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Gerichtsverfahren

Siemens: Neues aus dem Schmiergelddschungel

Im Prozess gegen den ehemaligen Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt bestätigte ein Zeuge gestern das Wissen des Vorstands über die Schmiergeldzahlungen ins Ausland.

Letzte Woche schon bestätigte ein Zeuge die Bestechungszahlungen zum Erhalt von Auslandsaufträgen bei Siemens. Den Angeklagte Ganswindt wollte er davon aber nicht informiert haben. Gestern schließlich sagte der frühere Siemens-Manager Reinhard Siekaczek aus. Auf dem Zeugenstuhl konnte der inzwischen 60-jährige, einer der Hauptorganisatoren der Schwarzgeldzahlungen, frei sprechen. Er hat seine Machenschaften im Schmiergeldbetrieb bereits gestanden und wurde dafür zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und zur Zahlung von 108 000 Euro verurteilt. „Es gab lange Zeit ein System für diskrete Zahlungen“, bestätigte Siekaczek gestern noch einmal vor Gericht. Siemens-Manager in mehreren Ländern hätten bei ihm Bestechungsgelder bestellt und er habe die Zahlungen über Treuhänder veranlasst. „Das System wurde von vielen Leuten gekannt und benutzt.“ Siekaczek habe es von seinem Vorgänger übernommen.

Aber diese Hintergründe sind bereits geklärt. Im aktuellen Verfahren geht es um die Frage nach dem Mitwissen des ehemaligen Siemens-Vorstands Thomas Ganswindt. Siekaczek konnte gestern die Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Chef bestätigen: „Ich habe mit ihm über Schmiergeldzahlungen geredet, zum Beispiel zehn Millionen nach Nigeria, zehn Millionen in die GUS-Staaten, zehn bis 15 Millionen nach Griechenland und andere Staaten“, so die Aussage des früheren Siemens Managers, laut Focus online. „Ich habe gesagt, dass ich das Geld nicht mehr auftreiben kann und außerdem verstoßen wir gegen alle möglichen Gesetze“, fügte er hinzu. „Der Ganswindt hat gesagt, er kümmert sich darum“, so Siekaczek. Ein Missverständnis schließt der Zeuge, der die schwarzen Kassen im früheren Siemens-Telekommunikationsbereich verwaltet hat, aus. Ganswindt sei die Brisanz des Gesprächs Anfang 2004 bewusst gewesen: „Er hat diese komische Rausch-Anlage eingeschaltet, damit von außen niemand zuhören kann“, erinnert sich Siekaczek. „Es war klar, dass wir gegen Recht und Gesetz verstoßen. Punkt.“

Bisher hat Ganswindt im Verfahren lediglich Versäumnisse in der Korruptionsbekämpfung eingeräumt. Eine konkrete Kenntnis oder gar die Mitarbeit an Schmiergeldvorgängen bestreitet er vehement. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von den Vorgängen gewusst zu haben und nicht hinreichend dagegen vorgegangen zu sein. Damit liege eine Verletzung seiner Aufsichtspflicht vor. Seinerseits macht Ganswindt geltend, den Rauswurf Siekaczeks veranlasst zu haben, nachdem er von Bestechungszahlungen ins Ausland erfahren hatte. Bisher wurden mehrere von Ganswindts ehemaligen Mitarbeitern in der damaligen Telekommunikationsabteilung wegen Schmiergeldzahlungen für Aufträge in Nigeria oder Russland zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt.

(Redaktion)


 


 

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1 Kommentar

von Justizkritiker
28.04.11 11:49 Uhr
Und die Amies?

Das wird wohl schon so sein, dass Herr Gandswind da bescheid gewußt hat und wenn dies strafbar ist, dann muss es auch verfolgt werden. Allerdings sieht man auch hier wieder, dass Recht und Gerechtigkeit zwei paar Schuhe sind, denn wer übernimmt die Strafverfolgung der verantwortlichen Manager bei den amerikanischen Siemens-Konkurenten, die ebenso massiv geschmiert und bestochen haben und dies bis heute tun - unter voller Protektion der US-Ausßenhandelsorganisation? Aber ist schon gut - nur schön selber auspeitschen, denn wir Deutschen tragen ja gerne die Schuld, die große Schuld der ganzen bösen Welt.

 

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