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Gerichtsverfahren

Siemens im Schmiergelddschungel

Im Schmiergeldprozess gegen den ehemaligen Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt bestätigte nun ein Zeuge die Bestechungszahlungen zum Erhalt von Auslandsaufträgen.

Der ehemalige Anti-Korruptionsbeauftragte der damaligen Telekommunikationsparte ICN, Rainer Niedl, bestätigte die Zahlung  von Schmiergeldern im Ausland auch nach der gesetzlichen Ausweitung des Bestechungsverbots auf Nicht-Amtsträger. Der pensionierte Siemens-Mitarbeiter verteidigte die Machenschaften vor dem Landgericht München: „Es gab Vereinbarungen mit den Kunden, die Zahlungen wurden geleistet entsprechend der Vereinbarungen. Das ist so weitergelaufen wie vorher.“ In einigen Fällen habe er die Anweisungen sogar selbst unterschrieben. In vielen Ländern seien Geschäfte anders gar nicht möglich gewesen. Gerade in Dritte-Welt-Ländern seien nicht einmal die selbstverständlichsten Dienstleistungen ohne Schmiergeld zu bekommen. Obwohl seine eigentliche Aufgaben die Bekämpfung der Korruption innerhalb des Konzerns war, beteiligte sich Niedl selbst an derartigen Machenschaften. „Wir wollten das Geschäft machen“, so die Begründung des 66-Jährigen. 

Die Vorwürfe gegen Ganswindt konnte der Zeuge jedoch nicht bestätigen. Generell sei davon abgesehen worden, Vorstandsmitglieder von Bestechungsfällen zu informieren. Seit Anfang April wird die vor vier Jahren aufgedeckte Schmiergeldaffäre vor Gericht verhandelt. Insgesamt sollen rund 1,3 Milliarden Euro an Schwarzgeldern geflossen sein um Auslandsaufträge zu ergattern. Mit dem Ex-Manager Ganswindt muss sich zum ersten Mal ein ehemaliges Mitglied des Konzernvorstands verantworten. Der 50-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

(Redaktion)


 


 

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