Diese Seriosität ist unsere Marke. Zudem haben wir mit dem Manager-Spiel eine riesige Erfolgsstory kreiert. Das Image Kicker wirkt sich auch online aus. Kicker-Leser wissen mehr als die anderen.

mittelfranken.business-on.de: Was erwarten Sie von der Fußball-WM in Südafrika in diesem Jahr?

Rainer Holzschuh: Rein fußballfachlich gesehen war ich mit den letzten Weltmeisterschaften nicht zufrieden. Aber solch eine Atmosphäre wie bei der letzten WM hier in Deutschland hat es so vorher noch nie gegeben. Das Sommermärchen war wirklich ein reales Sommermärchen. Das wird sich so schnell nicht wiederholen, allein weil in Südafrika Winter ist. Dort wo der WM-Fußball pulsiert, nämlich in der Großregion Johannisburg, ist es ab vier Uhr nachmittags schon dunkel und damit ungemütlich kalt.

mittelfranken.business-on.de: Welche Spieler sind für sie die heißen Anwärter auf die Fußballer des Jahres 2010?

Rainer Holzschuh: Dafür ist es noch zu früh, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Das hängt zum Beispiel davon ab, wer Deutscher Meister wird, oder welcher Spieler sich in Südafrika gut macht.

mittelfranken.business-on.de: Welchen Verein würden Sie gerne kaufen um ihn mal so richtig aufzupolieren?

Rainer Holzschuh: Ich hoffe, dass sich in Deutschland grundsätzlich niemand einfach einen Verein kaufen kann. Die Regeln, die wir jetzt haben, besagen, dass der Verein selbst mindestens 50 Prozent plus 1 der Anteile halten muss. Außerdem bin ich fußballerisch völlig neutral. Ich würde höchstens sagen, dass große Traditionsvereine zum Fußball dazugehören.

mittelfranken.business-on.de: Glauben Sie, sie wären Fußballspieler geworden, wenn Sie nicht Sportjournalist geworden wären?

Rainer Holzschuh: Das wäre mein Traum gewesen. Ich habe auch bestimmt nicht schlecht gespielt, aber mein Vater hat mir bis zum Abitur verboten ,einem Verein beizutreten.

mittelfranken.business-on.de: Wie unterscheiden sich deutsche Fußballfans von denen anderer Länder?

Rainer Holzschuh: Man kann Fans nicht generalisieren. Fast jeder Club besitzt eine eigene Art von Fans. In Deutschland gibt es vor allem zwei Gruppen: Diejenigen, die im Familien- oder Freundeskreis zum Fußball gehen und diejenigen, die ein großen Gruppen ein gemeinsames Fan-Erlebnis genießen wollen.

mittelfranken.business-on.de: Welche spürbaren Auswirkungen hatte die Wirtschaftskrise auf den deutschen Fußball?

Rainer Holzschuh: Bisher überhaupt keine, höchstens in minimalen Prozentzahlen. Das liegt daran, dass hiesige Vereins- Verträge, etwa mit Sponsoren, sehr langfristig geschlossen sind und dass sich auch die Fans das Erlebnis nicht nehmen lassen.

mittelfranken.business-on.de: Welche Bedeutung hat für Ihren Verlag der Standort Nürnberg?

Rainer Holzschuh: Zum einen ist der Verleger Nürnberger. Zum anderen ist das eine Traditionsgeschichte. Der Kicker wurde 1920 gegründet und wechselte 1925 nach Nürnberg, auch weil der Club zusammen mit den Fürthern damals eine herausragende Rolle im deutschen Fußball einnahm und hier das Herz des Fußballs schlug. Auch nach dem zweiten Weltkrieg kamen wir nach einigen Irrungen und Wirrungen wieder hier her. Wir sind aber keine Club-Zeitung – das ist ganz wichtig. Unsere Neutralität muss gewahrt bleiben.

mittelfranken.business-on.de: Herr Holzschuh, ich danke Ihnen für das Gespräch.


 

(Redaktion)

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Bild Nr. 1 © kicker-sportmagazin



 


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