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Die Vorzüge des langsamen Urlaubs

Vielen Menschen machen Hektik und Stress auf Arbeit zu schaffen. Routine und volle Terminkalender zehren an den Nerven. Der Urlaub ist dann die lang ersehnte Verschnaufpause, während der man sich endlich einmal fallen lassen kann. Reiseveranstalter reagieren zunehmend auf die Bedürfnisse der Urlauber, für die Feiern und Action zweitrangig sind. Das Stichwort heißt "Slow Tourism".

Nachhaltige Eindrücke

Beim "Slow Tourism" geht es darum, die Eindrücke, die man auf einer Reise macht, nachhaltig auf sich wirken zu lassen. Man soll während der Freizeit nicht dem gleichen Stress verfallen wie auf Arbeit. Wortführer der Bewegung ist Dan Kieran, der mit seinem kürzlich erschienenen Buch "Slow Travel" die Vorzüge der Langsamkeit hervorhebt. Es geht dabei nicht nur um die Reisegeschwindigkeit selbst. Vielmehr steht die geistige Haltung im Vordergrund, jeden Augenblick intensiv wahrzunehmen und nicht nur Routen und Termine abzuarbeiten. Der Mensch soll Zeit für sich haben und seine Umwelt umfassend erleben.

Alternativen für Vielbeschäftigte

Ulrich Reinhard von der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hebt im Gespräch mit dem "Spiegel" hervor, dass die Idee enormes Potenzial habe und eine attraktive Freizeitmöglichkeit für die heutige Zeit darstelle. Besonders spreche sie all jene an, die aus beruflichen Gründen permanent erreichbar sein müssen. Auch für ältere Menschen und Leute, die nicht gern fliegen, sei das Slow Travelling zu empfehlen.

Eine weitere Fürsprecherin findet die Idee von Dan Kieran in Susanne Leder. Die Professorin für Tourismusmanagement an der FH Südewestfalen Meschede erklärt, dass der tägliche Leistungs- und Erlebnisdruck ein natürliches Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung erzeugt. Da die komplexen arbeits- und lebensweltlichen Zusammenhänge Arbeitnehmer mental zusehends auslaugen, sei es besonders wichtig, diesem Bedürfnis nachzukommen.

Variables Angebot

Slow-Tourism-Angebote sind vielfältig, so Susanne Leder. An Urlauben auf einer Alm könne der Ruhebedürftige ebenso teilnehmen wie an Wüstenwanderungen und Meditationssitzungen. Bemühungen wie der Ausbau von Schweizer Wanderwegen und die Etablierung Pkw-freier Gegenden seien weitere Gesichter der Slow-Travelling-Bewegung.

Der durch Dan Kierans Buch bekannt gemachte Trend hat seine Ursprünge in Italien. Wie Ulrich Reinhard dem Spiegel berichtet, kann das Slow Travelling als Fortführung der Slow-Food-Bewegung gesehen werden. Während bei Ersterem der Genuss beim Essen im Vordergrund stehe, gehe es bei Letzterem um den Genuss an ganzheitlichen Reiseerfahrungen. Das erste große Erstarken der Bewegung lässt sich auf die Zeit der Jahrtausendwende datieren.

Slow Tourismus in Deutschland

Im deutschen Raum setzte sich das neue Konzept mit Verspätung durch. Hauptgrund, so Reinhard, sei eine Konzentration des Tourismus auf die großen Metropolregionen. Nach und nach können aber kleine Orte wie Überlingen, Waldkirch und Nordlingen mit einer Langsamkeit punkten, die große Städte aufgrund ihrer komplexen Infrastruktur nicht ausstrahlen können.

Wirklich alles neu?

Martin Lohrmann von einem Kieler Institut für Reiseforschung wendet ein, dass die Idee nicht grundsätzlich neu sei. Abstand zum Alltag und Ruhe seien Hauptgründe für Menschen, in den Urlaub zu fahren. Ob es sich bei der Bewegung nur um einen Hype handelt, ist derzeit nicht abzusehen. Susanne Leder befürchtet jedoch, dass die Auszeichnung "Slow" im Falle eines wachsenden Angebots intransparent werden könnte.

(Marco Heinrich)


 


 

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